Frauen und Mütter auf der Flucht

Plattform „Mutternacht“ informiert über Schicksale werdender Mütter, Mädchen und Frauen

© Arbeiter-Samariter-Bund/ Corinna Dietrich

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Im Vorfeld des Muttertags am 8. Mai macht die von NGOs und Parlamentsparteien getragene Plattform „Mutternacht“ beim heutigen Pressegespräch auf die aktuelle Situation von weiblichen Flüchtlingen aufmerksam. Frauen und Kinder sind mittlerweile in der Überzahl bei neu ankommenden Flüchtlingen in Europa, auch in den syrischen Nachbarstaaten überwiegt mit 75 Prozent der Anteil von Frauen und Kindern.  Doch gerade die Sicherheit von Frauen und Mädchen ist auf der Flucht besonders gefährdet, sie werden nicht selten Opfer von sexueller Gewalt oder Misshandlung. Dazu kommen speziell für Frauen in und um Syrien weitere Herausforderungen: etwa die zunehmend alleinige Verantwortung für die Familie und das Einkommen. Und auch wenn Frauen und Mütter die Flucht erfolgreich überstehen konnten, existieren gerade in der Ankunftsphase besondere Gefahren für weibliche Flüchtlinge.

„Die sexuellen und reproduktiven Rechte gehören zu jenen Menschenrechten, die in Krisensituationen besonders schnell unter Druck geraten. Mädchen und Frauen auf der Flucht sind häufig mit sexuellen Übergriffen, fehlendem Zugang zu Verhütungsmitteln samt Notfallverhütung, mangelnder medizinischer und psychologischer Betreuung bei Missbrauch sowie bei ungewollter und gewollter Schwangerschaft und Geburt konfrontiert“, zeigt Petra Bayr, Sprecherin der Plattform Mutternacht und Bereichssprecherin für globale Entwicklung der SPÖ auf. „Es ist daher dringend notwendig, den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen sicherzustellen.“

Beatrix Bücher hat für CARE – die Hilfsorganisation hat bisher rund 2,3 Millionen Flüchtlinge in und um Syrien unterstützt – die Studie „Women, Work and War“ geleitet, die sich mit der Situation syrischer Frauen im 6. Jahr des Kriegs beschäftigt. „Syrische Frauen und Mütter schultern einen Großteil der Last von Krieg und Vertreibung“, sagt Bücher. „Sie sind mittlerweile häufig allein für die Versorgung der Kinder und das Familieneinkommen verantwortlich. Eine von sechs Familien  in Syrien ist weiblich geführt.“ Mit erheblichen Folgen: „An Militär-Checkpoints droht Frauen sexuelle Gewalt. Manchmal müssen sie unter Lebensgefahr Frontlinien überqueren. Auch zuhause sind Frauen nicht vor Gewalt gefeit, weil es wegen großer psychischer Belastungen und sich ändernder Rollen häufiger zu Konflikten kommt.“ Syrische Frauen bräuchten Unterstützung, damit sie gefahrlos für sich und ihre Familien sorgen können – etwa in Form von materieller Hilfe und Berufstraining.

Seit Dezember 2015 kommen erstmals mehr Frauen und Kinder als Männer nach Europa. Sie stammen großteils aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. „Für Frauen, die flüchten müssen, bestehen besondere Gefahren während der Flucht und auch in der Ankunftsphase. Sie brauchen geschlechtsspezifische Sozialarbeit und Unterstützung dabei, ihre neue gesellschaftliche Identität in Österreich zu finden“, sagt Anita Monika Jahrmann-Foidl vom Samariterbund. Die Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin ist seit 10 Jahren im Flüchtlingsbereich tätig und leitet das „Haus Sidra“ für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wien. Der Samariterbund betreibt derzeit in ganz Österreich rund 40 Flüchtlingseinrichtungen für Familien, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Erwachsene. Zu Spitzenzeiten versorgen die haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des ASBÖ täglich 7.500 Flüchtlinge.

Sawsan Mohammed, Flüchtlingshilfe von CARE International in Jordanien, berichtet via Skype direkt aus Amman: „Das Gesundheitssystem in Jordanien ist durch die anhaltende und langjährige Flüchtlingskrise schwer überlastet, das betrifft nicht zuletzt besonders die rund 300.000 weiblichen Flüchtlinge. Darunter sind viele Schwangere und stillende Mütter. Routine-Impfungen und Untersuchungen von Schwangeren und Müttern sind nach wie vor kostenlos. Organisationen wie CARE stellen Bargeldhilfe für medizinische Notfälle bereit und beteiligen sich an landesweiten Kampagnen zur reproduktiven Gesundheit. Dennoch ist es dringend nötig, dass Flüchtlingsfrauen, besonders Schwangere und Mütter, eine umfassendere Betreuung  im Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit, Aufklärung über ihre Rechte sowie die entsprechende medizinische Versorgung bekommen.“

• „Mutternacht“ lädt zur Österreich-Premiere des Dokumentarfilms „Sister“:
Der Film erzählt die Geschichte von werdenden Müttern in Äthiopien, Kambodscha und Haiti.
3. Mai, 18.30 Uhr im Topkino (1060 Wien)
Infos zum Film & Reservierung: http://www.mutternacht.at/
Eintritt frei!

• Über die Plattform „Mutternacht“:
Die Plattform österreichische Initiative „Mutternacht“ setzt sich für eine Senkung der Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern ein. Die Mutternacht wird jedes Jahr im Vorfeld des Muttertages begangen. An diesem Tag soll auch das Thema Müttersterblichkeit ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit in Österreich rücken.

Presseaussendung, CARE, Arbeiter-Samariter-Bund Österreich, 26.4.2016

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