OqueStrada: Atlantic Beat – Mad’ in Portugal

Jaro Medien
****

Rough Guide to Music Without Frontiers
+ Bonus CD: Namgyal Lhamo: Songs from Tibet
World Music Network/Harmonia Mundi
*** + 1/2


Diesmal starten wir in Portugal, um danach einer musikalischen Welt ohne Grenzen zu begegnen.

Beim musikalischen Portugal denken die meisten wahrscheinlich weniger an den bekannten dortigen Vorstadt-Blues Fado, sondern an die, auch dem Fado immanente, Saudade. Also diese sehnsuchtsvolle Melancholie, in der man so herrlich schwelgen kann, ohne daran zugrunde zu gehen. Es überrascht daher nicht, dass eben diese Saudade auch in der Musik der Lissaboner Band OqueStrada ständig präsent ist. Zum Beispiel im Song “O teu Murmúrio”, dass die aufgeweckten LeserInnen gleich zu einem kleinen Tänzchen durchs Zimmer nutzen können:

Gegründet wurde OqueStrada von Sängerin Marta Miranda und dem gebürtigen Franzosen Jean Marc Pablo am Bass (Sie haben seinen herrlichen Eigenbaubass aus Waschwandl & Besenstil bemerkt?). Und mit João Lima an der Portugiesischen Gitarre konnte man dann loslegen. Mittlerweile ist OqueStrada zum Sextett angewachsen, denn eine Gitarre, Trompete und Akkordeon wurden hinzu addiert. Nicht nur in Portugal wuchs die Beliebtheit der Band schnell, sondern auch internationale Bühnen-Luft durften OqueStrada bereits schnuppern; etwa als einer der Musik-Acts bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 2012 in Oslo. “Atlantic Beat” ist nun ihr bislang drittes Album. Nach einem funky Intro-Song macht sich ein ruhigs Songwriting breit, jeder Titel wohl austariert und in sich selbst ruhend. Mit “Prometo não” brachte man auch eine Bossa im Programm unter. Das einzige, was man dem Album vorwerfen könnte, ist, dass es nach zehn Songs wieder zu Ende ist. Das tun wir aber natürlich nicht, sondern spielen die CD erneut ab und empfehlen “Atlantic Beat” von OqueStrada wärmstens weiter.
 

www.oquestrada.com

 

 

Rough Guide to Music Without Frontiers
+ Bonus CD: Namgyal Lhamo: Songs from Tibet

World Music Network/Harmonia Mundi

*** + 1/2

 

Diese CD wurde in Zusammenarbeit mit der UNPO gestaltet. UNPO ist das Kürzel für Unpresented Nations and Peoples Organization. Die UNPO ist nicht, wie es das Kürzel nahelegen könnte, eine Abteilung der UNO, sondern schlicht ein privater, internationaler Verein. In ihr sind VertreterInnen verschiedenster Ethnien, Staaten oder territorialer Gebilde versammelt, die marginalisiert werden bzw. sich marginalisiert fühlen. Der “Rough Guide to Music Without Frontiers” bringt einen kleinen Einblick in die musikalische Kultur ebendieser Gruppen. Das sind zum Beispiel die mittelamerikanischen Garifuna ebenso wie die europäischen BaskInnen oder KorsInnen. Musikbeispiele gibt es aber auch von nordamerikanischen Indigenen, von ungarischen Roma oder aus der West-Sahara. Einer der ansprechensten Musikbeiträge kommt vom pälestinänsischen Oud-Spieler Ramzi Aburedwan: “Rahil”.

Doch nicht jede der hier versammelten Musiken ist so leicht zugänglich wie Aburedwans Improvisationen – zumal wenn tibetische Mönche in ihre Instrumente blasen. Zu entdecken gibts es für Interessiert auf diesem “Rough Guide to Music Without Frontiers” aber allemal mehr als genug.

Die Bonus-CD trägt ihren Namen dann zu recht: Namgyal Lhamo ist eine überaus faszinierende Sängerin, die Tibetische Oper und Folklore singt. Teils sind die Lieder a cappella oder sie begleitet sich selbst auf der hiesigen Dranyen-Laute, wie auch hier in diesem Filmchen:


www.worldmusic.net

 

Autor: Thomas Divis, Oktober 2014

---

*                         no!

**                       lauwarm

***                     Yin/Yang

****                   ziemlich gut

*****                 wir empfehlen aus- & nachdrücklich

Share this:

Hinzufügen Del.icio.us Hinzufügen Facebook