Proudly Zimbabwean

Simbabwe: ein Land bekannt für ehemaligen Reichtum, aber auch für Robert Mugabe, Hyperinflation und Menschenrechtsverletzungen. Ein Stimmungsbild von Jessica Gärtner

Simbabwisches Geld: Ein Relikt aus alten Zeiten.

Simbabwisches Geld: Ein Relikt aus alten Zeiten.

Der US-Dollar ist in Simbabwe das offizielle Zahlungsmittel, eine eigene Währung gibt es nicht. Doch viele Menschen finden einen Weg, mit dieser Situation umzugehen und zu ihrem Vorteil zu nutzen. So behielten viele Simbabwer ihre alten Simbabwe-Dollar-Noten und verkaufen diese heute als Souvenirs an Touristen. Dies ist zwar illegal, aber ein gutes Geschäft, gerade an den Victoria Falls wimmelt es vor Touristen, viele kommen auch nur für einen Tag aus Sambia oder Botswana um sich die Victoria Falls in Simbabwe anzusehen. Ein 50-Milliarden-Dollar-Geldschein kommt als Souvenir gut an und ist hier 2 US-Dollar wert. Somit machen die Einheimischen die wertlose Währung wieder zu Geld und können sich damit etwas dazu verdienen und ihre Familie unterstützen.

 


Simbabwes Geschichte

(Süd)Rhodesien, das heutige Simbabwe, wurde 1923 zur britischen Kronkolonie, in welcher eine an Südafrika erinnernde rassistische Siedlungspolitik betrieben wurde. Der Befreiungskampf der indigenen Bevölkerung begann in den 1970er Jahren und 1980 erlangt Simbabwe unter Robert Mugabe die Unabhängigkeit. Da das Agrarland nach wie vor stark ungleich verteilt war und die weiße Minderheit fast das gesamte fruchtbare Land besiedelte, begann Mugabe in den 1990er Jahren mit der Landumverteilung, welche zu gewalttätigen Ausschreitungen und starker Kritik aus dem Westen führte. Die EU erließ daraufhin 2002 Sanktionen gegenüber Simbabwe, welche das Land in eine ökonomische Rezession trieben. 2007 stürzte Simbabwe zudem in eine immense Hyperinflation, welche bei ihrem Höhepunkt auf eine Inflationsrate von 90 Trilliarden Prozent anstieg und in der Übernahme des US-Dollars als offizielles Zahlungsmittel endete.


 

Kleiner Aufschwung

Obwohl die Übernahme einer eigenen Währung nicht in Sicht ist, ist die Stimmung in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, zumindest innerhalb der schwarzen Bevölkerung, positiv.  Die Sanktionen der EU wurden zu Beginn des Jahres so gut wie aufgehoben. Es kommen mehr InvestorInnen ins Land, vor allem aus China, es wird in Infrastruktur investiert und die Supermärkte haben weitaus mehr Produkte als noch vor ein paar Jahren. Die Lebensmittelpreise fallen, sodass die angebotenen Produkte auch für die Mittelschicht des Landes bezahlbar werden. Die letzten Wahlen im August 2013 verliefen friedlich und obwohl westliche Regierungen und die Opposition von Wahlbetrug sprachen bezeichneten die internationalen Organisationen vor Ort die Wahlen als frei. Mugabe gewann erneut und ist somit seit 34 Jahren im Amt. Die weiße Bevölkerung in Simbabwe bezeichnet ihn als Diktator und Menschenrechtsverletzer, als Tyrann, der endlich gehen muss. Auch die schwarze Bevölkerung ist der Meinung, dass seine Zeit gekommen ist und das Land eine neue, junge Führung braucht. Jedoch muss auch gesagt werden, dass er nach wie vor von der indigenen Bevölkerung geschätzt wird. Er befreite das Land von der britischen Besatzung, er versuchte, Land umzuverteilen und ging dabei durchaus brutaler vor als es zum Beispiel in Südafrika geschah, verschaffte sich damit aber auch Respekt innerhalb der schwarzen Bevölkerung. Seine Herrschaft wird hier weitaus nicht so schwarz-weiß gesehen wie im Westen und seine Abneigung gegenüber den Doktrinen der USA und Großbritanniens wird durchaus auch als positiv bewertet.

 

Neues Selbstbewusstsein

Dies ist auch in der Mode zu sehen. Während der Wahlen 2013 wurden Kappen mit Mugabes Gesicht als Aufdruck produziert, zu dieser Zeit sicher als Propagandamittel zu verstehen. Die Kappen werden jedoch jetzt noch getragen, 8 Monate nach der Wahl. Desweiteren gibt es Shirts mit seinem Gesicht und sogar modische Handtaschen für Frauen aus Chitenge, dem traditionellen Stoff, ebenfalls mit Mugabe-Print.

Zudem wird gerne Flagge gezeigt in Simbabwe, und zwar überall. Die simbabwische Flagge ist im öffentlichen Leben zu sehen, als Tischdekoration in Restaurants, als Armband, auf Kunstwerken, als Sticker auf Autos. Es gibt sogar Duftbäume für Autos mit dem Aufdruck Proudly Zimbabwean:, Stolz, simbabwisch zu sein.

Proudly Zimbabwean beschreibt das neue Selbstbewusstsein der Bevölkerung. Es herrscht keine Demokratie, die Pressefreiheit ist eingeschränkt, die Wirtschaft hat sich noch nicht ganz von den Strapazen der vergangenen Jahre erholt und Korruption ist weit verbreitet und der Hauptgrund, warum ein Land so reich an Diamanten nicht dazu imstande ist, die Bevölkerung ausreichend zu versorgen. Dennoch ist man Stolz, sich von der britischen Herrschaft, wenn auch sehr spät, befreit zu haben, man ist stolz auf ein Land das wieder florieren kann wenn die Probleme gelöst werden, man ist stolz weniger abhängig von westlichen Doktrinen zu sein auch wenn dies in Sanktionen mündete, man ist stolz simbabwisch zu sein.

Jessica Gärtner, 6.5.2014

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