Vaddey Ratner: Im Schatten des Banyanbaums

Roman, Unionsverlag, Zürich 2014, 381 Seiten, € 22,60

„Es werden bloß so viele von uns übrig bleiben, wie im Schatten eines Banyanbaums Platz haben.“

Die Autorin Vaddey Ratner stammt aus dem Hochadel Kambodschas. Sie war erst fünf Jahre alt, als die Roten Khmer die Macht im Land erlangten. Damals wurde Vaddey Ratner mit vielen anderen Menschen gezwungen Phnom Penh innerhalb von gerade mal 24 Stunden zu verlassen. Von diesem Auseinanderreißen der Familien, das in Phnom Penh begann, handelt „Im Schatten des Banyanbaums“ - und vom darauffolgenden Terror im Namen eines angeblichen Kommunismus. Erst die Besetzung Kambodschas durch Vietnam hat diesem Terror Jahre später ein Ende gesetzt.
Vaddey Ratner läßt im Roman durch die siebenjährige Hauptprotagonistin Raami ihr eigenes Leben aus dieser Zeit auferstehen. Das läuft sich vorerst etwas steif an, was wohl am Alter und Erinnerungsvermögen der Autorin für 1975 liegt. Je älter Raami/Vaddey Ratner im Roman wird, umso mehr tritt sie als Subjekt ins Zentrum der Handlung. Die Schilderungen gewinnen an Authentizität und damit an Intensität und Substanz. So entsteht im letzten Drittel des Buches ein erschütternder Bericht über den Alltag unter den Roten Khmer. „Im Schatten des Banyanbaums“ endet 1979, als dem traumatisierten Kind nach dem Sieg der VietnamesInnen die Flucht ins Ausland gelingt.
 

www.unionsverlag.ch

 

Autor: Thomas Divis, November 2014

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