Der GLOBAL2000 FAIRNESS RUN - Fair laufen für gute Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie

Am Donnerstag, den 18. Juni, fand zum zweiten Mal der GLOBAL 2000 FAIRNESS RUN presented by PRO PLANET in Wien statt. Die Mariahilfer Straße machte dem Namen Begegnungszone alle Ehre: Laufbegeisterte und Laufkundschaft trafen sich im Start- und Zielbereich zwischen zahlreichen Essens- und Informationsständen. „Faire Produktionsbedingungen in der Sportartikelindustrie. Jetzt!“ lautete das Motto der Sportveranstaltung mit dem Ziel auf die herrschenden Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen.

© Leo Hagen

© Leo Hagen

Über 1.000 LäuferInnen und fast 2.000 BesucherInnen nahmen an der Veranstaltung teil – ein großer Erfolg. Dem Veranstalter Jürgen Smrz ist es ein Anliegen, Sportlerinnen und Sportler auf die teils verheerenden Bedingungen in der Sportbekleidungsindustrie aufmerksam zu machen und sie über faire Alternativen für Sportbekleidung zu informieren. Fairer Kaffee, faire Schokolade und lokal angebaute Bio-Äpfel haben schon einen fixen Platz in unserem Konsumentenalltag. Doch gerade bei Sportkleidung achten viele KonsumentInnen mehr auf Funktionalität und Qualität, weniger auf die Produktionsbedingungen. Aber auch Kleidung kann fair beziehungsweise eben nicht fair produziert sein. Der große Andrang und das Interesse der BesucherInnen am FAIRNESS RUN zeigen, dass es den ÖsterreicherInnen nicht egal ist, wie ihre Sportkleidung produziert wird. Ein wichtiges Signal in Richtung der Hersteller und Lieferanten, faire Alternativen anzubieten.

Faire Kleidung - unfaire Kleidung

Am Kleidungsstück selbst sind die Produktionsbedingungen leider nicht erkennbar. KäuferInnen sehen nicht, ob bei der Herstellung ausgebeutet wurde oder nicht. Eine gute Richtlinie geben Gütesiegel oder Unternehmensbewertungen, der Clean Clothes Kampagne, eine Allianz von Organisationen, die in mehreren Ländern tätig ist und sich für für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Sportartikelproduktion einsetzt.

Läufer und Läuferinnen die es genau wissen wollten, konnten ihr Outfit direkt beim Fairness Run von Kopf bis Fuß, beziehungsweise von Stirnband bis Laufschuh, durchchecken lassen. Gleich hinter dem Anmeldezelt fanden interessierte SportlerInnen den Fairness Check in Kooperation mit der Clean Clothes Kampagne. Bewertet wurden die Kleidungsstücke in unterschiedlichen Kategorien, wie Rohmaterialien, Umweltverträglichkeit, Verarbeitungsprozess, Tragedauer, auch durch sonstige soziales Engagement konnten die BesitzerInnen punkten.

Das Ziel der Clean Clothes Kampagne ist es, die bestehenden Arbeitsplätze in der Bekleidungsindustrie zu guten Arbeitsplätzen zu machen. Dazu sind soziale Mindeststandards, natürlich in Verbindung mit regelmäßiger Überprüfung, notwendig. Besonders während der arbeitsintensiven Phase der Bekleidungsproduktion ist anfällig für Arbeitsrechtsverletzungen. Soll ein Kleidungsstück fair produziert sein, müssen daher Mindeststandards der ILO eingehalten werden. Ein schriftlicher Arbeitsvertrag, mindestens ein freier Tag pro Woche und das Recht eine Gewerkschaft zu gründen: Was für uns selbstverständlich klingt, ist vielerorts leider nicht Realität.

Die Entscheidung der KonsumentInnen

Sportlerinnen und Sportler, jede/r KonsumentIn, kann einen Beitrag dazu leisten, Arbeitsplätze in der Bekleidungsindustrie zu verbessern. Durch aktive – und laute – Nachfrage nach fair produzierter Kleidung. Denn Unternehmen verkaufen nicht nur Hosen und T-Shirts sondern auch ein Image. Und in ein attraktives Markenimage wird viel investiert. „Mädchen, die auf dem Fabriksgelände eingesperrt sind und von Aufsehern geschlagen werden, wenn sie nach 20 Stunden Arbeit einnicken, gehören nicht zu den Bildern, die Konsumentinnen und Konsumenten sehen sollen, wenn sie an eine Marke denken.“, erklärt dazu Michaela Königshofer, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne in Österreich. Wenn nun möglichst viele Menschen über diese Missstände Bescheid wissen, steigt die Motivation der Unternehmen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, damit ihre Marke nicht mit Bildern ausgebeuteter Näherinnen in Verbindung gebracht wird.

Wer jetzt das Bedürfnis hat, alles wegzuwerfen und sich komplett neu einzukleiden, sollte vielleicht genau das eben nicht tun. Denn auch das Tragen alter Kleidung oder von Second Hand Kleidung ist ressourcenschonend - für die Umwelt, bei der Produktion und für uns KonsumentenInnen.

Karin Brötzner im Juli 2015

Twitter: @kbrtznr

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