Mehr als eine Million Mädchen werden weltweit im Sexgeschäft ausgebeutet

Der Weltmädchentag am 11. Oktober soll weltweit Mut machen, damit Mädchen Benachteiligungen, Diskriminierungen und geschlechtsspezifische Gewalt überwinden, mit denen sie in vielen Gesellschaften konfrontiert sind.

© Don Bosco Fambul

© Don Bosco Fambul

Die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt weist in diesem Zusammenhang auf schockierende neue Zahlen hin, die im September 2017 im Rahmen der UNO-Generalversammlung von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, der Walk Free Foundation und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) veröffentlicht wurden: Demnach waren im Jahr 2016 rund 40 Millionen Menschen von Formen "moderner Sklaverei" betroffen. 4,8 Millionen Personen (davon 99 Prozent Frauen und Mädchen) wurden im Sexgeschäft ausgebeutet, mindestens eine Million waren noch nicht einmal 18 Jahre alt. Die wirklichen Zahlen dürften noch viel höher liegen, denn die sexuelle Ausbeutung von Kindern spielt sich oft im Verborgenen ab. Besonders häufig landen minderjährige Mädchen in Asien und der Pazifikregion im Sexgeschäft (70 Prozent), gefolgt von Europa und Zentralasien (14 Prozent), Afrika (8 Prozent), Nord- und Südamerika (4 Prozent) und den Arabischen Staaten (1 Prozent).

Hilfe für die Straßenmädchen von Freetown
Die österreichische Hilfsoranisation Jugend Eine Welt unterstützt zahlreiche Don Bosco-Projekte, in denen Mädchen unterstützt werden, die von Prostitution, Ausbeutung und Menschenhandel bedroht sind. So in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. Bis zu 1.500 Mädchen arbeiten hier im Sexgewerbe, ihre Anzahl hat sich in Folge der Ebola-Epidemie stark erhöht. Die jüngsten sind erst neun Jahre alt, die Mehrzahl im Alter zwischen 10- 15 Jahren, berichtete Jugend Eine Welt-Projektpartner P. Jorge Crisafulli bei einem Wien-Besuch Anfang Oktober. „Es sind kleine Kinder, sie denken und fühlen wie Kinder... So etwas Furchtbares habe ich nie in meinem Leben gesehen. Die Mädchen werden benutzt wie etwas Lebloses, wie eine Wasserflasche, die man leert und dann wegwirft. Manchmal werden fünf oder sechs in Wohnungsbordellen zusammengesperrt und immer wieder vergewaltigt.“

Mädchenschutzhaus „plus“ und Reintegration in die Familie
Im Zeitraum Juli bis Anfang Oktober 2017 konnten 82 Mädchen von der Straße geholt werden. Im Don Bosco Mädchenschutzhaus erhalten sie medizinische Versorgung - so gut wie alle leiden an sexuell übertragbaren Krankheiten - und Schutz vor Zuhältern und Menschenhändlern. Langfristig untergebracht werden die wenigsten, Hauptziel ist es, die Kinder wieder in die eigenen Familien zurückzubringen. „Manchmal wollen die Eltern die Mädchen nicht zurücknehmen, dann fragen wir bei anderen Verwandten nach. 95 Prozent der Großeltern sagen ja, eigentlich fast alle!“, freut sich Pater Jorge. Die Familien werden über einen längeren Zeitraum beobachtet und begleitet. Die Mädchen erhalten die Möglichkeit, zur Schule zu gehen und eine Berufsausbildung zu machen.

Manche schaffen sogar den Sprung zur Hochschulbildung, wie die 20-jährige Ebele, die jahrelang von ihrem Vater missbraucht wurde, als Prostituierte arbeitete und jetzt Sozialarbeit studiert. P. Crisafulli: „Sie hat mir gesagt: ´Das beste, was Don Bosco für mich getan hat, war nicht, dass ich mein Trauma überwinden konnte, sondern dass ich die Chance erhalten habe, auf eine weiterführende Schule zu gehen. Sie können sich nicht vorstellen, wie viel es mir bedeutet, dass ich jetzt philosophische Bücher lesen kann!“

Quelle: Aussendung Jugend Eine Welt, 10. Oktober 2017

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