AfrikaAfrika!

„Die Zirkusextravaganz vom Kontinent des Staunens“ nennt sich die Show, die gerade in Wien zu Ende ging. Eine Kritik von Julia Siart.

Ist das das echte Afrika?

Ist das das echte Afrika?

Was als „afrikanisches“ Spektakel bezeichnet wird und Stimmung und Neuartiges anpreist, hält für die ZuschauerInnen leider wenig von dem, was es verspricht. Die Stadthalle, in der die Show aufgeführt wird, ist während der Sonntagnachmittagsvorführung gut gefüllt. Ein Zitat Nelson Mandelas wird auf die geschlossenen Vorhänge projiziert. Aber von der ersten bis zur letzten Sekunde will nicht so recht Stimmung aufkommen. Das fängt mit den ersten wilden Klängen und Performances an, und hört damit auf, dass Massen an Menschen während der Zugabe aufstehen um ihre Mäntel von der Garderobe zu holen und die noch laufende Show verlassen.

Die Show bietet viel... an Klischees
Die Show bietet für AnthropologInnen und AfrikakennerInnen viel. Sie ist ein wahres Fest an Klischees, Exotismus und Oberflächlichkeit. Wilde Bemalungen der ArtistInnen, trommellastige Musik, bunte traditionell anmutende Kostüme und Kriegsgeschrei bei Tänzen zeichnen ein quietsch buntes, niederschwelliges Afrikabild.
Auch „normalen“ ZuseherInnen bietet die Vorführung viel, viel zu viel sogar. Die Darbietung ist von Anfang bis Ende überladen. Klischeehaftes reiht sich ein mit künstlerisch wenig wertvollen Darbietungen. Die TänzerInnen sind niemals synchron, neben jedem Hauptakt stehen vollkommen unvermittelt jene erwähnten halbnackte, bemalte oder wild verkleidete Statisten mit auf der Bühne, die betont sexy mit der auch teils in wilden Medleys verfangenen Musik mit wackeln und die Hüften kreisen lassen. Neben dem Geschehen auf der Bühne, den Hauptakrobaten, der Liveband und den StatistInnen gibt es dann auch noch riesige Leinwände die oftmals zusammenhangslose Bilder zeigen und versuchen betont künstlerisch wertvoll zu wirken. Bunt blitzende Portraits von AfrikanerInnen wechseln sich mit psychodelischen Farbverläufen ähnlich einem Bildschirmschutz und Originalaufnahmen von afrikanischen Minenarbeitern, die für die weißen ZuseherInnen im Film Tänze vorzeigen, ab. Den Sinn hinter dieser Originaleinspielung vermögen womöglich nicht viele der StadthallenbesucherInnen zu erfassen. Ist es nun eine Erinnerung an den historischen Kontext dieser „Performkunst“, oder einfach Bildmaterial das gut aussieht? Und wenn es eine Erinnerung an die wahren Gegebenheiten darstellt, wieso zeigt man dann einen Film, auf dem diese Verständigungsform praktisch als Unterhaltung für Weiße dargestellt wird? Ein zusätzliches verwirrendes Element in dieser überladenen Show.

Wo bleibt die Stimmung
Der Funke springt nicht aufs Publikum über, egal wie sehr die Artisten auf der Bühne schreien und klatschen und die Band ein Hakuna Matata Medley singt.
Die Show wirkt verfangenen zwischen dem Bemühen „traditionelle, afrikanische“ Darbietungen mit einem betont modernen Ansatz zu verbinden. Das spiegelt sich in der Musik, den Effekten, den Kostümen und den Darbietungen wieder, was alles größtenteils am Publikum vorbei geht.

Gute Leistung
Jedoch gibt es auch einige wenige Momente, in denen die volle Aufmerksamkeit den KünstlerInnen gehört. Nämlich dann, wenn reduziert auf das Wesentliche, die Leistung der DarstellerInnen im Mittelpunkt steht und der Rest verklingt. Wenn Akrobaten ihre Künste zeigen, wenn die Band ohne Drumherum ein Lied singt und wenn die Bühne diesen einigen wenigen gehört. Dann ist es eine großartige Show und man erkennt, dass die einzelnen Elemente tatsächlich Tolles darbieten. Besonders die akrobatischen Darstellungen sind herausragend. Ob das nun 3 Männer sind, die schier unmögliche Pyramiden bauen oder Schlangenmenschen, die ihre Biegsamkeit zur Schau stellen.
Aber auch moderne Acts gelingen, wenn kein vorsätzlich „afrikanisches“ Element zwanghaft eingefügt wird. Wenn eine Basketballmannschaft aus jungen Akrobaten zu mitreißender moderner Musik einen Dunk nach dem anderen mit Hilfe eines Trampolins vollbringt. Dann wird wild geklatscht und zustimmend gepfiffen. Folgt daraufhin der nächste „afrikanische“, halb nackte, Einheitsbreitanz, ist es mit der Stimmung schon wieder vorbei.
Die Schwierigkeit mit der Stimmung zieht sich bis zum Schluss hin, wenn während der Zugabe und einem Massentanz aller Mitwirkenden einige der DarstellerInnen durch die Gänge gehen um die Leute zum Aufstehen zu animieren und in einer Stadt wie Wien, wo nicht aufzustehen wenn es die anderen machen als unhöflich gelten könnte, nicht einmal der halbe Saal aufsteht. Von jenen die aufstehen, nützt die Hälfte die Gelegenheit ihre Jacken zu holen, bevor der große Ansturm auf die Garderobe losgeht. Die Stimmung geht bei dem Spagat zwischen „afrikanischem“ und dem Überangebot auf der Bühne verloren und kommt nur in kurzen Momenten wieder in die Halle zurück.

Julia Siart, 3.4.2014

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