Marguerite Abouet & Clément Oubrerie: Aya

Reprodukt, Comic/Graphic Novel, Berlin 2014, 360 Seiten, € 40.10

Die ersten drei bis lange auf Deutsch erschienenen Bände von „Aya“ wurden nun auch als Sammelband aufgelegt. Der viel beachtete und inzwischen verfilmte Graphic Novel wurde von der Ivorerin Marguerite Abouet geschrieben und vom Franzosen Clément Oubrerie gezeichnet. Bemerkenswert ist vor allem die Perspektive, aus der den LeserInnen Elfenbeinküste geschildert wird: urbanes, bürgerliches Leben in Westafrika aus der Sicht einer Teenagerin.

Die Handlung spielt bereits Ende der 70er Jahre in der ivorischen Hauptstadt Abidijan und es geht, wie überall bei Heranwachsenden, zentral um Beziehungen und Zukunftsperspekiven. Der junge Schnösel, der im Wagen des Papa auf Aufriss fahren kann, weil der Vater ein wirklicher Big Boss ist. Das junge Dummchen, der die Disco wichtiger ist als die Schule – was entsprechende Folgen haben wird. Das nächste Dummchen, dass auf die Sprüche der Männer reinfällt, die ihr erzählen, sie wären in Paris groß raus. Oder die Hauptdarstellerin Aya selbst, die sich aus Liebesdingen vorerst vollständig raushält und vor allem ein Studium in Medizin anstrebt. Und wo die Teenager sind, da sind auch ihre Eltern nicht weit, die sich ins Leben der Sprösslinge einmischen, um Rat gebeten werden oder aber auch einfach selbst ganz schöne Probleme haben – bzw. machen…!

Die Geschichte entwickelt sich gemütlich, wird dann immer komplexer, wechselt wie in einer Telenovela rasch von einem Strang zum nächsten und wird von Seite zu Seite spannender. Überraschungen sind garantiert und gegen Ende des zweiten Bandes macht sich bereits ein gewisser Suchtcharakter breit.

Im französischen Original sind schon sechs Aya-Bände erschienen. Für die deutschsprachigen LeserInnen plant der Reprodukt Verlag die Herausgabe des vierten Bandes für Oktober 2014.
 

Die ersten Seiten des Buches können hier online gelesen werden.

 

Autor: Thomas Divis, August 2014

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