Im Marken Dschungel fair-laufen?

Sozial verträgliche Kleidung zu kaufen wird einfacher. Bei Sportbekleidung ist das schwierig. Der Fairness Run am 6. September will das ändern.

Arbeitsbedingungen von TextilarbeiterInnen sind oft in den Schlagzeilen. Fabriken, die einstürzen und erschreckende Arbeitsverhältnisse prägen unser Bild der Modeproduktionen. Hier gehören auch Sportmodehersteller dazu.

Dass es faire Modegeschäfte gibt, wissen diejenigen, die sich dafür interessieren sowie überlegt einkaufen wollen. Was die Sportartikelindustrie betrifft, wird solches Bewusstsein erst geschaffen. Unter anderem durch den am 6. September stattfindenden Fairness Run, den Global 2000 organisiert. Wer will, lässt die Clean Clothes Kampagne beim Fairness Check Leiberl, Hose und Schuhe auf Arbeitsbedingungen hin überprüfen. Ziel ist es, darauf aufmerksam zu machen, was die Laufenden so am verschwitzten Leibe tragen und wie diese Sachen hergestellt wurden. Das Motto des diesjährigen Runs klingt positiv kämpferisch, eben wie der Attackemodus von jemandem, der gerade zum Wettlauf aufbricht: “Faire Produktionsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie. Jetzt.”

Eine tolle Idee, die HobbyläuferInnen aufzuklären und eine Veranstaltung zu organisieren wo nicht tonnenweise Plastikmüll , Geschenksackerln und Einwegflaschen die Laufstrecke zieren und Laufshirts verteilt werden, die womöglich unter schlechten Bedingungen hergestellt wurden. Idealerweise sind diese sportlich Aktiven auch die richtige Zielgruppe, wo es sich lohnt anzusetzen.

 

Pinkle nie den Sponsor an

Verfolgt man ein sportliches Großereignis im Fernsehen (oder live), wird klar, dass sich dort keine nachhaltig und fair produzierten Marken in den Vordergrund drängen. In der Sportwelt ist es so, dass die jungen Sporttreibenden von Anfang an vom Verein ein Vereinsdress bekommen. Für das Training und für den Wettkampf. Dieses müssen sie tragen. Teamgeist, Zusammengehörigkeit und Wiedererkennbarkeit sind wichtig. Von Beginn an, wird man verpflichtet, zumindest bei Wettkämpfen die Vereinsmarke zu tragen.

Bei den ProfisportlerInnen ist das sogar noch strenger. Hat man einen Vertrag mit einem Sponsor abgeschlossen, geht das oft so weit, dass ein Schluck von der falschen Mineralwassermarke zum Vertrags-Aus führt. Ähnliches gilt für die „falsche“ Kleidung.

Nur wenige ProfisportlerInnen können von ihrem SportlerInnengehalt leben. Sie schließen Sponsorverträge ab und werden von Kopf bis Fuß mit Logos zugepflastert. Mit bedenklichen Folgen: Millionen Menschen wissen, dass gewisse Marken nicht fair und sozial nachhaltig produzieren. Tragen dann aber Fußballgötter, -göttinen und Sprintstars eben diese Marke und gibt es deren Dressen zu kaufen, sind die vorher gefassten kritischen Überlegungen dahin. Und ein Kind schreit nicht nach einem fair produzierten Fußballtrikot in gelb und rot. Es schreit nach dem Fußballtrikot, dass es eben auf dem Bildschirm gesehen hat. Solange im durchschnittlichen Sporthandel keine preismäßig vergleichbaren vertretbaren Alternativen zu den bekannten Sportmarken zu finden sind, wird der Kampf um faire Produktionsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie noch länger dauern.

 

Fast Food Kette und Getränkeriesen

Sportliche Großevents haben oft Sponsoren, die mit Sport nichts zu tun haben.  AthletInnen sind dazu angehalten, nichts dem Image des Veranstaltungssponsors Schädliches zu tun oder zu sagen. Als SportlerIn ist man von Anfang an, an eine Vereinsmarke und einen Vereinssponsor gebunden. Vielleicht gelingt der Sprung ins Nationalteam, der eine neue, vorgesetzte Bekleidungsmarke bedeutet. Hinzu kommen dann noch eventuell ein selbst abgeschlossener Sponsorvertrag mit einer Sportmarke und die strikten Regeln einer Großveranstaltung.

Das Fazit: Als AthletIn in Österreich, der/die kaum von ihren sportlichen Einkünften leben kann, wird wenig über die Produktionsbedingungen der Sponsoren nachgedacht oder diskutiert geschweige denn  Konsequenzen aus diesen Überlegungen gezogen. Internationale Sportstars hätten vielleicht weniger finanziellen Druck sich einem Sponsor zu unterwerfen und könnten auch ein tolles Beispiel abgeben, was die Auswahl von Sportbekleidung betrifft. Bei den Hobbyläuferinnen und Läufern im eigenen Land anzusetzen und hier ein kritisches Bewusstsein zu schaffen, erscheint als sinnvolle Variante. Vielleicht steigt so der Druck auf die Industrie, die heimischen SpitzensportlerInnen und die globale sportliche Elite.

Mehr Infos:

www.fairnessrun.at

www.cleanclothes.at

www.global2000.at

 

Julia Siart, 22.8.2014

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