Greenpeace: Kanada ist kein Umweltmusterland

Chefin von Greenpeace Kanada warnt vor Abschluss von CETA

Wien/Toronto - Greenpeace Österreich und Greenpeace Kanada zerpflücken in einer gemeinsamen Analyse den von CETA-Befürwortern gestreuten Mythos von Kanada als Umweltmusterland. Die Wahrnehmung, Kanada sei beim Umweltschutz fortschrittlicher als die USA hält einer Überprüfung der Fakten nicht stand. „Kanada gehört seit der Amtszeit von Premierminister Stephen Harper zu den Ländern mit den schlechtesten Umweltgesetzen der Welt“, so die Geschäftsführerin von Greenpeace Kanada, Joanna Kerr. „Ein Ergebnis davon ist, dass 99 Prozent der einzigartigen kanadischen Flüsse und Seen nicht geschützt sind“. Zwar würden diese Gesetze unter dem amtierenden Premierminister Justin Trudeau einer Überprüfung unterzogen, der Umweltschutz in Kanada müsse aber dringend einer umfassenden Reform unterzogen werden.

Greenpeace Kanada warnt insbesondere hinsichtlich der Klimaschutzambitionen nach dem Pariser Klimaabkommen vor dem Handelspakt mit Kanada. „Unser Land ist ein großer Ölexporteur. Wenn Kanada Freihandelsabkommen abschließt, dann mit dem Hauptziel, dass das so bleibt“, so Joanna Kerr. „Die Europäerinnen und Europäer müssen CETA als das erkennen, was es ist: Ein letzter Versuch, den Kampf gegen den Klimawandel zu verschleppen. Die großen Öl- und Kohlekonzerne verlieren die öffentliche Debatte, also will man ihnen mehr Macht in den Hinterzimmern und Sondergerichten geben.“

Auch in Kanada wird CETA daher in der Bevölkerung mit großer Skepsis gesehen. „Freihandelsabkommen haben schon in der Vergangenheit den Ölkonzernen einen Freibrief erteilt und gleichzeitig den Regierungen die Hände im Kampf gegen den Klimawandel gebunden“, kritisiert Joanna Kerr. Zwar gebe es unter Premierminister Trudeau ein Umdenken und positive Ansätze für mehr Umweltschutz, allerdings stelle auch die neue Regierung die Rechte der Investoren über demokratiepolitische Bedenken. Die erfreuliche Umweltbilanz seit Beginn der Amtszeit Trudeaus könne jedenfalls nicht als Argument für CETA gelten.

„Falls CETA beschlossen und ratifiziert wird, bleibt der Vertrag mit Sicherheit länger wirksam als die Regierung Trudeau im Amt bleibt. Es gibt keine Garantie, dass die nächste Regierung einen ähnlich guten Kurs verfolgt. Die Umweltpolitik seines Vorgängers Harper war ein Desaster“, betont Alexander Egit, Geschäftsführer von Greenpeace Österreich. „So lange in CETA nicht gesichert ist, dass der Umweltschutz eindeutig über den Deregulierungsinteressen der Konzerne steht, darf das Abkommen keinesfalls beschlossen werden“, so Egit abschließend.


Einen Kurzüberblick zum Thema „Umweltsünder Kanada“ finden Sie hier: http://bit.ly/2d20KUF


Quelle: Presseaussendung, Greenpeace, 10.10.2016

Share this:

Hinzufügen Del.icio.us Hinzufügen Facebook