Von fairen Handelsbeziehungen sind wir nun weit entfernt!

Geschichten und Gedanken zum Thema Flucht und Migration von Maria Reininger, ORF Ö1 Redakteurin

Ein großes Problem sind immer noch die Zölle, die Afrikaner zahlen müssen, wenn sie verarbeitete Produkte nach Europa liefern wollen - also Kleidung statt Baumwolle, Ananas-Marmelade statt Ananas  und - nahezu utopisch für afrikanische Exporteure -  Maschinen statt mineralische Rohstoffe .

Einfach nur gepflückte Kaffeebohnen dürfen ohne Gebühren raus aus Afrika nach Europa, aber schon der Export von gerösteten Kaffeebohnen in die EU kostet afrikanische Röster einen Zoll von 7,5% des Verkaufs. Auf diese Weise hat Deutschland 2014 mehr am Kaffee verdient als die afrikanischen Staaten gemeinsam: die afrikanischen Staaten zusammen haben knapp 2.4 Milliarden Dollar für ihre exportierten Kaffeebohnen bekommen, Deutschland hat Kaffee geröstet und wieder exportiert und dafür 3.8 Milliarden Dollar verdient. Das schreibt der kenianische Experte für internationale Entwicklung, Calestous Juma. 

In afrikanischen Ländern können also viele Arbeitsplätze gar nicht entstehen, die es in Europa in der Lebensmittelindustrie, im Autobau usw.  gibt.

Zwar gibt es für die allerärmsten Länder Erleichterungen. Die EBA-Verträge, die den Import von everything but arms, alles außer Waffen ermöglichen sollen. Aber schon das nächste Modell von Handelsverträgen, die von der EU angepriesenen neuen Handelsverträge EPA, die mit ein paar afrikanischen Staaten schon abgeschlossen wurden, und in ein paar Jahren Zölle beseitigen sollen, bringen laut afrikanischen Ökonomen neue Schwierigkeiten: vor allem für die least developed countries, also die am wenigsten entwickelten Länder fällt Schutz weg, weil mit dieser Regelung die EU zu schnell ihre Produkte zollfrei in die afrikanischen Länder exportieren will, das heißt, bevor die Afrikaner ihre Industrien aufbauen können.

So argumentiert auch die Wirtschaftsexpertin Hafsat Abiola aus Nigeria: die kleinen und mittelgroßen Unternehmen Nigerias hätten gegen die Konkurrenz aus der EU keine Chance, EPA würde „unsere Märkte in eine Müllhalde für europäische Produkte machen“, so das harsche Urteil. So, wie die EPA-Handelsverträge konstruiert seien, würden sie vor allem kurzfristige Profite für europäische Konzerne und Beteiligungen für eine kleine afrikanische Elite bringen.

Deswegen legt sich Nigeria, die größte Wirtschaftsregion Westafrikas, quer gegen die EPA-Verträge.


Flüchtlinge abwerten, Migranten in einem Atemzug mit Extremisten nennen, und ein geradezu hysterisches Sicherheitsdenken, das glauben machen soll, wir bräuchten vor allem mehr Militär und Abwehr. Das sind Sackgassen österreichischer Politik angesichts internationaler Krisen. Es geht aber auch anders. Und das hat nichts mit naiver Schönfärberei zu tun, sondern mit ein paar wirtschaftlichen und menschlichen Überlegungen.

Hier ein paar Erzählungen und Thesen dazu, wies kommt, dass Menschen unfreiwillig nach Europa migrieren, und wie EU-Politik so gedreht werden könnte, dass ein Austausch in Wohlstand entsteht:

Text: Maria Reininger. Die ORF Ö1 Redakteurin, ist seit 30 Jahren mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik beschäftigt und anderem für die Initiative Jubilee 2000 mit dem Ökonimen Jeffrey Sachs.

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