Ärzte-"Braindrain" vom Süden in den Norden

In Washington D.C. gibt es mehr äthiopische Ärzte als in Äthiopien!

Bei der jährlichen Konferenz der British Medical Association Ende Juni in Manchester (UK), hat Dr. Victor Dedjoe (Ghanian Medical Association) die Problematik des Ärzteschwundes in seinem Heimatland erläutert. Obwohl Ghana mehr als 7 Millionen US$ im Jahr für die Ausbildung von medizinischem Personal ausgibt, hat das Land (Bevölkerung: 20 Millionen) momentan nur 1500 Ärzte, d.h. nur 7,5 Ärzte pro 100.000 Einwohner! (Vergleichsweise hatte Österreich 1993 nicht weniger als 327 Ärzte pro 100.000 Einwohner.) Ghana ist leider nicht das einzige Opfer des Phänomens "Ärzteschwund", es gibt z.B. mehr beninische Ärzte in Frankreich als in Benin selbst. In Washington D.C. gibt es mehr äthiopische Ärzte als in Äthiopien! Zwischen 1988 und 2001 sind ein Drittel der äthiopischen Ärzte ausgewandert.

Ein Arzt kostet US$ 184.000.- In den reichen Ländern sehen die Behörden keinen Grund das Braindrain zu stoppen - sie ersparen sich damit die extrem hohen Ausbildungskosten von ca. US$ 184.000.- pro Arzt. Aber in den armen Ländern des Südens gibt es fast kein medizinisches Personal mehr, den extrem belasteten Gesundheitssystemen droht der Zusammenbruch. In Großbritannien das 30fache verdienen Dr. Dedjoe hat vorgeschlagen, dass sich die reichen Länder um ihre eigenen Gesundheitssysteme kümmern sollen, um sicher zu gehen, dass sie genügend medizinisches Personal haben, anstatt sich auf Einwanderer zu verlassen. Die Lage in den armen Ländern muss aber auch verbessert werden. Obwohl Ärzte und Krankenschwestern für ihre Jobs im Ausland oft überqualifiziert sind (z.B. als Pfleger im Altersheim), verdienen sie ein Vielfaches von dem, was sie jemals zu Hause hätten verdienen können. Wenn eine Stationsschwester aus Kenia die Möglichkeit hat, als Pflegerin in einem Altersheim in Großbritannien das 30fache zu verdienen, dann kann sie niemand davon abhalten, ihre Familie auf diese Weise zu ernähren.

Korruption schwächt Gesundheitssysteme Dazu kommt in vielen Entwicklungsländern das Problem der Nichtbezahlung von Gehältern des medizinischen Personals. Weil Ärzte und Krankenschwestern oft monatelang nicht bezahlt werden, sind sie auf Geld aus anderen Quellen angewiesen, was häufig zum Verkauf von Medikamenten oder zur Einhebung von Extragebühren führt. Eine Studie in Uganda zeigte, dass 76% aller Medikamente einer staatlichen Klinik auf dem Privatmarkt (Schwarzmarkt) gehandelt wurden. Diese Art von "Korruption" führt dazu, dass immer weniger Spender Spitäler und deren Personal unterstützen wollen und die Abwanderung von Ärzten in den reichen Norden nimmt weiter zu. Beitrag von Clair Firth, MSc, 12. Juli 2005 Quellen: New Internationalist: http://www.newint.org BBC News Online: http://news.bbc.co.uk The Economist: http://www.economist.com The World Guide 2001/2002 - New Internationalist Publications Ltd.

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