EZA im Umbruch - von Friedbert Ottacher und Thomas Vogel

Brandes & Apsel Verlag, Wien, 2015, 170 Seiten, 18,40€

Vom Marshallplan und Modernisierungsglauben der ersten Jahre über die gut gemeinte aber ineffiziente „Entwicklungshilfe“ bis hin zur heutigen Kooperation auf Augenhöhe. „EZA im Umbruch“ gibt einen leicht verständlichen Überblick über die Fehlschläge und Erfolge von 65 Jahren Entwicklungszusammenarbeit.

Die Autoren blicken auf jahrzehntelange Erfahrung in diesem Berufsfeld zurück und illustrieren die unterschiedlichen Themen, Zugänge und Akteure der Szene. So findet die Verteilung von Almosen ebenso Erwähnung wie moderne Menschenrechtskampagnen, das bewährte Modell der „Hilfe zur Selbsthilfe“ oder die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Kurz und knapp wird Grundwissen zu verschiedenen Entwicklungstheorien vermittelt, etwa dem Neoliberalismus, der Modernisierungstheorie oder dem Konzept des „Buen Vivir“. Ergänzt wird dies durch zahlreiche Beispiele aus der Praxis, zumal sich der Titel als Einführung in ein Thema versteht, das allzu oft nur in der akademischen Seifenblase diskutiert wird.

Dem beruflichen Werdegang der Autoren bei Organisationen wie „HORIZONT3000“ oder „Licht für die Welt“ ist es geschuldet, dass der Fokus des Buches in weiten Teilen auf Afrika gerichtet ist, Lateinamerika oder Asien dienen eher als Nebenschauplätze. Dennoch: Erfrischend offen demontieren Vogel und Ottacher den abgenutzten Begriff der „Nachhaltigkeit“, sprechen klar und deutlich das Schreckgespenst der Korruption an und geben zu bedenken, dass es die EZA selbst sei, die ihre schärfsten KritikerInnen erzeuge. Auch der EU als wichtigem Player in der Projektfinanzierung bleibt Kritik in ihren Methoden zur Armutsbekämpfung nicht erspart.

In einem Kapitel widmen sich die Autoren den Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der EZA: Realistische Ziele seien ebenso essentiell wie die Einbeziehung neuer Geberländer und privater Unternehmen. Die zweite Auflage wurde um einige aktuelle Themen erweitert: Was hat Armutsmigration mit EZA zu tun? Wie können die nachhaltigen Entwicklungsziele umgesetzt werden? Was bedeutet das Protokoll der Klimakonferenz aus Paris für die Entwicklungszusammenarbeit?

Die Bereitschaft zur Selbstreflexion ist eine der Stärken des Buches. Dass die Katharsis stellenweise oberflächlich bleibt, ist auch seine größte Schwäche. Über den Hinweis hinausgehend, dass sich die Praxis der Entwicklungszusammenarbeit ändern müsse, gibt es beispielsweise keine vertiefende Diskussion über den titelgebenden „Umbruch der EZA“. Man muss den Autoren jedoch zugutehalten, dass es selbst für die renommiertesten Experten unmöglich ist, Patenrezepte für so ein komplexes und kontroverses Arbeitsfeld vorzulegen. Wie lange brauchte es also noch Entwicklungszusammenarbeit? „Noch lange“ sagen  Friedbert Ottacher und Thomas Vogel.

Autor der Rezension: Klaus Brunner, September 2016

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