Margit Maximilian: „Woza Sisi“. Die mutigen Frauen Afrikas.

Kremayr & Scheriau, 192 Seiten, Wien, 2016, € 22,00. Rezension: Margot Bacher

Wien, Frankfurt, Johannesburg, Dakar, Bamako, Dakar, Lagos, Cotonou, Douala, Lagos, Addis Abeba, Nairobi, Kampala, Kigali, Juba, Kigali, Kampala, Nairobi, Mombasa Nairobi, Addis Abeba, Harare, Addis Abeba, Wien. – Diese Stationen hat Margit Maximilian innerhalb von sechs Monaten zurückgelegt. Ihr Ziel: Mutige Frauen zu finden, die bereit sind, ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

Couragierte Frauen gibt es in Afrika viele und mutig waren die Frauen Afrikas schon immer, wie Maximilian betont. Sie kämpf(t)en gegen europäische Kolonialherrschaften, aber auch gegen Gewalt und Unterdrückung durch einheimische Männer und Herrscher. Der weibliche Körper diente dabei oft als Mittel gegen Unrecht und Unterdrückung und wird auch heute noch erfolgreich eingesetzt. Gleichzeitig warnt Maximilian vor Blauäugigkeit und davor, zu generalisieren oder Frauen in Politik und Wirtschaft zu romantisieren. Denn ob der Kontinent unter der politischen Führung von Frauen auch friedlicher wäre, ist nicht erwiesen.

Ziel von Maximilian ist es jedoch, dem negativen Afrika-Bild vom Krisenkontinent, das in Europa bzw. im Westen vorherrscht, ein differenziertes und positives Afrika-Bild gegenüberzustellen. Das gelingt der Autorin anhand von zehn Frauenporträts. Eingebettet in Geschichte, Politik und Kultur des jeweiligen afrikanischen Landes, erzählt Maximilian die Lebensgeschichten der Frauen. Die porträtierten Frauen sind grundverschieden, sie „sind jung und alt, gebildet oder gänzlich ohne Schulbildung. Sie haben dennoch eines gemeinsam: Sie meistern ihr Leben mit viel Würde. Sie sind aufrecht, mutig und voller Kraft.“

Die detaillierten, malerischen Beschreibungen von Maximilian erwecken im Leser/in der Leserin das Gefühl, selbst an den Interviews teilzunehmen, der Bildhauerin Reinata Sadimba im Naturhistorischen Museum Maputos beim Töpfern zuzusehen oder mit der Fotografin Dahlia Maubane in einem Café in Johannesburg zu plaudern.

„Woza Sisi“ hört man dort die Straßenfriseurinnen rufen, „Woza Sisi, Woza!“, was so viel bedeutet wie „Komm her, Schwester!“ So versuchen die Friseurinnen auf der Straße ihre KundInnen anzulocken und ihrer Arbeit nachzugehen. Viele von ihnen stammen aus dem Ausland, etwa Mosambik und Simbabwe. Sie prägen mittlerweile das alltägliche Bild in den Städten Südafrikas und so hat Dahlia angefangen, die Geschichten der Straßenfriseurinnen in ihren Fotos zu erzählen und ihnen Visitenkarten und T-Shirts zu drucken, denn „[d]as ist meine Art, etwas zu verändern, that’s how I can make a difference“, so Dahlia. Auch das Cover-Foto von Maximilians Buch stammt von der südafrikanischen Fotografin.

Die Abkürzung Woza findet sich auch in einem weiteren Frauenporträt: So nennt sich eine Menschenrechtsorganisation um Jenni Williams in Simbabwe „Woman of Zimbabwe Arise“ („Frauen Simbabwes, steht auf!“). In Ndebele, einer der wichtigsten Sprachen Simbabwes, bedeutet Woza außerdem „vorwärtskommen“. Die Menschenrechtsorganisation wurde 2003 von Jenni Williams gegründet und hat sich dem gewaltlosen Kampf gegen das Regime von Robert Mugabe verschrieben. Obwohl Jenni Williams bereits 57 Mal verhaftet wurde, lässt sie sich in ihrem Kampf nicht einschüchtern. 2008 wurde sie von Amnesty International mit dem Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Einem Kampf hat sich auch die Autorin, Politikerin und politische Aktivistin Aminata Dramane Traoré aus Mali verschrieben. Die Globalisierungsgegnerin kritisiert die Abhängigkeit afrikanischer Länder von der Auslandshilfe. Diese Abhängigkeit sieht sie auf intellektueller, finanzieller und materieller Ebene gegeben. In der globalisierten Welt werden die Entscheidungen der BewohnerInnen Afrikas außerhalb des Kontinents getroffen, in Washington, Brüssel, Paris, New York. „Wenn die reichen Staaten weiterhin glauben, dass die Zukunft der Welt so sein kann wie jetzt, dann wird es explosiv“, meint Aminata. Insbesondere Frauen werden bei der Diskussion um globale Fragen ausgeklammert, nicht nur von Männern, sondern insbesondere auch von den Feministinnen aus dem Westen, die dazu beitragen, das Bild der „verstümmelten und ewig schwangeren afrikanischen Frauen“ zu verbreiten, so die Aktivistin. Dennoch ist Aminata davon überzeugt, dass eine bessere Welt vorstellbar ist, wie sie in einer Widmung für Maximilian schreibt.

Wie denn eine afrikanische Frau aussehen soll, fragt Maximilian schließlich Dahlia. „Was ist denn überhaupt eine ‚afrikanische Frau‘?“ „Es geht um Afrika, es geht um Demut. Afrikaner sind nett. Manchmal fragen mich Freunde aus Europa: ‚Hey, warum seid ihr so freundlich?‘ Das ist unsere Philosophie, das ist Ubuntu. Das bringt die Dinge in Schwung. Du grüßt Fremde, du redest mit ihnen. Das ist nicht immer leicht, aber es kommt von Herzen,“ erklärt Dahlia.

Ubuntu wurde auch Maximilian zuteil, die erklärt, dass die Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnete, stets „ausgesucht freundlich“ zu ihr waren. „Wie sehr man sich angesichts dessen für ein Europa schämt, das im selben Jahr deutlich abweisender und kälter geworden ist, lässt sich nur schwer in Worte fassen“, so Maximilian.

Margot Bacher hat Geschichte, Internationale Entwicklung und Afrikawissenschaften studiert und arbeitet als freie (Wissenschafts-)Lektorin & Korrektorin (http://korrigiermich.at; https://www.facebook.com/korrigiermich) in Wien

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