Putumayo presents Americana

Putumayo/Hoanzl
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Putumayo presents Cajun
Putumayo/Hoanzl
*** + 1/2

Anti-Amerikanismus wird auch in der so genannten Alternativen Szene gerne gepflegt. Aus musikalischer Sicht ist sowas freilich kompletter Nonsens. Wer’s nicht glauben will, kann sich gern von den beiden neuen Putumayo-Veröffentlichungen “Americana” und “Cajun” überzeugen lassen.
“Gähn…”, wird sich jetzt vielleicht so manche/r denken: “Putumayo presents Americana” erschien ja bereits vor sieben langen Jahren und das Cajun-Album gar schon 2001.

Das stimmt freilich. Allerdings hat sich Putumayo zu einem Update dieser Alben entschlossen.
Das neue “Americana” ist wieder ein sehr ruhiges Album geworden, das mit so mancher Perle des zeitgenössischen US-amerikanischen Songwritings besticht. Eine davon ist zum Beispiel “Pretty Girl” von Diana Jones. Sie schrieb das Lied für ihre gutaussehende Schwester, die als Kellnerin arbeitet:

“Pretty Girl” hörten Sie hier stellvertretend für eine ganze Reihe besonders einnehmender Songs dieses Albums.
 

Während es auf der “Americana”-CD immer unplugged und sehr ruhig & kuschelig zugeht, ist “Putumayo presents Cajun” im Grunde durchgehend tanzbar und entsprechend flotter und lauter. Zum Abkühlen und auch hier zum Kuscheln hält das Album zwar den einen oder anderen Südstaaten-Walzer bereit, den Ton geben aber die Blues- und Rock’n’Roll-lastigen Songs an – also ganz so, wie man sich das von Cajun erwartet. Im folgenden Filmchen besingen die Red Stick Ramblers aus Louisiana ein Produkt “Made in the Shade.” Bei diesem Schattenpflänzchen handelt es sich freilich um schwarzgebrannten Alkohol - eine Reminiszenz der Prohibition. (Schon 1924 sang Bessie Smith in ihrem “Moonshine Blues” nicht von einem romantischen Spaziergang bei Mondenschein…).

Während hier die beiden Violinen dem Song den stilgerechten Touch verleihen tut das bei den meisten anderen Songs das obligatorische Akkordeon. In Summe ist “Putumayo presents Cajun” ein richtiges Good-Time-Album.

Allerdings gibt es zu beiden Alben einen gewaltigen Wermutstropfen zu vermerken: beide Alben wurden nämlich nicht zur Gänze upgedatet, sondern enthalten auch jeweils vier Songs aus dem Vorgänger-Album. Die nehmen bei “Americana” dann doch ein ganze Drittel des Albums ein, bei “Cajun” sogar 40% der Songs. Das ist auch insofern sehr ärgerlich, weil beide CDs mit knapp über ½ Stunde Spielzeit wieder mal sehr knapp ausgefallen sind. Es ist dies eine wirklich sehr kurzsichtige Firmenpolitik von Putumayo, da unschwer zu erraten ist, dass man durch solche Aktionen gerade seine treuesten FreundInnen vergraulen wird.

 

Hörbeispiele zu allen Songs von “Putumayo presents Americana” finden Sie hier.

Hörbeispiele zu allen Songs von “Putumayo presents Cajun” finden Sie hier.

 

Autor: Thomas Divis, September 2014

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*                         no!

**                       lauwarm

***                     Yin/Yang

****                   ziemlich gut

*****                 wir empfehlen aus- & nachdrücklich

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