Die Lehman Brothers und Afrika

Geschichten und Gedanken zum Thema Flucht und Migration von Maria Reininger, ORF Ö1 Redakteurin

Die Wirtschaftsbeziehungen Afrikas zu den USA sind in den vergangenen 10 Jahren schwieriger geworden:    

Afrikaner haben pro Kopf ohnehin nur rund ein Sechstel dessen in die USA exportiert, was Europäer ungefähr zur gleichen Zeit in die USA verkaufen konnten. Nun sind afrikanische Exporte in die USA massiv eingebrochen: 2007 hat Afrika für 90 Milliarden Dollar in die USA exportiert, 90% davon war Erdöl, schreibt die Zeitschrift The Economist. Eine Finanzkrise später haben sich die USA aufs Fracking verlegt und ihre Erdölimporte stark reduziert. 2016  konnten afrikanische Staaten nur noch um rund 26 Milliarden in die USA exportieren, zwei  Drittel der Exporte in die USA sind also weggefallen,  die Abhängigkeit vom Erdöl ist zum Boomerang geworden, andere Ausfuhrprodukte fehlen. Noch. Diese Zahlen bestätigt auch das Österreichische Forschungsinstitut für Entwicklungspolitik für die afrikanischen Staaten südlich der Sahara: Von 2008 auf 2009 haben sich die Exporte der Subsaharastaaten in die USA fast halbiert! In der Zeitspanne 2007 bis 2014 wurden sie mehr als halbiert. Besonders krass ist der Rückgang der Rohölexporte: weniger als ein Viertel waren die 2014 nur noch im Vergleich zu 2007 (11,2 Mrd $ 2014 im Vergleich zu 52 Mrd $ noch im Jahr 2007).

Besonders betroffen ist vor allem Nigeria, die größte Volkswirtschaft Westafrikas mit einem Rückgang der Erdöleinnahmen von 31,7 Mrd$ 2007 auf 1,4 Mrd $ 2014! Und weil im Tschad die Wirtschaftsleistung insgesamt viel kleiner ist, spielt auch dort der Rückgang von 2,2 Mrd $ auf 1,3 $ eine enorme Rolle. Der dritte Staat, der jetzt unter den geringen Erdöleinnahmen leidet, ist Angola.

Die EU hat übrigens in derselben Zeit, also 2007 bis 2014 ihre ohnehin viel stärkeren Exporte in die USA leicht erhöht, von 364 Mrd $ auf 427 Mrd$.

Abseits vom Erdöl: Die USA fördern ihren Baumwollanbau und machen damit Konkurrenz aus Afrika unmöglich.  - Und das, obwohl in der Welthandelsorganisation vereinbart wurde, dass Industriestaaten ihre Förderungen reduzieren, um anderen Staaten Chancen für ihren Verkauf zu lassen. Für die afrikanischen Staaten südlich der Sahara zählt Baumwolle aber zu den wichtigsten Exportprodukten, mit Baumwolle könnten höhere Einnahmen erzielt werden. Da stimmt also noch etwas nicht an den unterschiedlichen Förderungen in den USA und Afrika.   

Und wer meint, China würde mit seinen gigantischen Investitionen jetzt Afrika retten, sei mal auf die starken Schwankungen verwiesen: schnell hochgezogene Firmen wurden auch schnell wieder geschlossen. 2015 hat China weniger aus Afrika importiert als 2010. So die vorläufige Analyse des Economist. Wie stabil die Aufwärtsbewegungen nun sind, ist fraglich.


Flüchtlinge abwerten, Migranten in einem Atemzug mit Extremisten nennen, und ein geradezu hysterisches Sicherheitsdenken, das glauben machen soll, wir bräuchten vor allem mehr Militär und Abwehr. Das sind Sackgassen österreichischer Politik angesichts internationaler Krisen. Es geht aber auch anders. Und das hat nichts mit naiver Schönfärberei zu tun, sondern mit ein paar wirtschaftlichen und menschlichen Überlegungen.

Hier ein paar Erzählungen und Thesen dazu, wies kommt, dass Menschen unfreiwillig nach Europa migrieren, und wie EU-Politik so gedreht werden könnte, dass ein Austausch in Wohlstand entsteht:

Text: Maria Reininger. Die ORF Ö1 Redakteurin, ist seit 30 Jahren mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik beschäftigt und anderem für die Initiative Jubilee 2000 mit dem Ökonimen Jeffrey Sachs.

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