Todesstrafen-Statistik 2016

2016 wurden mindestens 1.032 Menschen weltweit hingerichtet – das ist um 37% weniger als im Rekordjahr 2015 (1.634). In China werden nach wie vor die meisten Hinrichtungen vollstreckt, doch das wahre Ausmaß der Todesstrafe bleibt Staatsgeheimnis.

© Amnesty International Österreich

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Chinesische Behörden lassen nach wie vor jedes Jahr Tausende Menschen hinrichten. Doch wie oft die Todesstrafe in China tatsächlich angewendet wird, bleibt eines der am besten gehüteten Geheimnisse des Landes. Eine neue, umfassende Untersuchung von Amnesty International belegt, dass die chinesischen Behörden ein ausgeklügeltes Geheimhaltungssystem anwenden, um die schockierenden Hinrichtungszahlen zu verschleiern. Diese Untersuchungsergebnisse widersprechen den Aussagen chinesischer Behörden, die immer wieder beteuern, es gäbe Fortschritte hinsichtlich der Transparenz des Strafrechtssystems in China.

„Die chinesische Regierung hat zwar anerkannt, dass sie im Hinblick auf Offenheit und Transparenz des Strafrechtssystems Nachholbedarf hat. Dennoch verschleiert sie weiterhin das wahre Ausmaß der Hinrichtungen. Es ist an der Zeit, dass China den Schleier dieses tödlichen Geheimnisses lüftet und die Wahrheit über das Todesstrafen-System des Landes preisgibt”, sagt Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International.

Weltweit wurden vergangenes Jahr 1.032 Todesurteile vollstreckt – in diese Zahl ist China allerdings nicht miteingerechnet. Dort sind in diesem Zeitraum Schätzungen von Amnesty International zufolge mehr Menschen hingerichtet worden als in allen anderen Ländern zusammengenommen. In den USA sind im Vergleich dazu 2016 so wenige Todesurteile vollstreckt worden wie schon lange nicht mehr.

„Die Anwendung der Todesstrafe in den USA ist auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang der 1990er Jahre“, sagt Annemarie Schlack, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich. „Jetzt müssen wir dafür kämpfen, dass es so bleibt. Denn 2017 könnte es wieder ganz anders aussehen. Die Nachricht, dass im April eine schockierende Zahl an Exekutionen innerhalb von zehn Tagen in Arkansas geplant sind, zeigen, dass sich das Bild wieder ganz schnell ändern kann.“

„Die fünf isolierten US-Bundesstaaten, die im letzten Jahr Hinrichtungen vollstreckt haben, handeln nicht mehr zeitgemäß. Sie stellen sich nicht nur einem globalen, sondern auch einem regionalen Trend entgegen. Seit acht Jahren sind die USA nun das einzige Land in der Region, das Menschen hinrichtet“, sagt Schlack.

„Der stetige Rückgang bei der Anwendung der Todesstrafe ist ein Hoffnungszeichen für Aktivisten, die sich seit Langem für die Abschaffung dieser Strafe einsetzen. Die allgemeine Haltung zur Todesstrafe wandelt sich. Politiker sollten sich jeglicher Rhetorik enthalten, die ein ,hartes Vorgehen gegen Verbrechen‘ propagiert. Die Todesstrafe wird das Leben nicht sicherer machen – für keinen von uns“, sagt Schlack.

Entwicklungen 2016

  • Der Rückgang der Hinrichtungen weltweit ist vor allem auf sinkende Zahlen im Iran (minus 42%: von mindestens 977 auf mindestens 567) und Pakistan (minus 73%: von 326 auf 87) zurückzuführen.
  • In den Staaten südlich der Sahara wurden weniger Exekutionen dokumentiert; die Zahl der Todesurteile hat sich jedoch mehr als verdoppelt, vor allem durch den Anstieg in Nigeria.
  • Im Nahen Osten und Nordafrika sind die Hinrichtungszahlen um 28% gestiegen, wobei im Iran und in Saudi-Arabien die meisten Todesurteile vollstreckt wurden.
  • Zwei Länder haben 2016 die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft (Benin und Nauru); Guinea hat die Todesstrafe für gewöhnliche Straftaten abgeschafft.

Quelle: Aussendung Amnesty International Österreich, 11. April 2017

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