Mike Auldridge, Jerry Douglas, Rob Ickes: Three Bells

Rounder/Universal Music
**** + 1/2

The Earls of Leicester
Rounder/Universal Music
**** + 1/2


Diesmal darf ich Ihnen zwei neue Alben des US-amerikanischen Independent-Labels Rounder Records vorstellen. CD No.1 trägt den Titel “Three Bells”, benannt nach dem berühmten Hit der Browns von 1959, der den meisten von Ihnen aber wahrscheinlich in der älteren Fassung von Edith Piaf geläufiger ist (“Les trois cloches”, 1946). Das Lied selbst stammt übrigens aus der Schweiz.

Auch wenn dieses Lied hier als Coverversion gegeben wird, so ist mit dem Titel “Three Bells” etwas anderes gemeint, nämlich die drei Dobro-Virtuosen Jerry Douglas, Rob Ickes und Mike Auldridge, die ihre Instrumente erklingen lassen. Der Ende 2012 verstorbene Auldridge war ein große Revolutionär für die Dobro und das vorliegende Album ist mithin sein Vermächtnis.

Die Dobro ist eine Gitarre mit Resonator. Gitarren mit Resonator sind vor allem eines: lauter als ihre Geschwister. So etwas war in Zeiten vor der Elektrifizierung der Instrumente durchaus sinnvoll um sich als MusikerIn durchsetzen zu können, z. B. bei Strassenmusik oder in einem Ensemble. Gespielt wird die Dobro meist sitzend, mit dem Gitarrenkörper quer über den Oberschenkeln liegend. Das Spiel mit einem Bottleneck sorgt für den typischen Sound:

Wie sie hier hörten ist “Three Bells” also ein richtiges acoustic fingerstyle guitar-Album. Aber nicht nur flotter Ragtime wie hier oder Bluegrass wird gegeben, sondern auch ansprechende Versionen von populären Klassikern wie “Till there was you”, “Moon River” - oder eben “The three Bells”. Damit erhielt dieses schöne Album auch eine sehr beschauliche, weiche Seite. Beendet wird die 11 Tracks lange CD mit einem weiteren Bluegrass-Klassiker, nämlich “I’m using the Bible for a Roadmap”, im Original 1952 von den legendären “Don Reno, Red Smiley & The Tennnessee Cutups”. Da es sich bei vorliegendem Album um eine reine Instrumental-Arbeit handelt, gehen die HörerInnen zwar des Textes dieses Liedes verlustig, aber ich darf ihnen versichern: Sie verpassen dabei absolut nichts.

 

Diese letzte Bluegrass-Nummer lässt uns aber nahtlos an Album No. 2, das ich Ihnen heute vorstellen darf, anschließen: “The Earls of Leicester” mit ihrer gleichnamigen CD. Die Earls sind ein Bluegrass-Sextett mit Violine, Mandoline, Bass, Banjo, Gitarre, Dobro und Gesang. Was die sechs Herren vereint ist ihre Passion für die Gruppe “Lester Flatt, Earl Scruggs & The Foggy Mountain Boys”. Aber hören wir uns die doch mal im Original an, hier mit ihrer Kennnummer “Foggy Mountain Breakdown”, live in der Grand ole Opry:

Sowohl Flatt als auch Scruggs lernten ihr Handwerk bei Bill Monroe, dem Erfinder des Bluegrass. Earl Scruggs, der Mann am Banjo revolutionierte die Spieltechnik für dieses Instrument und schuf eine ganz neue, rasante Art des Pickings, die die alte clawfinger-Weise ablöste. Insgesamt geht auf “Lester Flatt, Earl Scruggs & The Foggy Mountain Boys” nichts weniger als der klassische Bluegrass-Sound zurück. Diesen klassischen Sound auferstehen zu lassen, darum geht es den “Earls of Leicester”. Dass sie dazu nur Material aus dem Flatt&Scruggs-Songbook verwenden versteht sich von selbst. Und tatsächlich fühlt man sich beim Anhören der Musik zumindest um ein halbes Jahrhundert zurückversetzt. Zu up-tempo Nummern wie “Shukin’ the Corn” oder “Don’t let your Deal go down on me” reihen sich herrliche L’amour-Hatscher. Das, was die “Earls” hier handwerklich bieten ist auf alle Fälle erste Sahne und darf genau so weiterempfohlen werden.

www.rounder.com

Autor: Thomas Divis, November 2014

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*                         no!

**                       lauwarm

***                     Yin/Yang

****                   ziemlich gut

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