#1980SoFarSoGood – Simbabwe wird 35

Am 18. April 2015 wird Simbabwe 35 – 35 Jahre Unabhängigkeit, 35 Jahre Mugabe – 35 Jahre, in welchen manches erreicht wurde und vieles nicht.

Simbabwe gehört zu den jüngsten Länder der Welt. Am Tag der Unabhängigkeit im Jahr 1980 hatte das Land bereits hohen Besuch. Neben internationalen Berühmtheiten wie Prinz Charles gaben sich Bob Marley and the Wailers die Ehre und feierten die neue Nation mit einem persönlichen Geburtstagslied.

 

„Zimbabwe – Every man got a right to decide his own destiny“

Mit diesen Versen wurde das Land 1980 in die Unabhängigkeit entlassen, direkt nach der Flaggenhissung. Man war optimistisch – endlich befreit von der weißen Herrschaft und dem verhassten rassistischen System des britischen Kolonialismus. Simbabwe verfügte und verfügt noch heute über zahlreiche wertvolle Rohstoffe. Somit konnte einer florierenden und selbständigen Zukunft eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Doch anscheinend ist irgendetwas schief gelaufen. Googelt man Simbabwe heute, ist nicht mehr viel zu erkennen von der einst so optimistischen Sichtweise. Schlagwörter wie Hunger, Arbeitslosigkeit und Binnenflucht sind weit verbreitet. Laut Human Delevopment Index gehört Simbabwe zu den am schlechtesten entwickelten Ländern der Welt. Die Bevölkerung wurde laut Happy Planet Index 2006 und 2009 zu den unglücklichsten der Welt gekürt.

 

Die Stimmung der Unglücklichen

Dass Simbabwe in den Medien größtenteils durch negative Schlagzeilen auffällt, ist bereits bekannt. Wie die Einheimischen jedoch selbst über ihr Land und ihre Regierung denken, bleibt meist unklar. Dies hat sich nun geändert, dank Twitter. Die simbabwische Regierung startete im Rahmen der 35ten Jährung des Unabhängigkeitstages den Hashtag #1980SoFarSoGood. Eigentlich wollte man damit eine Kampagne ins Leben rufen, die den Schwarzmalerein der internationalen Medien widerspricht und das Positive im Land lobt. Allerdings ging diese Idee nach hinten los. Der größte Teil der Tweets ist negativ konnotiert. Die Regierung wird kritisiert, man beschwert sich über mangelnde medizinische Versorgung, extrem hohe Arbeitslosigkeit und konstanten Wasser- und Stromausfall: „I don´t have water or electricity, but #1980SoFarSoGood“ (getwittert von Chemical x).

 

#1980SoFarFromGood

Allerdings ist die Regierungs-Kampagne nicht nur größtenteils gescheitert, es hat sich sogar eine Gegenbewegung auf Twitter geformt: #1980SoFarFromGood. Auch hier wird auf die missliche wirtschaftliche Lage und andere Probleme im Land aufmerksam gemacht. Wichtiges Thema ist außerdem die extrem hohe Emigrationsrate von SimbabwerInnen nach Südafrika, welche dort mit weit verbreiteter Xenophobie zu kämpfen haben. Die Regierung wird immer wieder kritisiert, die  Menschen soweit zu bringen, Ausländerfeindlichkeiten in anderen Ländern lieber in Kauf zu nehmen, als im eigenen Land zu bleiben.

 

Immer noch stolz, simbabwisch zu sein?

Vor ziemlich genau einem Jahr schrieb ich bereits ein Stimmungsbild über Simbabwe für die SüdNews. Hier berichtete ich von einer weitaus positiven Stimmung im Land und einem neuen Lebensgefühl, welches durch den Slogan „Proudly Zimbabwean“ zum Ausdruck kommt. Ich habe die letzten 7 Monate in Simbabwe verbracht und muss meine damalige Wahrnehmung – leider zumindest teilweise – korrigieren. Obwohl es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung nach Einstellung  der Sanktionen kam, ist seitdem leider nicht viel passiert. Die Preise für Lebensmittel sind weiterhin sehr hoch und für die Bevölkerung immer noch schwer bezahlbar. 80% der Lebensmittel müssen nach wie vor importiert werden. Die Arbeitslosigkeit ist weiter gestiegen. Von den 2 Millionen neuen Arbeitsplätzen, welche die Regierung versprach, ist nichts zu sehen. Ebola hat dem Land, das auf Tourismus stark angewiesenen ist, erst recht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dies sogar im wahrsten Sinne des Wortes, denn viele im Tourismus beschäftigten Angestellten konnten in den letzten Monaten nur teilweise oder stark verspätet bezahlt werden.

 

Das eigene Schicksal in die Hand nehmen

Wann wird die Bevölkerung das eigene Schicksal in die Hand nehmen, wie Bob Marley bereits vor 35 Jahren sang? Wann wird sie nicht nur für eine staatliche, sondern auch ihre ökonomische und soziale Freiheit kämpfen?

Vielleicht dauert es gar nicht mehr so lange. Immer mehr Unmut gegenüber der Machthabenden Partei ZANU PF wird laut. Sogar in den eigenen Reihen kommt es zu gewaltigen Auseinandersetzungen. In diesem Jahr kam es bereits zu vereinzelten – friedlichen – Demonstrationen. Aufgrund der sehr geringen Teilnehmerzahlen (ca. 200 Menschen am 11.04.2015 in Harare) richteten diese jedoch wenig aus. Auch die neuen Formen des Widerstandes wie die oben erwähnten Twitter-Bewegungen zeigen, dass sich in Simbabwe etwas tut.

Man wird den 35ten Geburtstag des Landes mit Stolz feiern. Die Unglücklichen erschienen mir persönlich recht fröhlich, denn vieles kann nur besser werden - so weit, so gut.

 

Jessica Gärtner, 20.4.2014

Quellen:

https://twitter.com/search?q=%231980SoFarSoGood&src=tyah [Zugriff 15.04.2015]

https://twitter.com/search?q=%231980SoFarfromgood&src=typd [Zugriff 15.04.2015]

http://www.manik.sk/bobmarley/concerts/zimbabwe/index.html [Zugriff 15.04.2015]

http://www.dailymail.co.uk/wires/afp/article-3035190/Zimbabwe-trade-union-marches-demand-jobs.html [Zugriff 15.04.2015]

http://www.cathybuckle.com/index.php?id=180 [Zugriff 15.04.2015]

http://de.wikipedia.org/wiki/Simbabwe [15.04.2015]

http://www.dailynews.co.zw/articles/2015/04/12/inside-zim-s-health-sector-35-years-after-independence [15.04.2015]

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