Zwirbeldirn: jabitte

Trikont
*** + ½

Kofelgschroa: Zaun
Trikont
*** + ½

Musik, abseits vom Mainstream, nur schwer einzuordnen, bevorzugt aus Bayern – das war schon immer eine Lieblingsspielwiese des Münchner Traditions-Labels Trikont (“Our own Voice”). Mit den beiden neuen Alben von “Kofelgschroa” aus Oberammergau und “Zwirbeldirn“ – es sind jeweils ihre zweiten Veröffentlichungen – wird die bayrische Gegenkultur um ein paar Facetten reicher.

Eine totalitär anmutende Popkultur hat es möglich gemacht, dass heutzutage Volksmusik mitunter als subversiv erscheint, weil verdammt eigenständig. So eine Eigenständigkeit darf man dem Streichquartett „Zwirbeldirn“ unbedingt zubilligen. Mit Kontrabass, Bratsche und Violine x zwei machen sie das, was ihnen besonderen Spaß bereitet. Und das klingt vorerst nach wirklicher, echter Volksmusik: ein Dudler hier, ein Mühlviertler dort, hinab in die Niederungen der bierseligen Wirtshaus-Späße und zum Drüberstreu’n das eine oder andere alte Couplet. Dass ihre musikalischen Interessen aber auch weit hinter der blau-weißen Landesgrenze zu finden sind, stellen die vier von Zwirbeldirn mit Ware aus Portugal oder Osteuropa klar. Abgeschmeckt wird mit einer alten Thomas-Dorsey-Nummer, nämlich „Black Eye Blues“. In nicht wenigen Momenten darf man den Zwirbeldirn Tanzbodenmusik im besten Sinnen des Wortes bescheinigen. Beispiele ihrer Neigungen inkl. Kommentare entnehmen die geneigten LeserInnen dem folgenden Promo-Video.

Weitere Hörbeispiele zu “jabitte“ von Zwirbeldirn finden Sie auf ihrer Website

www.zwirbeldirn.de

 

Kofelgschroa: Zaun

Trikont

*** + ½

 

Wenn man nur mit halben Ohr hinhört klingen die Kofelgschroa wohl wie eine recht frisch von der Leber weg gespielte Mischung aus Alternativ Pop und Volksmusik. Wer der Musik auch noch die restlichen 50% seiner Aufmerksamkeit widmet findet intelligenten Bläser-Arrangements und einen dezenten surrealen Flair bei Kofelgschroa, der sich in einer nachdenklichen, mitunter melancholischen Heiterkeit ausdrückt. Räsoniert wird in ihren Lieder, wie einfach das Leben doch sein könnte, wäre da nicht… ein Zaun, das Zähneputzen, die Arbeit, die Liebe und noch ein weiteres mal: Die Liebe... Mit 2 x Horn plus 1 x Tuba bringen Kofelgschroa viel Blech, das durch Akkordeon und Dialekt-Gesang ergänzt wird. Inspirierend haben bei den Texten wohl die beiden Musen von Attwenger gewirkt, auf deren Kuss-Spuren man immer wieder zu stoßen vermeint. Zum Beispiel hier im Titel gebenden “Zaun”:

In der Pop/Rock-Presse werden Kofelgschroa über den Grünen Klee gelobt. In diese Hymnen werden wir zwar nicht einstimmen, aber die vier Oberammergauer lieferten mit “Zaun“ auf alle Fälle ein Album mit immer wieder sehr erfrischenden Facetten. „Zaun“ ist ein hübsches Beispiel für eine gangbare Alternative zu dem, was Interessierten oft als Alternative Music verkauft wird.

Hörbeispiele zu allen Songs von "Zaun“ von Kofelgschroa finden Sie auf ihrer Website

www.kofelgschroa.by

 

Autor: Thomas Divis, März 2015

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*                         no!
**                        lauwarm
***                      Yin/Yang
****                     ziemlich gut
*****                   wir empfehlen aus- & nachdrücklich

 

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