Mawil: Kinderland

Reprodukt, Berlin 2014, Grafic Novel, 295 Seiten, € 29,00

„In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit…“
Eine Kindheit in der DDR ist das Thema von Mawils letztem Grafic Novel. Die Handlung fällt ins „Wendejahr“ 1989. Hauptprotagonist ist der kleine Mirco, ein dickbebrillter Streber und Weichei wie aus dem Bilderbuch.

Die Handlung lässt an Dramatik nicht zu wünschen übrig, auch wenn sie ganz der Erlebniswelt des Kindes entspricht: Rangeleien in der sozialen Schulhierarchie stehen an der Tagesordnung, vor allem was einige Halbstarke von der Freien Deutschen Jugend betrifft, die nur zu gern den Jüngeren das Leben schwer machen. So schmerzhaft solche Erfahrungen im Einzelnen auch sind, sie ermöglichen den Opfern auch aus ihnen zu lernen und durch sie zu wachsen. Aber nicht zuletzt sind da ja auch die FreundInnen, mitunter struppige Kaliber, wie so viele Heranwachsende… und Ping Pong! Dass Mirco allerdings gerade mit dem widerborstigen Neuen aus der Nebenklasse Freundschaft schließt, bringt zusätzliche Turbulenzen in sein Leben.
Bei so viel Action fällt der Mauer freilich nur eine Nebenrolle zu.

Mawil, Jahrgang ’76, der selbst in Ostberlin aufgewachsen ist, ist mit „Kinderland“ ein ungemein witzig-rasanter Grafic Novel gelungen.  Aber „Kinderland“ ist auch von einer bemerkenswerten Empathie in Hinblick auf eine Welt, wie sie von Kinder erfahren wird, gekennzeichnet. Das schlägt sich in einer wunderbaren Graphik nieder, die ebenso salopp und dynamisch skizziert, wie sie Geschwätzigkeiten unterlässt.

„Kinderland“ wurde vom Internationalen Comic-Salon Erlangen als bester deutschsprachiger Comic 2014 mit dem „Max und Moritz“-Preis ausgezeichnet.

Eine Leseprobe der ersten Seiten von „Kinderland“ von Mawil finden Sie hier.
 

www.reprodukt.com

Als OneWorld-Bonus gibt’s diesmal zusätzlich einen herrlichen Song aus der Zeit, in der auch "Kinderland" spielt, von der DDR-Band "Keimzeit" über Kinderprobleme :

 

Autor: Thomas Divis, März 2015

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