Mit „Bio“ gegen Hunger

Wird Uganda der „Bio-Riese“ Afrikas? Wie ein Land versucht, mit ökologischer Landwirtschaft Mangel- und Unterernährung zu bekämpfen

Flickr - creative commons: Flöschen

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Nach der Heirat meines Ehemanns im Jahr 1982 setzten wir uns Ziele für unsere Familie. Eines dieser Ziele lautete, genügend Essen für unsere Familie zu produzieren, “ erzählt Josephine Lubyayi, eine ugandische Bio-Bäuerin. Josephine Lubyayi kam auf Einladung des Welthauses Wien nach Österreich, um über ihren erfolgreichen Bio-Bauernhof zu berichten. Ihre nachhaltigen Anbaumethoden haben sich mittlerweile in ihrer Heimatstadt Masaka (Süd-Uganda) zum Vorbild der dortigen landwirtschaftlichen Produktion etabliert. Stolz erzählt sie, dass sich nicht nur ihr Traum von Ernährungssouveränität verwirklicht hat, sondern sie ihr dafür benötigtes Wissen mittels Schulungen an lokale ProduzentInnen in der Umgebung weitergibt. Denn: „Alle sollten wissen wie landwirtschaftliche Qualitäts-Produkte hergestellt werden können,“ so  Lubyayi. 

Uganda ist auf dem Weg, der „Bio-Riese“ Afrikas zu werden. Mit Beispielen wie dem Bio-Bauernhof von Josephine Lubyayi will man den Hunger bekämpfen. Doch der Weg dorthin ist weit und es gibt innerhalb Ugandas auch reichlich Gegenwind und strukturelle Probleme in der Gesellschaft, die vor allem Frauen benachteiligen.

Im Jahr 1997 waren 19 der 112 ugandischen Distrikten von Hungersnöten betroffen. Nach wie vor hat das Land mit den Folgeerscheinungen Mangel- und Unterernährung zu kämpfen. Die politischen Waffen im Kampf gegen Hunger sind einerseits Diversifizierungsbestrebungen und andererseits exportorientierte Liberalisierungsmaßnahmen. Diese agrarpolitische Haltung lässt sich bereits auf die frühe Kolonialzeit zurückführen.  Ein Blick zurück in die Geschichte lässt erkennen, dass die gegenwärtigen landwirtschaftlichen Probleme Ugandas im Kontext des „scramble for Africa“, also den kolonialen Wettlauf um die Ressourcen und Territorien Afrikas, entstanden sind: Denn im Zuge der Kolonialisierung Ugandas wurden die ersten ungleichen Handelsbeziehungen etabliert. Das „Buganda-Agreement“ von 1900 setzte, als erstes wirtschaftliches Agrar-Abkommen zwischen Großbritannien und Uganda, die Rahmenbedingungen für die Extraktion von Rohmaterialien fest. Die Fortsetzung dieser Rohstoff-Extraktionspolitik verschärfte sich im Zuge der politischen Instabilitäten und wirtschaftlichen Krisen in den 1980er. Unter der Regierung des Präsidenten Yoweri Museveni und im Diktat des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, welche die Bedingungen für Kreditvergaben festsetzten, folgten die ersten Strukturanpassungsprogramme. Im Bereich der Landwirtschaft wurde, weiterhin, an einer exportorientierten Agrarpolitik festgehalten.

Diese liberale Agrarpolitik trifft Frauen besonders hart. Sie sind nicht mehr lediglich in die patriarchalen kleinbäuerlichen Familienstrukturen eingegliedert, sondern müssen zusätzlich neben der Subsistenzproduktion für den Verkauf wirtschaften: Frauen haben in diesen  kleinbäuerlichen Organisationen oftmals die Hauptverantwortung an den landwirtschaftlichen Herstellungsprozessen, jedoch obliegt der Gewinn bzw. die Verteilung des Outputs den jeweiligen Patriarchen. Der neoliberale Profitdruck führt hierbei zu Mehrfachbelastungen von Frauen.
Die  Bio-Bäuerin Joesphine Lubyayi gibt sich trotzdem kämpferisch und betont aus ihrer eigenen Erfahrung, wie wichtig die Frauen in der Landwirtschaft sind: „Ich denke, dass die ganze Nation davon profitiert, wenn Frauen in der Landwirtschaft ausgebildet werden, indem sie Trainings erhalten. Denn es profitiert eben nicht nur die Frau selbst von diesen Trainings sondern ihre ganze Familie, ihre Kinder und die gesamte Community. Wenn die Frau hart arbeitet, kann die Armut überwunden werden und die Familie zu einem besseren Leben gelangen.“ In  ihrem Betrieb sei die Arbeit nicht alleine ihr überlassen. „Wir arbeiten Hand-in-Hand, durch unsere Produktionsumstellung kocht mein Mann nun auch selbstständig. Das ist außergewöhnlich in Uganda. Männer kochen nicht in Uganda. Aber mit Bio-Gas ist es einfacher.“

Kurzum, die biologische Landwirtschaft wird als ein möglicher Faktor gehandhabt, um die nationale Ernährungssouveränität zu erreichen, Mangelernährung vorzubeugen und Empowerment zu schaffen. Uganda gilt hierbei als internationales Vorzeigemodell, denn der junge Staat hat sich als größter ökologischer Standort  Afrikas etabliert. Zu sagen bleibt, dass die ugandische Agrarpolitik auf einem neoliberalen Entwicklungskonzept beruht, welches aus ungleichen Handelsbeziehungen entstanden ist. Die Erreichung von nationaler Ernährungssouveränität durch eine exportorientierte (biologische) Landwirtschaft, erscheint insofern als Utopie. Josephine Lubyayi und ihr Betrieb stellen ein Best-Practice Beispiel dar, welche die Bedürfnisse der Subsistenzproduktion decken. Allerdings setzen die unfairen Handelsbeziehungen auf der Makro-Ebene die VerlierInnen und GewinnerInnen des internationalen Agrar-Wettbewerbs bereits im Vorhinein fest. Zudem ist selbst die biologische Landwirtschaft ein umkämpftes Terrain. GegnerInnen der biologischen Landwirtschaft plädieren für intensive Herstellungsmethoden: Diese garantieren einen Zuwachs an agrarischer Produktivität bei gleichzeigten niedrigem Preisniveau der Endprodukte. Die intensiv hergestellten Agrarprodukte würden der nationalen Kaufkraft entsprechen, was bei biologischen Endprodukten nicht der Fall ist. Der Kampf der ökologischen gegen die herkömmliche Agrarwirtschaft ist in Uganda noch nicht entschieden.


Bio-Gas

90% des gegenwärtigen Energiebedarfs, der kleinbäuerlichen Landwirtschaftsbetriebe Ugandas, wird durch Bio-Masse abgedeckt. Die Hauptquelle hierfür stellt Holz dar, dessen Anschaffung Waldrodung bedingt. Auf der Suche nach einer ökologischen Alternative zu Brennholz steigen immer mehr LandwirtInnen auf Bio-Gas um. Bio-Gas wird aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten gewonnen. Somit wird nicht nur dem Waldverlust entgegengesteuert, sondern auch der schädlichen Rauchbelastung, welche durch alt eingesessene Kochmethoden entstehen.

Autorin: Tania Napravnik

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