Nenad Vasilić: The Art of Balkan Bass

Galileo MC
*****


Che Sudaka: Hoy
Cavernicola Rec/Harmonia Mundi
***

In den letzten Jahren ist es bezüglich ausgelassener Tanzmusik vom Balkan, insbesondere aus Ex-Yugoslawien, relativ ruhig geworden. Und das ist gut so.

Denn das eröffnet Interessierten den Blick auf Musiken dieser Region, die nicht mit Pauken und Trompeten unüberhörbar auf sich aufmerksam machen. Das neue Album von Nenad Vasilić “The Art of Balkan Bass“ ist so ein Nischenprodukt, das ziemlich ruhig gestaltet wurde. Doch nicht nur das; bei “The Art of Balkan Bass“ handelt sich zudem um ein reines Bass-Album. Zwar war das ursprüngliche Instrument des in Serbien geborenen Musikers, der mittlerweile die österreichische Staatsbürgerschaft hat, nicht der Kontrabass, sondern das Klavier. Die Freuden des Basses schlugen bei ihm allerdings schon in der Jugend durch, Vasilić studierte dann Jazz in Graz und hat seinen Lebensmittelpunkt seitdem in Wien. Man kennt ihn aber nicht nur in der Jazz-Szene, sondern auch als Mitwirkenden bei zahlreichen “Weltmusik”-Projekten, etwa beim Martin Lubenov Orkestar, mit Dobrek Bistro oder Natasha Mirkovic. Mit einem Album, auf dem rein nur Kontrabass zu hören ist, lehnt sich Nenad Vasilić freilich ziemlich weit raus – aber seine Arbeit ist ihm herrlich gelungen! Mehr als die Hälfte der Songs sind Eigenkompositionen, der Rest Arrangements von traditionellem Material.  – Aber sind es tatsächlich einfach “Songs”? Man ist eher geneigt die 11 Arbeiten als Etüden zu bezeichen, haftete diesem Wort nicht eine gewisse didaktische Schwerfälligkeit und Antiquiertheit an. Nenad Vasilić Arbeiten zeichnen sich im Gegenteil, trotz ihrer ganz besonderen Ruhe, auch durch ihre Leichtigkeit aus. Dafür ist ein durchgehender Groove verantwortlich, der die Lieder belebt, während sich die Ruhe in feinen Melodien äußert. Das ganze übersetzt in den herrlich sonoren Ton des Basses ergibt ein beeindruckendes Klangbild. Wer sich auf “The Art of Balkan Bass“ einmal eingelassen hat wird, dem wird es wieder und wieder nach diesem Album verlangen.

Fast einer Einladung zum Tanz kommt allerdings die Nummer “Vranjanka” gleich, die Sie hier als youtube-Video sehen:


www.vasilic.com

Hörbeispiele zu allen Songs von “The Art of Balkan Bass“ von Nenad Vasilić finden Sie hier.

 

Che Sudaka: Hoy

Cavernicola Rec/Harmonia Mundi

***

 

Seit 13 Jahren gibts die Che Sudaka aus Barcelona bereits. Ihre Wurzeln haben sie in Kolumbien und Argentinien und lernten ihre “Wahlheimat” vorerst aus Sicht von Illegalen kennen. Damals brachten sie sich mit Strassenmusik durch, heute sind sie mittlerweile fixer Bestandteil der europäischen Ska-Szene. Die Eigendefinition für ihre Musik lautet “Cumbia-Ska-Punk aus Lateinamerika”. Wenn wir ihr neues Album “Hoy” durchhören, dann dürfen wir dazu ergänzen: Cumbia wird hier groß geschrieben, Ska ist in durchaus passabler Menge vorhanden, nur mit Punk wurde gegeizt. Dafür setzte man mehr auf Pop-Elemente und Good-Time statt Aggression. In ihren besten Momenten klingt das dann so wie hier im treibenden “De Corazon”, bei dem auch Pedro Erazo von Gogol Bordello mit an Bord war:

Man muss aber doch festhalten, dass vielen Songs das Gewisse Etwas fehlt. Che Sudakas Lieder weisen zwar immer wieder sehr interessante Momente aus, können aber oft als Ganzes nicht punkten. Eine große Schwachstelle ist der Gesang, sowohl solo als auch im Chor. Wahrscheinlich hätte den Songs auch etwas mehr Härte für ausgewählte Parts gut getan und ihnen so mehr Profil verliehen. Auch wenn sie mit dieser Arbeit nicht wirklich überzeugen können: Von diesen Burschen darf man durchaus noch einiges Spannendes erwarten.

www.chesudaka.com

Autor: Thomas Divis, Februar 2015

---

*                         no!
**                       lauwarm
***                     Yin/Yang
****                   ziemlich gut
*****                 wir empfehlen aus- & nachdrücklich

Share this:

Hinzufügen Del.icio.us Hinzufügen Facebook