Das Glück schmilzt dahin

Bhutan, ein Land so groß wie die Schweiz. Das Staatsziel Nr.1 ist das Glück der Bevölkerung. Doch dieses Glück wird durch den Klimawandel und die abschmelzenden Gletscher im Himalaya gemindert.

Bhutans Gletscher schmelzen. ©wikicommons

Bhutans Gletscher schmelzen. ©wikicommons

Weltweit steigen die Temperaturen. Schon seit Jahrzehnten schmelzen die Gletscher im Himalaya. In einer Dekade sind es durchschnittlich 30 bis 60 Meter Eis die verschwinden. Das freigesetzte Wasser sammelt sich oft als Seen unterhalb der Gletscher. In den letzten 40 Jahren bildeten sich 82 neue davon. Es kann dann passieren, dass die natürlichen Dämme nicht mehr standhalten und brechen. Wenn sich diese Seen entleeren werden Millionen Kubikmeter Wasser sowie Schutt und Trümmer freigesetzt und strömen schließlich in Richtung Tal. Dabei wird alles mitgerissen was nicht niet- und nagelfest ist. Die Menschen in den Bergdörfern sind davon am schlimmsten betroffen, denn ein Großteil der bhutanesischen Bevölkerung lebt in großen Flusstälern.

 

Gletscherlauf 1994

Am 7. Oktober 1994 brach der Damm bei dem LuggyeTso See in der Punakha- Wangduphodrang Region, östlich der Hauptstadt Thimphu. Durch die Flutwelle bergabwärts wurden einige Menschen getötet, zahlreiche Yaks kamen ums Leben, Häuser und Wassermühlen wurden zerstört und das Weideland vernichtet. Auch Brücken wurden weggeschwemmt. Dadurch war es zum Beispiel vielen Kindern nicht mehr möglich in die Schule zu gehen, oder sie mussten sich nach Unterkünften in der Nähe der Schule umsehen.

Die Flutwelle zerstörte einen Großteil der Ernte der Menschen in der Region. Um Hungersnöten vorzubeugen halfen sich die SiedlerInnen gegenseitig mit Lebensmitteln aus. Manche nahmen kurzfristige Arbeitsstellen an um ihren Lebensunterhalt weiterhin decken zu können. Auch Sparen, Migration oder das eigene Land Verkaufen war eine Taktik um mit der Notlage umzugehen.

Zwei Autoren der Initiative „Loss and Damage“ führten mehrere Interviews in der Region durch um zu erfahren, wie der Umgang der Menschen nach der Katastrophe war. So erzählt der damals 25 jährige Ap Betu, dass es immer schon sein Traum war das Land seines Vaters zu übernehmen. Doch durch die Flutwelle wurde nicht nur die ganze Ernte der Familie weg gespült, auch ein Großteil ihrer Anbaufläche. Sein Vater musste schließlich bei drei verschiedenen Landbesitzern arbeiten um seine Familie mit Nahrung versorgen zu können.

 

Projekte

Sofort nach diesem Ereignis reagierte die bhutanesische Regierung. Sie sandte ForscherInnen aus, um dieses Ereignis und die Hintergründe zu untersuchen. Es wurden Entscheidungen getroffen, die zukünftige Gletscherläufe verhindern und die Menschen auf Notfallsituationen vorbereiten sollen. So wurden zwei Projekte in Kooperation mit der UNDP gestartet.

Eines trägt den sehr langen Namen: „Reducing climate change-induced risks and vulnerabilities from glacial lake outburst flood in the Punakha-Wangdiand Chamkar Valleys“. Das Punakha-Wangdi Tal und das Chamkar Tal in Nord-Zentral Bhutan sind die zwei Gegenden, die am meisten von einem Gletscherlauf bedroht sind. 10% der Bhutaner lebt hier und es befinden sich 8,1% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in diesen Regionen.

Das zweites Projekt ist das GRRP (GLOF RiskReduction Project). Damit sollen Risiko Management Strategien in der Himalaya Region entwickelt werden, die den Menschen in Zukunft helfen, klimatischen Gefahren vorzubeugen. Eines der Aufgaben des Projektes ist es, ein Inventar der Flüsse zu erstellen, die durch die Klimaveränderungen bedrohlich werden könnten. Die Aufzeichnungen in der Datenbank dienen schließlich auch dem Austausch mit anderen Himalaya Regionen, wie Nepal oder Tibet.

 

Erfolge

Es wurde eine Absenkung des Wasserspiegels des Thorthomi Sees eingeleitet. Dieser ist so gefährlich, weil er aus vielen kleinen Seen besteht, die durch Eisdämme getrennt sind. Es war ein sehr schwieriges Unterfangen, denn der See liegt zehn Tage Fußmarsch von der letzten Straße entfernt. Aus diesem Grund konnte man ihn nur während der drei Sommermonate erreichen. 300 Menschen arbeiteten im eiskalten Wasser daran, Trümmer, Schutt und Felsbrocken aus dem Gletschersee zu entfernen, um damit mehr Tiefe zu erzeugen. Ebenfalls verlegte man Gewässer die den See passierten und es wurden Flusskanäle in Richtung Tal vertieft.

Eine weitere Errungenschaft war die Einrichtung von Frühwarnsystemen. Früher betrieb das Institut für Energie in Bhutan eine einzige Frühwarneinrichtung in Thanza. Dort arbeiteten zwei Personen die mit einem Wireless Radio Set und einem Satellitentelefon ausgestattet waren. Diese beiden beobachteten die Wasserspiegel der Gletscherseen. Das Problem war, dass sich die Diensthabenden nicht immer zur Arbeit meldeten oder einschliefen und somit von einem Gletscherlauf getötet hätten werden können. Unter den Projekten der UNDP wurde von einem manuellen auf ein automatisches System umgestellt. Man installierte Frühwarnsysteme in 21 verwundbaren Gemeinden. Es sind nun 17 Sirenentürme, 4 automatische Wasserstandsensoren sowie 2 automatische Wettersensoren im Einsatz. Jede dieser Gemeinden bestimmte auch eine Person, die mit einem Handy ausgestattet wurde um im Notfall, zuständige Autoritäten zu verständigen.

Auch die Bevölkerung wurde im Krisenmanagement geschult. Sie lernten wie man sich im Ernstfall zu verhalten hat. Ende Oktober 2012 hatten die Bewohner des Punakha Wangdue-Tals ihre erste Katastrophenübung. Mit Radiosendungen oder TV-Produktionen wurde versucht das Bewusstsein der Menschen für Gletscherläufe zu stärken. So wird in der Dokumentation „Himalayan Meltdown“ auf die Klimaerwärmung und die dadurch abschmelzenden Gletscher aufmerksam gemacht. Um das Schadensausmaß in Grenzen zu halten, verteilte die Regierung Poster, auf denen die „do's and dont's“ in Katastrophenfällen aufgeführt sind. Ebenso wurde verschiedenstes Material angeboten um die Absenkung des Wasserspiegels des Thorthomi Sees zu erklären. All diese Veröffentlichungen haben nicht nur den Grundstein für eine Erweiterung des Wissens innerhalb der Bevölkerung geschaffen, sondern bilden auch die Basis für weitere Projekte in diese Richtung in Bhutan und anderen Himalayastaaten.

23.5.2014, Julia Schaffner

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