Uni für Alle

Shai Reshef ist der Gründer der "University of the People". Sie soll allen Menschen online eine Universitätsbildung ermöglichen.

"Wie viele Einsteins gibt es noch auf der Welt?," fragte sich Shai Reshef, israelischer Unternehmer und Gründer der Universtity of the People und fand, die einzige Möglichkeit es herauszufinden, ist, jedem Menschen die Chance zu geben, der nächste Einstein zu werden. Diese Chance kann nur durch Bildung gewährleistet werden. Mit der Online-Universität sollen die Tore zur Hochschulbildung für alle aufgestoßen werden.

 

Die Universität der Menschen

Die University of the people (kurz: UoPeople) entstand 2009 und ist die erste gebührenfreie, non-profit online Universität. Im vergangenen Februar wurde sie von der Kommission DETC (Distance and Education Training Council) akkreditiert - gerade rechtzeitig für die ersten sieben AbsolventInnen.
Derzeit sind etwa 1.500 Studenten aus 142 Ländern an der Uni immatrikuliert, allen voran StudentInnen aus Nigeria, Indonesien, Haiti und der USA. Menschen aus dem globalen Süden und auch Studierende aus Ländern mit hohen Studiengebühren sollen kostenlosen Zugang zu Hochschulbildung bekommen, denn die UoPeople lebt nach der Philosophie, dass Hochschulbildung ein Recht für alle und nicht bloß ein Privileg für ein paar Wenige sein soll. 

Und tatsächlich sind die Kosten gering: Studierende zahlen eine Anmeldegebühr zwischen 10 und 50 $ - je nachdem wie reich das Land ist, aus dem sie kommen. Außerdem muss eine Prüfungsgebühr von 100 $ pro Examen gezahlt werden, allerdings nur, wenn es für die/den Studenti/en leistbar ist. Angeboten werden die beiden Studien Computer Science und Business Administrations. Laut Reshef bieten sie die besten Jobchancen und werden deswegen von den StudentInnen bevorzugt gewählt.

Benötigt für ein Studium an der Online Uni wird nur eines: Der Zugang zu Internet. Die meisten Studierenden lernen in Internet- Cafes oder laden die benötigten Unterrichtsmaterialen, die alle auf der Homepage zu Verfügung gestellt werden, auf einen USB- Stick um am hauseigenen Computer zu lernen. Anders als bei den zu großer Beliebtheit gekommenen MOOCS (Massive Open Online Courses) wird vor allem auf Textbasis und mittels Peer to Peer Methodik (gleichberechtige Online-Kommunikation) in Kleingruppen von 20- 30 StudentInnen gelehrt. Videos, so fürchtet man, könnten mit langsamen Internetverbindungen nicht funktionieren. Zur Verfügung gestellt haben sich 2.900 HochschullehrerInnen von verschiedenen hoch angesehenen Unis; gebraucht werden im Moment lediglich 100 der ehrenamtlich arbeitenden ProfessorInnen.
Auch sonst ist die Unterstützung der UoPeople sehr groß; so besitzt sie auf Facebook bereits über 1,2 Millionen Fans und unterhält Kooperationen mit der New York University und Yale. Von einem bekannten Software- Hersteller wurden Stipendien für 1000 afrikanische StudentInnen zur Verfügung gestellt.

 

Zukunft oder letzter Ausweg?

Die Voraussetzung für ein Studium an der UoPeople sind außerdem das Alter 18, ein nachgewiesener High School Abschluss und das solide Beherrschen von Englisch, da nur in dieser Sprache gelehrt wird. Vor allem letzteres stellt für viele ein Problem dar, denn für den erforderlichen Nachweis kann es ebenfalls zu hohen Kosten kommen. Zudem hat die UoPeople wie alle Online Lernplattformen ein Problem mit der Glaubhaftigkeit. Niemand überprüft, ob die angemeldete Person auch wirklich die ist, welche die Examen schreibt und deswegen werden Abschlüsse von Online-Kursen in der Regel mit einem gewissen Skeptizismus beäugt.

Auch das Fehlen eines gemeinsamen Unialltags im herkömmlichen Sinne sorgt für Probleme. Durch die Peer to Peer Methode und die sozialen Netzwerke kann zumindest ansatzweise für interaktiven Austausch gesorgt werden. So wird in Foren diskutiert und miteinander kommuniziert, aber die KollegInnen kennenlernen wird man nur in den seltensten Fällen. Zudem werden eine technologieaffine Lebensweise sowie der ständige Zugang zu Computern, Internet und Strom vorausgesetzt. In einigen Ländern erschwert dies den Lernvorgang massiv und vor allem Studenten, die außerhalb der Stadt wohnen, haben große Schwierigkeiten. 

Shai Reshef ist sich über die Probleme des Pionierprojekts durchaus im Klaren. Er betont, dass die UoPeople aus den oben genannten Gründen nicht die Zukunft der Hochschulbildung sein kann, jedoch scheint sie der letzte Ausweg zu sein, allen Menschen kostenfreie Bildung zu ermöglichen.

 

Von Haiti nach Abu Dhabi

Joe Jean kommt aus Haiti, wo er nach dem Erdbeben im Jahr 2010 sein gesamtes Hab und Gut verlor. Er träumte immer schon davon, zu studieren, wusste aber, dass es für ihn und seine Familie - vor allem nach der Katastrophe - nicht leistbar war. 
Doch dann entdeckte er beim Internetsurfen die UoPeople und schrieb sich sofort für das Studium der Computer Science ein. Anfangs lernte er hauptsächlich in Internet-Cafés für 76 Cents pro Stunde, bis die UoPeople gemeinsam mit einer lokalen NGO ein Computer Center im Ort errichtete. Dort konnte er nun jeden Tag nach der Arbeit in Ruhe lernen und half bald auch ehrenamtlich anderen StudentInnen. Schließlich erfuhr er von der Partnerschaft der UoPeople mit der New York Universität und ein weiterer Traum wurde für ihn wahr: Er wurde für ein voll finanziertes Stipendium an der NYU in Abu Dhabi ausgewählt und lebt und studiert jetzt dort.
Joe Jean ist ein erfolgreiches Beispiel für die vielfältigen Chancen die sich durch ein Studium eröffnen können. Joe Jean wird sein Studium bald abgeschlossen haben, aber er weiß auch, dass Bildung eine langfristige Lösung für die momentanen Probleme Haitis darstellt und hofft auf Veränderung für die Menschen in seinem Heimatland. 

 

Was die Welt verändern kann

Joe Jean zeigt klar, wie sehr Bildung ein einziges Leben verändern kann. Würde Bildung für alle frei zur Verfügung gestellt, ist auch eine nachhaltige (Bewusstseins-) Änderung der Welt möglich. Der freie Hochschulzugang ist mit der UoPeople und dank der neuen Technologien und der vernetzten Welt tatsächlich gewährleistet. Es ist ein großes Projekt, das noch in den Kinderschuhen steckt und man darf gespannt sein, wie die Zukunft der ersten akkreditierten Online-Universität aussieht.
Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass für einen Hochschulabschluss - auch an der UoPeople - elementare Bildung obligatorisch ist. Bevor wir von einer Änderung der Welt sprechen können, muss das Problem erst an der Wurzel gepackt werden - nicht nur für ein paar Wenige, sondern für alle.  

 

Homepage: http://uopeople.edu/

Teresa Provin, 21.10.2014

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