Roosevelt Sykes: The Roosevelt Sykes Collection 1929 – 47

3 CDs
Acrobat Music/Membran
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Ein wichtiger Vertreter des frühen afroamerikanischen Piano-Blues war Roosevelt Sykes. Geboren wurde Sykes in Elmer, Arkansas im Jahre 1906. Mit zehn spielte er Orgel in der Kirche, wechselte dann aber bald das Instrument und vor allem den Ort sehr entschieden.

Als jugendlicher Piano-Spieler verdiente sich Roosevelt Sykes seinen Lebensunterhalt als Unterhalter in diversen Arbeits-Camps und Spelunken. Vor einem gut 100%ig männlichen Publikum spielte er Songs, die man heute als “politisch unkorrekt” bezeichen würde. Titel wie “Drunken Gambler”, “Low as a Toad” oder “Big Legs Ida Blues” halten, was sie vesprechen. Mit solchen Inhalten war Sykes freilich keine Ausnahme; die Geschichte des Pre-War-Blues ist dominiert von Songs dieser Art, ganz egal, ob die MusikerInnen männlich oder weiblich waren. Hören wir hier Sykes‘ „Dirty Mother for you”, eingespielt im Februar 1936 in New York, gemeinsam mit dem bekannten Blues-Gitarristen Kokomo Arnold:

Man hört: Das alles hat wenig zu tun mit jener Schwere, die man dem Blues oft, aber fälschlich zuschreibt. Im Gegenteil zieht sich auch bei Sykes eine besondere Lebendigkeit durch sein Oevre, die in „Dirty Mother for you” durch den Boogie-Woogie-Stil zusätzlich unterstrichen wird. Dass, wie bei Roosevelt Sykes, seine Musik auch in wirtschaftlich problematischen Zeiten veröffentlich wurde, ist in der Blues-Geschichte eher die Ausnahme. Einbruch erlebte seine Populariät erst Ende der Vierzieger-Jahre. Damals kam der elektrischen Blues, Stichwort “Chicago-Stil”, auf, aber das Interesse an der Stilrichtung Blues lies insgesamt nach.

Die drei CDs der “The Roosevelt Sykes Collection” bringen mit 75 ausgewählte Songs einen sehr guten Überblick zur Arbeit des Sängers und Pianisten aus den Jahren 1929 – 47. Gegen Ende, ab ’45, dominieren bei Sykes populäre Jazz- und Jive-Nummern, eingespielt mit kleinen Combos. Obwohl er damit oft nicht mehr überzeugen kann, findet sich auch hier die eine oder andere entzückende Nummer, wie zum Beispiel “Bop de bip” (1946):

Roosevelt Sykes, mit Spitznamen “The Honeydripper”, wurde später im Zuge des Blues Revival der 60er Jahre wieder populär. Diesmal allerdings für ein vorwiegend weißes, studentisches Publikum. Das Interesse galt ihm vor allem als Veteran des alten Blues und brachte ihn schließlich auf Tourneen bis nach Europa. Sykes starb 77jährig in New Orleans im Jahre 1983.

Autor: Thomas Divis, März 2015

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*                         no!
**                       lauwarm
***                     Yin/Yang
****                    ziemlich gut
*****                  wir empfehlen aus- & nachdrücklich

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