Joe Sacco: Reportagen – Den Haag/Palästina/Kaukasus/Irak/Malta/Indien

Edition Moderne, Zürich 2013, grafic journalism, 199 Seiten, € 28,80

Der maltesisch/US-amerikanische Zeichner und Journalist Joe Sacco ist wohl der bekannteste Vertreter von Journalismus in Comic-Form. Seine Bücher über Palästina und Bosnien haben ihn auch hierzulande bekannt gemacht. Der Band „Reportagen“ enthält mittellange bis kurze Arbeiten von ihm aus den letzten 15 Jahren.

Joe Sacco zu lesen ist nicht angenehm. Joe Sacco zu lesen tut weh. Denn immer führt Sacco seine LeserInnen in Kriegsgebiete. Auch wenn dort nicht geschossen wird: immer herrscht Krieg. Im Beitrag über Indien etwa ist es der Krieg gegen die Musahar, eine Subklasse der Dalits („die Unberührbaren“). Die Musahar leben nicht nur einfach in Armut, sondern kämpfen oft ums nackte Überleben: dann sind sie gezwungen Rattenhöhlen aufzugraben, um den Nagern die von ihnen auf den Feldern gesammelten Getreidekörner zu stehlen. Die Zusammenkünfte für Interviews mit ihnen gestalteten sich äußerst schwierig, dann meist tauchten sehr bald die Handlanger der jeweiligen Dorfvorsteher auf, um den Informationsaustausch zu unterbinden.
Ein Markenzeichen von Joe Saccos Reportagen ist es, dass er  in den Bildern selbst anwesend ist: das unterstreicht sowohl einen gewissen subjektiven, aber auch objektiven Faktor. Sacco im Vorwort zu diesem Buch: „Das Medium Comics zwingt mich, unerbittlich Partei zu ergreifen, was meiner Ansicht nach Teil seiner Botschaft ist.“
In der Reportage über Malta beschäftigt er sich mit dem Schicksal der dortigen afrikanischen Flüchtlinge, sowie den Reaktionen aus der maltesischen Bevölkerung auf diesen Ansturm auf ihre Insel. In „Irak“ begleitete er US-Truppen durch ihren gefährlichen Alltag, bringt, soweit als möglich, auch irakische Blickwinkel unter und schließt mit dem Interview zweier Folteropfer bei ihrem Prozess gegen den damaligen Verteidigungsminiser Donald Rumsfeld in New York.
Wie die zuvor erwähnten Reportagen ist auch der Beitrag „Kaukasus“ über den Krieg zw. Tschetschenen und Russen sehr ausführlich. Hier wird der Krieg fast durchgehend aus der Sicht von Frauen geschildert, die Sacco in Flüchtlingslagern interviewt und gezeichnet hat.
Saccos Stil wirkt durch seinen Realismus lakonisch und nüchtern, was ihn in Kombination mit den erschütternden Themen allerdings besonders eindringlich macht. - Zum wiederholten Mal also eine ganz besonders empfehlenswerte Publikation aus dem Hause „Edition Moderne“.

Eine Leseprobe aus dem Kaukasus-Beitrag finden Sie hier.

www.editionmoderne.ch

Rezensent: Thomas Divis, März '14

 

 

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