Sumaya Farhat-Naser: Im Schatten des Feigenbaums.

Lenos, Basel 2013, 223 Seiten, 19,90 €

Der Feigenbaum ist ein Symbol für Frieden, Sicherheit und Lebensglück und steht hier auch für den Aufbau eines Seminarzentrums, das unter seinem Schutz gedeihen soll. Das Projekt geht auf die Autorin, Sumaya Farhat-Nasher, selbst zurück, die in Palästina mit Frauen, Jugendlichen und Kindern Workshops zu gewaltfreier Kommunikation und Umgang mit Gewalt hält.

Sie beschreibt in ihrem Buch die Probleme, welche die PalästinenserInnen tagtägich unter israelischer Besatzung bewältigen müssen. Wenn beispielsweise SiedlerInnen ihnen das Land und das Wasser wegnehmen und ihnen damit auch ihre Lebensgrundlage entziehen. Wenn ihre Reisefreiheit derart eingeschränkt ist, dass sich Familien über Jahre nicht sehen können. Wenn sie aus ihren Häusern vertrieben und diese von SiedlerInnen in Besitz genommen werden. PalästinenserInnen, die bessere Zukunftschancen wollen, sind gewissermaßen gezwungen ins Ausland zu gehen, weil ihre Möglichkeiten im eigenen Land sehr beschränkt sind.

So schreibt die Autorin: „Dass wir uns elend fühlen, ist angesichts unserer Situation normal – weil unsere Sinnesorgane noch funktionieren. Weil wir fühlen, empfinden und spüren. Weil wir sehen und hören. Weil wir denken und Pläne und Träume haben und weil wir wirkliche Ängste kennen. Es ist normal, weil wir entschlossen sind, unsere Menschlichkeit zu behalten.“

Sumaya Farhat-Nasher zeigt aber auch, wie die PalästinenserInnen mit großem Einfallsreichtum, familiären Rückhalt, Gemeindearbeit und kulturellen Aktivitäten diesen Beschwerlichkeiten entfliehen. Die Autorin, die bereits mit zahlreichen Friedenspreisen ausgezeichnet wurde, nimmt die LeserInnen mit auf eine Reise zu ihren Tätigkeiten als engagierte Friedensaktivistin. Ihr Ansatz ist es, durch positive Werte, die den drei großen Weltreligionen gemein sind, die in Israel und Palästina aufeinandertreffen, Anstöße für positive Veränderungen zu geben und Ohnmachtsgefühle zu überwinden.

Das Buch ist mit Sicherheit lesenswert. Besonders gelungen ist die Form der Verschriftlichung als Tagebuch, das von 2008 bis 2013 geführt wird. Auf diese Weise erlaubt sie es, den LeserInnen am Alltag der PalästinenserInnen teilzuhaben, der gerade in seinen Details die Beschwerlichkeiten zu Tage befördert. Die Lösungsansätze und Positionen, die Sumaya Farhat-Nasher als praktizierende palästinensische Christin vertritt, treffen mit Wahrscheinlichkeit nicht immer auf Zuspruch. Ihre Umsetzung zeigt aber ein ehrliches und couragiertes Vorgehen auf dem langen Weg zur Überwindung des Nahostkonflikts.

www.lenos.ch/

Rezensentin: Christine Esterbauer, Jänner 2014

Share this:

Hinzufügen Del.icio.us Hinzufügen Facebook