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160 Seiten, Mandelbaumverlag, 2016, 19.90 Euro

45 Jugendliche. 45 Geschichten. 45 Orte in Wien - Lieblingsplätze in Wien mit besonderem Hintergrund

Warum werden Menschen mit Migrationserfahrung immer gefragt, woher sie kommen, anstatt zu fragen, wie sie gerade mit ihrer Situation zufrieden sind und wo sie hinwollen?

Das Buch verdeutlicht anhand von 45 kurzen Erzählungen von jungen Erwachsenen,  wie wir von der Frage woher jemand kommt hin zur Frage wohin jemand will kommen.  So erzählen die jungen Wienerinnen und Wiener teilweise aus ihrer Vergangenheit, alle aber über ihre Zukunft und über ihre Lebenspläne. Als GestalterInnen der Gesellschaft geben die jungen Menschen Einblicke in ihre Lieblingsorte und zeigen auf, wie viele schöne, ruhige, belebte und entdeckenswerte Orte sich in der Metropole finden lassen, wenn man nur die Augen offen hält.

Dieser Geschichtenband will einen Beitrag dazu leisten, dass sich der gesellschaftspolitische Diskurs über Migration und auch Integration ändert und andere Fragen gestellt werden als bisher. Wohin wollen die jungen Menschen und was brauchen sie dafür?

Statt mit Kosten und Risiken zu argumentieren, die oftmals zur Separierung  führen, werden hier die Hoffnungen und Pläne der jungen Menschen beleuchtet. Die Schlüsselfrage lautet:  „Wie sieht deine Gegenwart und deine Zukunft aus?“ Auf die Vergangenheit, auf die die Jugendlichen kaum Einfluss hatten, wird kein Hauptaugenmerk gelegt. Mit dem in den Medien gängigen Stereotyp von Flüchtlingen aus kriegs- und krisengeschüttelten Ländern wird hier auch unaufdringlich aufgeräumt.

Teofil zum Beispiel sagt über sich selbst, dass er nicht nur Serbe, sondern auch teilweise Franzose und Ungar und damit sozusagen Europäer sei.  Mike meint, er sei  in Genf geboren und empfinde sich selber als Wiener, unabhängig von der Herkunft seiner Eltern.

Ebenso bunt wie ihre Herkunft sind auch ihre Zukunftspläne. Sie wollen Jura studieren, für die UNO arbeiten oder Chirurg werden.

Schlägt man die im Buch integrierte Wienkarte auf und sucht sich markierte Punkte aus, mit denen die Geschichten der  jungen Menschen in Verbindung stehen, entdeckt man vieles: Plätze in der Nähe des eigenen Wohnortes oder des Arbeitsplatzes, eigene Lieblingsecken, aber auch viel Neues. So liest man sich von einer Geschichte und einem Ort zum nächsten und zum nächsten,  bis man das ganze Buch verschlungen hat. Eine angenehme Lektüre also, die zum Entdecken Wiens und der Geschichten ihrer jungen Menschen mit Migrationserfahrung einlädt.

Autorin der Rezension: Julia Siart, Oktober 2016

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