Südsudan

noch nicht auf dem Weg zu Frieden und Entwicklung

Wien, 7. Juli 2016 – Frieden und Aufschwung hat die Unabhängigkeit dem Südsudan bisher nicht gebracht, trotz internationaler Bemühungen. Die aktuelle Realität steht nach Ansicht der Kinderhilfsorganisation World Vision in scharfem Kontrast zu den Hoffnungen vieler Menschen, die vor fünf Jahren die Gründung ihres eigenen Staates feierten. Krankenhäusern wird der Strom abgeschaltet, hunderte Schulen wurden geschlossen oder zerstört. Die Währung hat 90 Prozent ihres Wertes verloren. Viele Gebiete sind einer Hungersnot nahe; und andauernde Gewalt veranlasst jeden Tag hunderte Menschen zur Flucht.

Die verheerenden Auswirkungen der Krise hat World Vision-Mitarbeiterin Stefanie Glinski gesehen, als sie den Südsudan und Uganda im Juni besuchte: „Jeder fünfte Südsudanese musste seit Ausbruch des Bürgerkrieges im Dezember 2013 aus seinem Heimatort fliehen. Die Zufluchtsorte sind oft für Hilfsorganisationen schwer erreichbar. In einem der Auffanglager in Norduganda, das nur rund 250 Kilometer von der Hauptstadt Juba entfernt liegt, kommen täglich im Durchschnitt 180 Menschen an. Zwei Drittel der Flüchtlinge sind unter 18 Jahre alt. Man kann sich kaum vorstellen, wie sie tage- oder auch wochenlang mit wenig Wasser und Essen um ihr Leben laufen. Der Rauch von Feuer erinnert die Kinder sofort an abgebrannte Häuser und ermordete Familienmitglieder.“ 

Menschen leben in ständiger Angst
Nur gekochte Blätter und ein Stückchen Brot kann Adakien Nour ihren vier Kindern anbieten, wenn der jüngste Staat der Welt am 9. Juli den Jahrestag seiner Unabhängigkeit begeht. „Mein Land hat keine großen Fortschritte gemacht in den letzten fünf Jahren“, sagt die Südsudanesin. Unsicherheit sei das größte Problem. Ihr Heimatdorf im Bundesstaat Unity geriet zwischen die Fronten, nachdem ein Konflikt zwischen Präsident Slava Kiir und seinem Rivalen Riek Machar eskalierte. „Wir konnten nichts mitnehmen und haben immer noch nichts. Meine Kinder sind noch nie zur Schule gegangen und leben in ständiger Angst, denn wir sind in den letzten beiden Jahren von Camp zu Camp geflüchtet. Wir wissen nie wann und wo die nächsten Kämpfe ausbrechen können.  World Vision hat uns eine Wasserpumpe gegeben und liefert uns das Mehl für Brot, doch unser Leben ist hart und ich fürchte um das Leben meiner Kinder.“

Friedensprozess von unten
Das in Addis Abeba ausgehandelte Friedensabkommen und die Bildung einer Einheitsregierung  haben neue Hoffnungen auf etwas Stabilität geweckt, aber viele Einzelheiten zur Befriedung und Entwicklung des Landes müssen noch ausgearbeitet werden. Hier dürfe die Regierung keine Zeit verlieren, sagt Ekkehard Forberg von World Vision Deutschland. „Eine gute Strategie zum Aufbau eines Staates nach einem Konflikt hat die internationale Gemeinschaft bisher leider nicht gefunden“, stellt der Friedensexperte weiter fest. „Im Südsudan ist nicht nur viel politscher Wille, sondern auch harte Arbeit erforderlich, um spürbare Fortschritte zu erreichen, die die Menschen neben humanitärer Hilfe dringend brauchen.“ Investitionen in die Infrastruktur, in Bildung für Kinder und Arbeitsmöglichkeiten für junge Menschen müssten durch die Demobilisierung und Integration bewaffneter Milizen erleichtert werden. „Der nationale Friedensprozess sollte auch durch lokale Initiativen zur Versöhnung mit einem Friedensprozess von unten verstärkt werden“, so Forberg. World Vision mache den Vereinten Nationen Vorschläge dazu und setze sich dafür ein, dass Jugendliche im Sinne der kürzlich verabschiedeten UN-Resolution als Friedensstifter mitwirken könnten.

World Vision arbeitet seit 1989 im Südsudan. Im vergangenen Jahr wurden rund 1,6 Millionen Menschen mit Hilfsmaßnahmen erreicht. World Vision unterstützt unter anderem die Behandlung unterernährter Kinder und die Sicherung der Ernährung durch verbesserte landwirtschaftliche Methoden und Umweltschutz.

Quelle: Presseaussendung, worldvision, 7.7.2016

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