João Paulo Cuenca: Mastroianni. Ein Tag

Roman, A1 Verlag, München 2013, 141 Seiten, € 17,40
Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Michael Kegler

Der junge Brasilianer João Paulo Cuenca wurde bereits sowohl unter die 40 führenden AutorInnen Lateinamerikas gewählt, als auch unter die Top 20 der jungen LiteratInnen Brasiliens. - Nicht schlecht für einen Jungspatz von gerade mal 35. Mit „Mastroianni. Ein Tag“ legt der Münchner A1-Verlag nun Cuencas erfolgreichen Dandy-Roman von 2007 auf.

Die beiden jungen Flaneure Perdo Cassavas und sein Freund Tomás Anselmo streifen einen Tag lang genauso durch ihre Stadt, wie es bereits vor ihnen Generationen von männlichen Jugendlichen gemacht  haben – übermütig, altklug, besoffen von Alkohol und vom Leben. Den Kopf voller Mädchen und den Mund voll exaltierten Philosophierens über das Sein in einer zunehmend surreal werdenden Story:

„Ich höre die Musik wie aus der Ferne, zur Eissäule erstarrt, auf einem Sessel aus Eis in einem Eisschloss. Die süsse, engelsgleiche Maria zündet sich eine Zigarette an, saugt den Rauch in ihren Körper ein, von den Füßen bis zu den Härchen auf ihren Armen, und stößt dann wieder ein wenig davon als dunkelgraue Wolke aus – und ich weiß nicht, wie viel von dem Grau von ihr selbst ist und wie viel von der Zigarette (…).“

Das hat Tradition von Arthur Rimbaud bis Jim Morrison: c'mon baby, light my fire.

Aber in witzigen, traumartigen Einschüben werden dem Autor (in seiner Funktion als Autor) auch die Leviten gelesen. Da ist dann nicht Überhöhung, sondern Selbstkritik angesagt:
 

SIE UND IHRE SPRÜCHE: NUR WIRRES ZEUG VON BETRUNKENEN.

„Wann darf ich hier endlich raus?“

WANN IMMER SIE ES MÖCHTEN, MEIN LIEBER. SIE BRAUCHEN NUR DIE TÜR AUFZUMACHEN.

„Aber ich sehe keine Tür.“

DANN ERFINDEN SIE SIE!
 

„Mastroianni. Ein Tag“ von João Paulo Cuenca – eine sehr erfrischende Lektüre aus der jungen brasilianischen Literaturszene.
 

www.a1-verlag.de
 

Rezensent: Thomas Divis, März '14

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