Filme als Fenster in die Welt. Eindrücke vom Zanzibar International Film Festival (ZIFF) 2016

Unter dem Motto „Ndiyo hii safari yetu – This journey of ours” verwandelte sich auch dieses Jahr Stone Town acht Tage lang in einen Mikrokosmos für Filmschaffende und Filminteressierte aus aller Welt. Rund 80 Filme zeugten von der Vielfalt der afrikanischen Filmszene, gaben Einblicke in unterschiedliche Lebensrealitäten und ließen die Zuseher_innen selten unberührt.

Katharina Eichinger

Katharina Eichinger

Die alte Befestigungsanlage Stone Towns, als Old Fort bekannt, ist ein Ort an dem Geschichte geschrieben wurde. Nachdem omanische Araber die Insel im 17. Jahrhundert von den Portugiesen eroberten, bauten sie dort, wo früher eine portugiesische Kirche stand, ihre Befestigungsanlage, um weitere feindliche Angriffe abzuwehren. Aber auch heute noch ist das Old Fort ein Ort, an dem zur Geschichte beigetragen wird. Das Musikfestival Sauti za Busara sowie das Zanzibar International Film Festival ziehen jährlich hunderte von Besucher_innen an und stellen Höhepunkte der ostafrikanischen Kunst- und Kulturszene dar.

Förderung der lokalen Filmszene

Zum mittlerweile 19. Mal brachte ZIFF Filmemacher_innen des afrikanischen Kontinentes sowie der Diaspora zusammen und bot ihnen vom 9. bis zum 17. Juli eine Bühne für ihre Werke. Abseits des nigerianischen Nollywood-Marktes ist es für die Filmemacher_innen oftmals schwer, Fuß in der internationalen Filmindustrie zu fassen. Vor diesem Hintergrund leistet ZIFF, das größte Filmfestival Ostafrikas, einen umso wichtigeren Beitrag zur Förderung der lokalen Filmszene. So vielfältig die Herkunftsländer der Filmschaffenden sind, so unterschiedlich sind die Filmgenres und Themenbereiche. Sowohl Dokumentarfilme als auch Spiel- sowie Kurzfilme begeisterten das Publikum und gaben ihnen Einblicke in unterschiedliche Lebensrealitäten.

Von Freiheitskämpfen, Revolutionen und einer gerechteren Welt

Der Eröffnungsfilm Kalushi (Mandla Walter Dube Dube, Südafrika) erzählt die auf wahren Tatsachen beruhende Geschichte von Solomon Mahlangu, welcher sich nach dem Schüler_innenaufstand 1976 in Soweto dem militärischen Flügel des ANCs anschloss und gegen das Apartheidregime kämpfte. Unschuldig zum Tode verurteilt wurde er zu einer der vielen Ikonen des südafrikanischen Freiheitskampfes. The revolution with bare hands (Moussa Ouédraogo und Hans-Georg Eberl, Burkina Faso) zeichnet hingegen einen Volksaufstand nach, der erst vor kurzem stattfand. Im Oktober 2014 lehnte sich die Bevölkerung des westafrikanischen Burkina Fasos gegen das langjährige diktatorische Regime von Blaise Compaoré auf, mit Erfolg.  

Neben politischen Umstürzen porträtieren einige Filme Individuen, die sich für Minderheiten sowie eine gerechtere Welt einsetzen. So zeigt zum Beispiel der Dokumentarfilm Sea change (John Antonelli, Kenia) die Kenianerin Ikal Angelei in ihrem Kampf gegen den Bau des Gibe III – Staudammes in Äthiopien. Denn dieser hat fatale Auswirkungen für die Bewohner_innen der kenianischen Turkana Region, deren Überleben maßgeblich vom Wasser des Omo-Flusses abhängt. Einen kreativen Weg um auf gesellschaftspolitische Missstände aufmerksam zu machen, hat eine Gruppe von jungen Menschen in Nairobi, der Hauptstadt Kenias, gefunden. In ihren Liedtexten nehmen sich die Musiker_innen der Band Sarabi kein Blatt vor den Mund und prangern Korruption, Tribalismus und andere Ungerechtigkeiten an. Der Dokumentarfilm Music is our weapon (Taye Balogun, Kenia/Nigeria) begleitet die Band und entwirft ein Porträt junger Menschen, die sich nicht nur für politische Emanzipation einsetzen, sondern diese auch selbst leben.

Festival der Vielfalt

Entgegen der gängigen Berichterstattung über Subsahara-Afrika, welche häufig ein Gefühl der Hilflosigkeit erzeugt, trägt das Zanzibar International Film Festival zur Schaffung eines anderen Bildes bei. Einem Bild von engagierten Menschen der Kreativszene, die sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinandersetzen und ihre Wahrnehmungen in Filme verpacken. Das Resultat ist ein breites Spektrum an Filmbeiträgen, die die Vielfalt des Kontinentes abbilden. Mit all seinen Sprachen, Perspektiven und Facetten.

So begleitete zum Beispiel der Dokumentarfilm Coming of age (Edkins Teboho, Südafrika) zwei Jahre lang vier Jugendliche im gebirgigen Lesotho und zeigt neben wunderschönen Landschaftsaufnahmen die Herausforderungen des Erwachsenwerdens im südafrikanischen Königreich. Der Kurzfilm A place for myself (Clementine Dusabejambo, Ruanda) thematisiert hingegen die Schwierigkeiten eines ruandischen Mädchens mit Albinismus, Anschluss in ihrer Schule zu finden und stößt damit eine Diskussion über die Stigmatisierung von Menschen, welche unter dieser Pigmentstörung leiden, an. In Ruandas Nachbarland Uganda spielt der Film Wako (Zziwa Aaron, Uganda), der den Überlebenskampf von Slumbewohner_innen in all seiner Brutalität zeigt.

Unterschiedliche Jahrzehnte, Länder, Themen. Dieser kleine Auszug aus dem Festivalprogramm zeugt vom Reichtum des Kontinentes sowie seiner Filmszene. Indem unterschiedliche Seiten des Alltages in afrikanischen Ländern aufgezeigt wurden, erhielten die Zuseher_innen Einblicke in bisher vielleicht unbekannte Welten. Und nicht weniger wichtig, trotz der zum Teil schwierigen Themen boten die Filme genügend Gelegenheiten zum Lachen. Gemeinsam Lachen, gemeinsam diskutieren über das Gesehene – ZIFF schaffte einen Raum des Austausches weit über die Filme hinaus.

 

Katharina Eichinger absolviert im Rahmen ihres Masterstudiums Soziale Arbeit und Sozialwirtschaft (FH Campus Wien) ein Auslandssemester in Nairobi und nahm am ZIFF 2016 teil.

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