gefördert durch Österreichische Entwicklungszusammenarbeit

Weltmusik-Tipps September 2010 .........................................................................................................................................

Various Artists: Funkhaus Europa/WRD presents „Sounds from Globalistan Vol. 1“ by Johannes Heretsch aka DJ Globalution

DoCD
Lolas World Records
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Bei „Sounds from Globalistan“ handelt es sich um eine Kompilation, die durch das imaginäre, musikalische Weltreich „Globalistan“ von Johannes Heretsch führt. Wer sich durch beide CDs gehört hat, wird allerdings wenig Verlangen verspüren, sich noch einmal dorthin zu begeben, geschweige denn, dieses Reich weiter zu empfehlen. Der Grund für liegt auf der Hand: „Globalistan“ hat gerade mal eine wirkliche Attraktion (Sa DingDing auf CD 2). Alle weiteren 30 Tracks sind gerade mal von durchschnittlicher bis unterdurchschnittlicher Qualität. Dabei handelt es sich nicht mal um KünstlerInnen, die per se schlecht wären. Aber es ist die Auswahl Heretsch', die so überhaupt keine Freude aufkommen lässt. Von Goran Bregovic, Tango Negro Trio, Justin Adams, Jorge Ben Jor oder Nusrath Fateh Ali Khan könnte man weiß-Gott-wie wunderbare Songs versammeln, aber Johannes Heretsch greift jeweils zielsicher in die unteren Schubladen. Bei Goran Bregovic ist das etwa eine Koop mit Shantel (!), beim wunderbaren Nusrath, der uns ein Universum an genialer Musik hinterlassen hat, ein fader Dancefloor mit dem Elektroniker Gaudi. Justin Adams und Juldeh Cameras CD „Tell no lies“ war zwar nicht das Gelbe vom weltmusikalischem Ei, dennoch versammeln sie darauf durchaus einige sehr interessante Songs. Das für „Globalistan“ ausgewählte brachial-seichte „Banjul Girl“ gehört nun aber wirklich nicht dazu. Ähnliches gilt für das herrlichen Tango Negro Trio oder Jorge Ben.

Warum also die vielen Worte, werden Sie sich denken? Schlechte Sampler gibt’s zu Hauf und natürlich auch im Weltmusikbereich. - Das wirklich Ärgerliche an der Sache ist, dass Johannes Heretsch seit ziemlich vielen Jahren in diesem Bereich tätig ist. Und als Radio-Moderator hat er Zugang zu Musik, von der Sie als KonsumentInnen nicht einmal träumen. Und trotzdem bietet er Ihnen diese Ansammlung drittklassigen Materials kaltschnäuzig zum Kauf an, angepriesen als quasi das Beste, das
Sie aktuell in dieser Sparte finden könnten. Warum? - Das wissen wir nicht. Aber es gefällt uns nicht.

Autor: Thomas Divis
 

Puerto Plata: Casita de Campo

iASO Records/out|here records
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1923 – Sie erinnern sich? - Sergej Eisensteins „Pankerkreuzer Potemkin“ erscheint, Sigmund Freud veröffentlicht „Das Ich und das Es“, Winifred Wagner verknallt sich heftig in den „Großen Anstreicher“ aus Braunau und in Puerto Plata in Mittelamerika flutscht Jose Cobles aus dem mütterlichen Bauch. Mit 27 wird er nach dem Namen seines Heimatortes benannt werden und weiter 60 Jahre später, wir schreiben mittlerweile das Jahr 2010 und Puerto Plata ist 86, sollten Sie sich seine neueste CD zulegen (wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen). „Casita de Campo“ ist quasi „Buena Vista“ auf dominikanisch. Gegeben wird charmantes bis heißes Liedgut aus der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts. Sänger Puerto Plata legt sich mächtig ins Zeug und schmeichelt in seinen Boleros und Sons den „Dolores“ und „Herminias“, als wäre die Zeit stehen geblieben. Ganz besonders lässt sein weiches Timbre immer wieder aufhorchen. Von der Begleitcombo lassen vor allem die beiden Lead-Gitarristen aufhorchen, ganz voran der Altmeister der dominikanischen Gitarre Edilio Paredes. Bei seinen Einsätzen muss alle Nostalgie einer fesselnden, heißen Gegenwart weichen, die keinen Platz für Gedanken an gestern oder morgen mehr lässt. (Sollten iASO Records jetzt daran denken noch eine Solo-CD von Paredes nachzulegen – wir werden bestimmt nichts dagegen haben.)
Aufgenommen wurde diese entzückende CD übrigens live in New York.

Autor: Thomas Divis
 

Tori Trio: Our Day- Najin Dan

Izk, Vertrieb: Extraplatte
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Das Tori Trio bezeichnet sich selbst gerne als Alpen-Balkan-Groove Trio. Und der Slowene Juri Tori als self styled Punk Akkordeonist. Das internationale Trio inkludiert weiters die österreichische Jazz-Kontrabass Legende Ewald Oberleitner und den aus Bangalore stammenden Perkussionisten Ganesh Anandan. Das klingt schon sehr spannend und ist es auch. Slowenischer Folk, virtuoser Jazz und die Rhythmik des Subkontinents verschmelzen hier zu einem überaus interessanten, aufregenden Ganzen. Aufgenommen wurde live im Kulturni zavod Creinativa in Kranj, Slowenien.

Autor: Werner Leiss
 

Nifty's: Naftularasa

Cracked Anegg Records
*** + 1/2

Das oberösterreichische Quintett „Nifty's“ ist nicht unbedingt leicht einzuordnen – und das ist prinzipiell schon mal ziemlich sympathisch. In ihrer Instrumentalmusik reihen sich zu ganz grundsätzlichen Klezmerklängen, Rock- und Jazzelemente. Auf dieser Basis assoziieren die „Nifty's“ recht frei auf ihren Instrumenten. „Psycho-Klezmer“ mag da eine durchaus treffende Benennung dieser Musik sein. Herrlich erfrischende Brachial-Parts in „Octopussicat“ legen das nahe, aber auch das ziemlich witzige „Slow Farmer“ und der wirr-antreibende Titeltrack „Naftularasa“. Von der Endlichkeit alles Seins werden die Fünf dann allerdings ab dem zweiten Drittel der CD eingeholt, denn die letzten drei Songs wirken leider etwas unausgegoren. Da scheinen die Ideen ausgegangen zu sein und es wird eher aus den vorhergegangenen Liedern reproduziert als kreativ gearbeitet. Naja, so ist das mit dem Himmel und den Genies... – Aber „Nifty's“ haben uns bereits eine sehr geniale CD beschert und sie legen hier mit „Naftularasa“ nochmals eine Visitenkarte ab, die man sich durchaus merken bzw. anhören sollte.

Autor: Thomas Divis
 

Various Artists: Bachata Roja – Acoustic Bachata From The Cabaret Era

iASO Records/out|here records
**** + 1/2

Mit der lateinamerikanischen Musik ist das ein bisserl so wie mit einem drei-bzw. Vierblättrigen Kleeblatt. Dreiblättrige Salsa- oder brasilianische Elektronik-CDs ist an allen Wegen zu finden und interessiert kaum. Die spannenden vierblättrige akustischen Cumbia-, Merengue- oder Bachata-Aufnahmen, die musst Du mit der Lupe suchen. Für den Fall, dass Sie beim Suchen von Glücksklee genauso erfolgreich, sprich erfolglos sein sollten, wie der Autor hier, darf ich Sie mit dieser CD-Empfehlung trösten. Schenkt man dem Pressetext Glauben, so handelt es sich hierbei um den ersten Sampler mit klassischer Bachata aus der Dominikanischen Republik überhaupt. Das Kennzeichen der Bachata ist ein besonders akzentuierender Gitarrenstil, der aus der Vermischung verschiedener Musikrichtungen von Bolero über Son bis zur mexikanischen Ranchera entstand. Sie entstand in den frühen 60ern und existiert auch heute noch als oftmals technoid verseuchte TouristInnenfalle. Diese wird auf vorliegender CD dankenswerter Weise nicht ediert, sondern es handelt es sich hier um „alte“ akustische Bachata-Highlights aus den 60er bis 80er Jahren. Nur zu oft sind das lebensfrohe, volksnahe Lieder mit entzückenden Melodien, die mit einem leichten nostalgischen Schauer abseits aller Politik genossen werden wollen.


Autor: Thomas Divis
 

Putumayo Kids presents Rock & Roll Playground

Putumayo/Vertrieb: Hoanzl
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Die wichtigste Eigenschaft einer Kinder-CD ist ihre Eltern-Kind-Kompatibilität. Ist die nicht gegeben, dann stehen die Chancen auf einen häuslichen Unfrieden recht gut. Da ist natürlich auch das bekopfhörerte Juniorwischerhaupt keine Lösung, denn die vorprogrammierten Hörschwächen könnten sich früher als erwartet einstellen. Etwa schon beim nächsten Zu-Bett-gehen-müssen. Die Kinder-Reihe des Putumayo-Labels hat nun, sehr findig, die Ausgelassenheit des 50er-Jahre-Rock'n'Roll verwendet um oben genannte Eltern-Kind-Kompatibilität zu erreichen. Und das Konzept geht wunderbar auf: Eltern dürfen hier wieder ein bisserl Kind sein und die Minis dürfen den Duft der großen, weiten Welt der Erwachsenen schnuppern. Musikalisch wird weitgehend sehr solides Rock'n'Roll-Handwerk geboten. Thematisch reicht das von aufgeweckten „Let's shake“ und „Jump up“ bis zu „Sleep the whole day through“ und letztendlich „Dream big!“. Dazwischen tummeln sich ansprechende aufgenommenen Klassiker wie „Willie and the Hand Jive“, „Oh Susanna“ und der „Magic Carpet Ride“. Allein mit knapp 33 Minuten fällt die Spieldauer allerdings reichlich knapp aus.

Autor: Thomas Divis
 

Luísa Maita: Lero-Lero

Cumbancha, Vertrieb: Hoanzl
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Luísa Maita aus São Paulo hat einen Vater, der einst in den 70ern ein Album veröffentlicht und alle seine drei Töchter nach Liedern von Antonio Carlos Jobim benannt hat. Aufgewachsen ist sie in Bexiga, einer Arbeitergegend mit vornehmlich italienischen und arabischen Emigranten und auch Menschen, die aus dem Nordosten Brasiliens zugezogen sind. Ein Mix, der zumindest musikalisch nicht sonderlich auf diese Produktion abgefärbt ist. Auf diesem Album wird freilich auch Samba und Bossa Nova nicht wirklich neu erfunden. Aber Fans von Bebel Gilberto, Céu oder auch Seu Jorge werden an diesem Album eine große Freude haben. Luísa Maita kann als weiteres feines Talent aus dieser Ecke bezeichnet werden.

Autor: Werner Leiss
 

Hugh! - The Best of Hugh Masekela

Presented by Till Brönner
DoCD
Verve/UniversalMusic
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Herrn Masekela, den berühmten Jazz-Musiker aus Südafrika, brauchen wir unseren LeserInnen nicht näher vorstellen. Sein groovender Gesang und sein feiner, oft weicher Ansatz an Flügelhorn und Trompete sind Legende und seine Mischung aus traditionellen Rhythmen mit nordamerikanischen Soul-Jazz erkennt man unter 1000en Songs heraus. Mit einer „The Best of Hugh Masekela“-CD kann man daher kaum falsch liegen. Dennoch schafft Till Brönner, seines Zeichens deutscher Jazz-Trompeter, dieses Kunststück fast. Während die HörerInnen mit gut einer CD-Länge (vornehmlich mit CD1) ihre große Freude haben werden, sind weitere 60 Minuten allerdings äußerst entbehrlich. Zum einen wird dort von Brönner ab und an auf Material zurückgegriffen, das äußerst unangenehm in den gängigen Arrangements der damaligen Zeit verhaftet ist (z. B. „Lobo“ mit Herb Alpert). Weiters gibt’s aus der Heimwerker-Ecke fast eine halbe Stunde lang DJ-Remixes; dies eine Unsitte, bei der sich jeweils die Langweile ein Rennen mit der ursprünglichen musikalischen Qualität liefert, welches letztere regelmäßig verliert. Was wir Till Brönner allerdings nicht verzeihen wollen, dass ist sein Duo „Win the World“ mit Masekela, aufgenommen anlässlich der Fussball-WM 2010 in Südafrika (und festgehalten auf einer „Best of Hugh Masekela“-CD!). Nur bei denjenigen, die bereits bei „We are the World/we are the people“ das Radio weiterlaufen ließen, nur bei denen darf eine potentielle Symphatie für diesen Song vermutet werden.

Autor: Thomas Divis
 

Ben Sidran: Dylan Different

Bonsai Music/Harmonia Mundi
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Es geht doch nichts über eine gute Coverversion. Aber gut gespielt sind diese Dinger gar nicht so leicht zu finden. Zumal natürlich besonders gerne die großen Hits gecovert werden, die jederman kennt und die deswegen so bekannt sind, weil sie etwas ganz Unverkennbares haben. Da ist Scheitern oft geradezu vorprogrammiert. Wenn es aber wer schafft, dieses magische Etwas durch sein eigenes zu ergänzen oder zu ersetzen, dann ist Sonnenschein in der Musikabteilung angesagt. So einen Sonnenscheineffekt darf man Ben Sidran über weite Strecken seiner jazzigen Hommage „Dylan Different“ bescheinigen. Das beginnt bereits bei der Auswahl des Eingangstracks „Everything is broken“, einem fatalistischen Song, den niemand zum Dylan-Mainstream zählen wird, der aber durchaus in jedem gut geführten Haushalt zu finden sein sollte. Es folgen „Highway 61 Revisited“, „Tangled up in blue“ und das pulsierende „Gotta serve somebody“. Dabei legt Sidran seine Interpretationen in einem oberflächlich ruhigen Bar-Jazz-Stil an, die ihren Reiz durch geschickte Akzentuierungen entfachen. Der „Ballad of a Thin man“ wird so ihre Spröde genommen, ohne dass sie an Schärfe verlieren würde. Eine Acid-Jazz-Version gibts von „Subterranean Homesick Blues“. Ganz besonders gelungen sind die Covers zu „All I really wanna do“ und „Blowing in the Wind“. Ersteres firmiert hier zu einem breit angelegten Talking-Soul und „Blowing in the Wind“ wird schlicht zu nachdrücklichen Pianoakkorden erzählt.
Doch neben dem Sonnenschein gibt’s auf „Dylan Different“ doch auch einige graue Wolken, die mitunter ergiebige in den Regionen um „Maggies Farm“ und dem „Heavens Door“ abregnen. Statt Rebellion ist hier auf Maggies Farm endloses Lamentieren angesagt (gähn!) und Billy the Kid könnte mit diesem Requiem hier wohl auch eher schlecht als recht in Frieden ruhen.
Anyway, „Dylan Different“ ist exakt das, was der Titel verspricht und darf durchaus empfohlen werden.
Lesen Sie zum Schluss noch diese kurze, intelligente Analyse zur Wirkung Bob Dylans von Ben Sidran selbst:
„Es ist schier unmöglich zu verstehen, wie wichtig Bob Dylan für uns in den Vereinigten Staaten zwischen 1961 und 1967 war, wenn man nicht selbst dort war. Er kam wie aus dem Nichts, sprach ganz real über magische Dinge. Der Fakt, dass er all dies sagte und tat, führte dazu, dass es für den Rest von uns in Ordnung schien, zu versuchen, es auch zu sein. Er war im Alleingang dafür verantwortlich, dass tausende Menschen anfingen Songs zu schreiben. Und wenn man jetzt noch die ganzen Menschen dazurechnet, die von diesen Menschen beeinflusst wurden – man könnte dann sagen, dass Bob Dylan heute wie ein Virus ist, der überall in der populären Musik existiert.“

Autor: Thomas Divis
 

V.M Bhatt & Matt Malley: Sleepless Nights

World Village, Vertrieb: Harmonia Mundi
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Visha Mohan Bhatt. einst Schüler von Ravi Shankar, hatte neben verschiedenen Projekten mit klassischer indischer Musik, stets auch ein offenes Ohr für eine Erweitung seines musikalischen Spektrums. Bereits 1994 gewann er zusammen mit Ry Cooder mit „By The River“ den Grammy Award für das beste World Music- Album. Sein Instrument nennt er Mohan Veena, eine modifizierte Slidegitarre. Der Kalifornier Matt Malley ist Rockfans als Gründungsmitglied der Gruppe Counting Crows bekannt. Wie schon dort, spielt der langjährige Indienfan auch auf diesen Aufnahmen Bass und zusätzlich Keyboards. Ergänzt wird das Zusammenspiel der beiden durch Subhen Chatterjee an Tabla und Percussion. Ein rundum gelungenes Fusion-Projekt.

Autor: Werner Leiss
 

Various Artists: Echte Übersee Records Vol. 4

Übersee Records
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Bereits drei Mal durften wir unsere LeserInnen, durchaus angetan, auf die Verlagssampler aus dem Hause Übersee aufmerksam machen. Nun, bei Nummero vier, sind wir allerdings etwas verhalten: zu beliebig fällt diesmal die Auswahl der Songs aus. Der pulsierend, aggressiv-lebensfrohe Ska-Punk wird über weite Strecken verdrängt von zweit- bis drittklassigen Songs. Das trifft übrigens auch auf so illustre Namen wie „Panteon Rococo“, „La Papa Verde“ oder Karamelo Santo“ zu. Zwar heißt das nicht, dass nicht auch ein paar besonders feine Lieder zu finden wären, zum Beispiel Material von „Radio Ska“ aus Brasilien oder von „Carmina Burana“ aus Argentinien, die hier mit einem wirklich feinem, stark kolumbianisch inspirierten Song vertreten sind. Unterm Strich muss man den „Echte Übersee Records Vol. 4“ allerdings ein deutliches Mittelmaß attestieren. Daran ändert übrigens auch die Tatsache nichts, dass bei Volume 4 vermehrt europäische Ska-Bands berücksichtigt wurden.

PS.:
Sehr auffällig übrigens, wie wenig Frauen bei zeitgenössischen Ska-Bands in Erscheinung treten. Auf keinem der vier Übersee-Sampler gibt es beispielsweise eine weibliche Leadstimme. Außer in ein paar (sehr) verstreuten Nummern sind mir Frauen in dem Genre noch nicht aufgefallen; für zweckdienliche Hinweise sind wir dankbar!

Autor: Thomas Divis
 

Putumayo presents Tribute to a Reggae Legend

Putumayo/Vertrieb: Hoanzl
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Mit Reggae ist das nicht viel anders als mit Blues: das Ding ist schnell mal gespielt, macht live ebenso schnell nette Stimmung, aber die wirklich guten Gruppen musst Du mit der Lupe suchen – beim Reggae noch viel mehr als beim Blues. Ausdruck dafür ist zum Beispiel, das es im Reggae seit Jahrzehnten niemanden gelang dem Marley Bob auch nur annähernd das Wasser zu reichen. (Der war aber auch wirklich gut.) Wenn der Titel der neuen Putumayo CD also „Tribute to a Reggae Legend“ heißt, dann kann damit also nur Marley gemeint sein. 12 seiner Songs werden hier von KünstlerInnen aus Ghana, Hawaii, Brasilien, USA, Südafrika, Sierra Leone und Canada gecovert. Meist kommen sie allerdings über einen matten Abklatsch des Originals nicht hinaus. Viel zu brav, ehrfürchtig, aber auch ideenlos begegnet man hier Marleys Songs. Allein Céu und Freshleyground zeigen etwas Experiementierfreudigkeit, wenn sie „Concrete the Jungle“ und „Waiting in Vain“ mit brazilianischer Elektronik bzw. Country-Elementen zu unterheben versuchen. Dabei gebe es gerade an Marley-Covers genug interessantes Material, etwa die voriges Jahr veröffentlichte 10minütige Afrobeat-Version von „Get up, stand up“ von Kaleta & Zozo Afrobeat aus Nigeria auf Rough Guide. Aus Brasilien gibt’s von Gilberto Gil eine wunderbare, alte Live-Version von „No woman, no Cry“ („Nao chore mais“). Und das Haus Putumayo selbst brachte eben diesen Song vor sieben Jahren auf der CD „Cover the World“ in einer so ungemein schönen Fassung der Japanerinnen „Nenes“ heraus, das es mir auch heute noch bei jedem Anhören den Atem verschlägt. Diese drei Beispiele nur mal schnell so aus dem Ärmel geschüttelt. Den EditorInnen von „Tribute to a Reggae Legend“ darf man also wahrlich keinen übertriebenen Eifer unterstellen.

Autor: Thomas Divis
 

Weltmusik-Tipp Juli/August 2010 ......................................................................................................................................

Rabih Abou-Khalil: Selection

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Enja, Vertrieb: Edel

Ein kleiner Überblick für Einsteiger, über das Schaffen des im Libanon geborenen, aber bereits seit 1978 in Europa lebenden Komponisten und Oud- Spielers. Die Aufnahmen sind zwischen 1990 und 2007 entstanden und stammen allesamt aus Alben, die in dieser Zeit auf dem Label Enja erschienen sind. Sie zeigen einen Ausschnitt seines breiten Spektrums zwischen orentalischer und westlicher Musik. „Arabian Waltz“ aus dem gleichnamigen Album von 1996 ist mit dem Balanescu String Quartet entstanden. Er arbeitete auch immer wieder mit Jazzmusikern wie Joachim Kühn und Kenny Wheeler zusammen. Der im Vorjahr verstorbene Alt-Saxophonist Charlie Mariano ist auf drei Stücken zu hören, die von den Alben „The Sultan´s Picnic“ und „Blue Camel“ stammen. Auf „Serenade To A Mule“ ist Rabih Abou-Khalil dann auch Solo mit seiner Oud zu hören.

Autor: Werner Leiss
 

Kapelush: Kapelush

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Extraplatte

Kapelush, eigentlich Kapelusz ist polnisch und heißt Hut. Und sowieso darf jetzt natürlich allerlei damit assoziiert werden. Aber kein alter Hut. Denn Kapelush sind ein noch junges, neugegründetes Trio. Maciej Golebiowski spielt Bassklarinette, Jörg Reissner Gitarre und Roman Britschgi Kontrabass. Also gut, was zaubern sie aus dem Hut, was bringen sie unter einen Hut? Einmal eigene Kompositionen in Richtung Contemporary Klezmer und Balkan Jazz mit einem gerüttelt Maß Improvisation. Aber auch sehr interessante Bearbeitungen von Friedrich Hollaenders „Ich Weiß Nicht Zu Wem Ich Gehöre“ und Gustav Mahlers „Zwei Blaue Augen“ aus den „Lieder Eines Fahrenden Gesellen“. Das klingt alles schon sehr eigenständig.


Autor: Werner Leiss
 

Pristup: Pa(ra)nnonien

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Groove Records, Bezug: Crackshop.at

Das Anliegen der Gruppe Pristup ist es, pannonisches Flair mit der Musik der Großstadt, sei es Belgrad, Zagreb, Wien oder Budapest, zu vereinen. Sie begreifen Pannonien als ein Lebensgefühl, bestehend nicht nur aus Sonne, Wein und gutem Essen, sondern vor allem auch als ein Kunterbunt aus verschiedenen Sprachen und Kulturen. Christian Bakanić stammt aus Jennersdorf im Südburgenland und ist heute einer der herausragenden Akkordeonisten Österreichs. Vladimir Blum ist ein Wiener aus Belgrad und an der Gitarre in verschiedenen musikalischen Stilen zuhause. Hannes Laszakovits wurde in Wien als burgenländischer Kroate mit ungarischen Wurzeln geboren. Er spielt Kontrabass. Gemeinsam zeigen sie hier ihren Zugang (kroatisch/serbisch: Pristup) zu sehr unterschiedlicher Musik, die aus Volksliedern, Eigenkompositionen und auch einer Bearbeitung der Burgenländischen Landeshymne besteht.

Autor: Werner Leiss
 

Die Freakshow: Mirsaindo

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ATS Records, Vertrieb: Extraplatte

Dieses Ensemble wurde vor sechs Jahren von Wolfgang Peer, Stefan Preyer und Walter Singer im Umfeld der Tiroler Alpen gegründet. Die wahre Freakshow offenbart sich auf ihren Konzerten, wenn kleine Bären mit der Fähigkeit zu jodeln auftreten, sonstiges Spielzeug als Instrumente verwendet werden, Gäste eingeladen werden, die auf der Bühne Schnitzel oder Knödel essen und vieles mehr. Auf dem Tonträger geht es durchaus ernsthaft zu. Er inkludiert Kompositionen für ein Akkordeon und zwei Kontrabässen, Stimmen und Geräuschen, die mitunter auch ins südliche Amerika entführen. Als Gastsängerin ist Gina Duenas zu hören Einmal wird recht streng musiziert, dann mehr improvisiert und auch mit Klangflächen experimentiert.

Autor: Werner Leiss

Weltmusik-Tipps Juni 2010 ................................................................................................................................................

Carmen Consoli: Elletra

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Wrasse, Vertrieb: Harmonia Mundi

Von Carmen Consoli existiert der Mitschnitt eines Konzerts aus dem Amphitheater von Taormina. Wer oben am Berg in der Altstadt steht, kann in der Ferne im Dunst Catania ausmachen, das Industriezentrum Siziliens. Ebendort wurde Carmen Consoli geboren, die in Italien, trotz oder gerade auch wegen ihrer kritischen, unbequemen Texte große Popularität besitzt. Das neue Album setzt sich mit den Gedankenwelten und Schicksalen von zehn verschiedenen Frauen auseinander. Die Stimme ist rauchig, das hat praktisch immer was. Die Musik bedient sich teilweise traditioneller Versatzstücke, ist allerdings nicht immer frei von kommerziellen Effekten. Man merkt schon, dass hier teilweise auch auf Charts- Tauglichkeit hin produziert worden ist, obwohl das alles natürlich gar nichts mit Eros Ramazzotti zu tun hat.

Autor: Werner Leiss
 

Die Chiller: Volxmusikrevolution

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Eiffelbaum, Vertrieb: Hoanzl

Die Chiller, einstmals hießen sie die Chillertaler. Aber so dürfen sie sich nicht mehr nennen. Auch arm, wenn schon so was verboten wird. Aber kein Wunder in dieser wunderbaren Welt. Sie wollen gerne eine Volxmusikrevolution machen. Leider nerven sie dabei. Weil sie alles spielen. Sie spielen Funk, sie machen einen auf Willi Resetarits oder austropopen vor sich hin. Bitte liebe Chiller, weniger kann mehr sein, dann wird das was. Wie wär’s vielleicht mit einem fetzigen Ska-Album? Oder spielts irgendwo im Wirtshaus solche Lieder wie „ Franz Bleib Do“, aber in der bodenständigen Variante, die nach zweieinhalb Minuten beginnt, ohne dieser Einleitung! Dann trinken wir vielleicht noch ein Bier oder irgendwas, schunkeln und bleiben tatsächlich noch a wengl do.

Autor: Werner Leiss
 

Ganes: Rai De Sorëdl

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Blanko Musik, Sony

Bekannt waren sie bisher durch ihr mitwirken auf Alben und Tourneen von Hubert von Goisern. Marlene Schuen spielt als Geigerin und Sängerin seit 2002 in der Goisern-Band. Maria Moling und Elisabeth Schuen stießen später als Backgroundsängerinnen dazu. Moling spielt auch Percussion, Elisabeth Schuen spielt wie ihre Schwester auch Geige. Sie kommen aus La Val in Südtirol. Auf der monatelangen Tourneereise auf der Donau war viel Zeit, sie probten, schrieben Songs. Entstanden ist ein recht flockig, popiges Album mit der Besonderheit, dass hier durchwegs Ladinisch gesungen wird, in Solostrophen und in dreistimmigem Harmoniegesang.

Autor: Werner Leiss
 

Zur Wachauerin: In Meina Wöd

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ORF

Michael Bruckner-Weinhuber und Fabian Pollack spielen Gitarre, sie sind auch durch andere Projekte, insbesondere durch die innovative Klezmerband Nifty´s bekannt. Alle Texte stammen von Wolfgang Kühn. Er singt sie nicht, er spricht sie. Dazu einfach die zwei Gitarren, das war’s. Die neue CD, die dritte seit 2003, nimmt sich thematisch der Sagen, Mythen und Legenden der Region an. Da gibt es den Simon Handl, eine wahre Geschichte um 1528. Er wurde angeblich von seiner Frau regelmäßig so übel zugerichtet, dass daraus das sprichwörtliche „Simandl“ wurde. Meist komponierte die Musik Michael Bruckner-Weinhuber, hier steuerte sie Hansi Hölzl bei, einst hieß das Lied „Jeanny“. Oder „Die Sieben Hasen“, die hoch oben auf der Pfarrkirche von St. Michael bei Weißenkirchen thronen. Wie sind sie da raufgekommen? „Gstaundana Waldviertler ist ein Klassiker im Repertoire, der sich mit dem 70er Jahre Autoaufkleber „A Woidviertler- Drei Leit“ kritisch, aber herzlich auseinandersetzt. Zur Wachauerin sind gehätschelte Liebkinder der Kulturszene und werden als Hoffnungsträger der neuen österreichischen Volksmusik vermarktet. Trotzdem sind sie irgendwie auch Punk auf hohem Niveau und ziemlicher Underground.

Autor: Werner Leiss
 

Weltmusik-Tipps Mai 2010 ..............................................................................................................................................

Cristina Braga: Harpa Bossa

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Enja, Vertrieb: Edel

Sowohl im klassischen Bereich als auch im Rahmen der MPB gilt die Brasilianerin als eine der führenden Harfenistinnen Südamerikas. Cristina Braga ist Mitglied des Sinfonieorchesters in Rio und tritt regelmäßig auch in Europa, den USA und Japan auf. Sie wirkt auf Alben von Marisa Monte, Lenine und vielen anderen Bekannten der Szene mit. Auf ihrer neuen CD lässt sich nun beispielsweise hören, wie bezaubernd „The Girl From Ipanema“ mit Harfeninstrumentierung und Flügelhorn klingen kann. Außerdem verfügt sie auch über eine ganz wunderbar dazu passende Stimme.

Autor: Werner Leiss
 

Lakis Jordanopoulos trifft Loukia Agapiou - Sterne des Südens

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Extraplatte

Es ist freilich nicht das erste Mal, dass sich Lakis Jordanopoulos und Loukia Agapiou treffen.
Der Gründer und Bandleader der Gruppe Lakis und Achwach und die zypriotische Sängerin verbindet eine lange Bekanntschaft. Bereits Anfang der 90er Jahre war Loukia Agapiou
auf dem Album „Xenos“ zu hören. Jahre später sangen sie das Lied „Isos“ auf der CD „Pirates“ gemeinsam. In der Zwischenzeit hatte sich die Sängerin mit ihrem ersten Soloalbum „Die durchsichtige Seele“ einen Namen gemacht. Jetzt gibt es endlich eine ganze, gemeinsame CD von den Beiden. Es sind „verlorene“ Lieder, die Lakis Jordanopoulos beim Umziehen auf dem Dachboden in einem verstaubten Koffer wiedergefunden hat. Texte und Notizen mit Akkorden von mehr als 30 Liedern aus der ersten Zeit in Wien, die gegen das Heimweh eingesetzt und gesammelt worden sind. Es waren Lieder hauptsächlich von Manos Hatzidakis, Dionisis Savopoulos und Mikis Theodorakis. Einige sind nun hier zu hören. Bei der musikalischen Umsetzung haben Antonis Vounelakos an der Gitarre und Herwig Thöni am Kontrabass einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Autor: Werner Leiss
 

Laura & The Comrats: Creating Memories

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Lindo Records, Vertrieb: Hoanzl

Schon seit einigen Jahren sind sie ein Fixstern in Wiens Songwriterszene: Die aus Amstetten stammende Laura Rafetseder und ihre Band Laura & The Comrats. „Creating Memories“ ist nun ihr Debütalbum. Lauras Band besteht aus Marc Bruckner ( Drums, Cajon, Harp), Michael Huber (Gitarre, Mandoline) und Martin Mixan (Kontrabass). Als Gastmusiker treten Stephan „Stoney“ Steiner an der Violine und Gernot Feldner am Piano in Erscheinung, die alles Andere als Unbekannte in der Wiener Folkszene sind. Zu Lauras musikalischen Einflüssen zählen Joni Mitchell, Sandy Denny und Jackson Browne, aber auch die Beatles, die sie von klein auf begleiten, sowie auch noch eine Reihe anderer Bands, die ihren Höhepunkt in den 1960er Jahren hatten. So bewegt sich der Sound auch folgerichtig zwischen Folk und Akustikrock. Stimmlich wird die Sängerin des Öfteren mit Natalie Merchant verglichen. Verglichen, aber nicht verwechselt. Dazu darf ihr bereits genug Eigenständigkeit zugebilligt werden. Laura Rafetseder ist seit jeher von den Widersprüchen des Lebens fasziniert. „Die Stärke in der Schwäche, das Böse im Guten, die Melancholie in der Freude und die Freude in der Melancholie“. In einem Song, in „Vast Gigantic Sea“ geht es auch um die Unmöglichkeit, einen Moment festzuhalten. Das ist natürlich richtig, das geht nicht. Die CD des Öfteren einlegen hingegen schon. Denn die kann sich allemal immer wieder hören lassen und reiht sich nahtlos zu anderen gelungenen Produktionen österreichischer Singer- Songwriterinnen wie Lonely Drifter Karen ein.


Autor: Werner Leiss

 


Weltmusik-Tipps April 2010

Cibelle: Las Venus Resort Palace Hotel

***1/2
Crammed, Vertrieb: Lotus

Cibelle, geboren in São Paulo, lebt in London und wird dort auch als Tropical-Punk etikettiert. Sie selbst versteht sich als Multimedia Performance Künstlerin. Ihre Stimme war bereits 1999auf „São Paulo Confessions“ zu hören, dem einzigen und längst legendären Album, das der aus Serbien stammende und zuletzt in Brasilien lebende Musiker und Produzent Suba in seinem kurzen Leben unter diesem Namen veröffentliche und auf dem MPB mit Elektronik verschmolzen wurde. Ihr drittes Solo-Album beginnt mit Vogelgezwitscher und dann geht auch gleich recht bombastisch die Welt unter. Aber nur fast, weil es folgt „Underneath The Mango Tree“, hübsch traditionell schunkelnd, ohne elektronische Spielereien. Das bleibt aber nicht so, das kommt dann schon noch. Auch Folk, Rock, MPB, Swing. Alles das. Insgesamt wird hier ein nicht uninteressantes, oft richtig charmantes Durcheinander geboten.

Autor: Werner Leiss

Django´s Spirit

A Tribute To Django Reinhardt
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Trikont, Vertrieb: Lotus

Am 23. Jänner jährte sich der Geburtstag Django Reinhardts zum hundertsten Mal. Wie weit sein Einfluss und der von Gypsy-Swing oder Jazz Manouche bis heute reicht und in allen möglichen Varianten und in ganz unterschiedlichem Kontext funktioniert, zeigt diese Kompilation. Wie immer bei Trikont, wird hier nicht irgendetwas lieblos zusammengeschustert, sondern Wert auf Qualität gelegt. Um die Zusammenstellung kümmerte sich Susie Reinhardt, die irgendwie mit ihm verwandt ist. Zu entdecken gibt es auch einige exotische Beiträge, wie jenen aus Japan von Café Manouche. Ein gutes Beispiel, wie sich sein musikalischer Einfluss selbst mit HipHop verbinden lässt, liefern Gipsy.cz aus Tschechien. Aber natürlich wurden hier auch Namen, die ohnehin zu erwarten waren, wie Dotschy Reinhardt, das Titi Winterstein Quartett und Coco Schumann, berücksichtigt.

Autor: Werner Leiss

Balkan Beat Box

Blue Eyed Black Boy
***1/2
Crammed, Vertrieb: Lotus

Dies ist nun das dritte Album der Balkan Beat Box. Es ist zwar richtig, dass Tel Aviv ihre Heimatstadt ist, die Mitglieder treiben sich aber gerne überall auf der Welt herum. Und das ist grundsätzlich immer auch musikalisch zu verstehen. Aufgenommen wurde diesmal in Wien, Belgrad und Tel Aviv. Ein wenig Zeit ist zu investieren, um in der gegenwärtigen Welt der Balkan Beat Box anzukommen. Nach einer Eingewöhnungsphase funktioniert die Mischung aus Dub, Dancehall, HipHop und Balkan mit selbstverständlich jeder Menge Dance-Beats dann aber doch ziemlich gut.

Autor: Werner Leiss

Alex Miksch: Straße Des Hundes

****
Extraplatte

Der Sänger, Gitarrist und Liederschreiber ist jenseits seiner engeren Heimat kaum bekannt. Vielleicht kennen ihn ja manche von damals. Damals, das waren die neunziger Jahre, als er als Gitarrist und Songschreiber mit der Kremser Prog-Metal Band Faust regionale Erfolge feierte. Ein anschließendes Projekt in Los Angeles endete jedoch im finanziellen Desaster. Aber das ist Jahre her und heut ist heut. Und da ist dann auch nichts mehr mit Metal, da singt Alex Miksch mit brachialer Wucht „A Gegend Wia A Kölla“ und erinnert damit gar nicht unangenehm an Tom Waits. Waren auf der vorhergehenden CD „König Der Kröten“ noch Fremdkompositionen von Bob Dylan und eben Tom Waits zu finden, stammen die Lieder diesmal nun alle von ihm selber bzw. Andrea Peregrini. Und da gibt es zwischendurch auch humorvolles, leichtes wie „Lady Banane“. Das durchgehend hochwertige Liedmaterial wird zusätzlich durch den Einsatz von Instrumenten wie Cello und Mandoline aufgewertet. Eine ziemlich bluesige Angelegenheit mit hohem Potenzial und guten Texten.

Autor: Werner Leiss

Weltmusik-Tipps März 2010

Reckless Kelly: Somewhere In Time

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Blue Rose, Vertrieb: Hoanzl

Die aus Austin kommende Band Reckless Kelly ist gar nicht neu. Bereits acht Alben wurden veröffentlicht. Freilich kennt sie hier kaum ein Mensch. Mit der Veröffentlichung auf dem deutschen Label Blue Rose könnte sich das nun geringfügig ändern. Und schon praktisch überhaupt niemand kennt hierzulande Pinto Bennett. Dieser alte Herr mit weißem Vollbart ist eine Underground-Americana Legende aus Idaho und war einst Boss der Famous Motel Cowboys, eine der einflussreichsten Bands aus dieser Ecke. Von dort stammt auch die Familie Braun. Und Willy Braun spielt hier Gitarre und singt, sein Bruder Cody kennt sich mit Fiedel und Mandoline ziemlich gut aus. Das Songmaterial ihres neuen Albums stammt aber samt und sonders vom alten Herrn, ihrem großen Vorbild. Und saugut ist es! Das ist eine Band, die einerseits ihren Hang zu Roots-Rock lebt, andererseits souverän den Spagat schafft und einen wunderbaren Beitrag zur Weiterentwicklung von seriösen Country-Spielarten liefert. Mit Beiträgen des populären Pedal Steel-Gitarristen Lloyd Maines und illustren Duett- Sängern: Noch eine Legende, nämlich Joe Ely, der ein großer Fan der Band ist, und Pinto Bennett selbst.

Autor: Werner Leiss

Crazy Heart: Original Motion Picture Soundtrack

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New West, Vertrieb: Hoanzl

Der reine Kult ist seine Rolle als “Dude“ in dem Film “The Big Lebowski“ von Joel Coen. Filme wurden auch sonst mit seiner Beteiligung seit 1969 genug gedreht. Einen Oscar hat Jeff Bridges bislang aber noch nicht bekommen. Für “Crazy Heart“ bekam er unlängst den Golden Globe für seine Rolle als Bad Blake. Kurz gesagt geht es um einen abgehalfterten, dem Whisky in rauen Mengen zusprechenden, etwa 60jährigen Country-Sänger, der von Auftritt zu Auftritt tingelt und dem ansonsten alles ziemlich egal ist. Eine weit jüngere Reporterin lernt er bei allem Fatalismus freilich aber dann trotzdem näher kennen. Übergeordnet geht es allerdings um Grundsätzliches. Denn da gibt es ja auch noch den Country-Superstar Tommy Sweet, der die Massen mit seinem ekligen Mainstream-Gesülze zu begeistern vermag. Ein schlimmes, allseits bekanntes Phänomen, dem leider gerade auch dieses Genre keineswegs entkommen konnte. Der Film läuft beim Schreiben dieser Zeilen noch nicht in den österreichischen Kinos, ein Termin war auch nicht auszumachen. Aber da gibt es ja immerhin den Soundtrack. Und auf dem beweist Jeff Bridges, dass er auch als Musiker durchaus Karriere hätte machen können und seine Stimme auch beim Singen überaus interessant klingt. Auf sechs Songs ist sie zu hören. Überhaupt kann sich die Auswahl der sonstigen Interpretinnen und Interpreten sowie auch die Songauswahl des von T Bone Burnett und Stephen Bruton produzierten Albums sehen lassen. Buck Owens ist mit “Hello Trouble“zu hören, das war 1964. Noch weiter in der Zeit zurück liegen The Louvin Brothers mit “My Baby´s Gone“, einem alten 50er Country-Hadern. Die Country-Legende Waylon Jennings fehlt hier auch nicht und singt “Are You Sure Hank Done It This Way“. Townes Van Zandt ist mit “If I Needed You“ vertreten und Sam Phillips singt einmal mehr ganz wunderschön “Reflecting Light“. Auch auf Blues wurde nicht gänzlich verzichtet: Lightnin´ Hopkins interpretiert “Once A Gambler“. Einen schönen Abschluss gibt es mit der Titelmelodie des Films: “The Weary Kind“ von Ryan Bingham, einem hoffnungsvollen Newcomer. Der Soundtrack beweist erfolgreich: Es gab und gibt auch hier ein erfolgreiches Leben abseits der klebrigen Schnulze.

Autor: Werner Leiss

Mariza: Terra Em Concerto

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Vertrieb: EMI

Fado (portugiesisch für Schicksal) hat viele Gesichter und eine lange Geschichte. Und die in Mosambik geborene und in Lissabon aufgewachsene Sängerin ist ein leuchtender Fixstern dieses Genres. Ihr Name fügt sich mittlerweile nahtlos in die Reihe wirklich großer, legendärer Interpretinnen wie Amália Rodrigues ein. Hier ist eine DVD mit Konzertaufnahmen ihrer erfolgreichen „Terra Em Concerto“-Tour, die sie auf vier Kontinente führt und dieses Jahr in Europa fortgesetzt wird (14.03. 2010 Wien). Zu hören sind 15 Lieder mit bemerkenswer anspruchsvollen Facetten, sowohl den Gesang als auch die Instrumentierung betreffend..
Zusätzlich inkludiert die DVD eine etwa einstündige englischsprachige BBC Dokumentation, in der auch Mariza erzählt, hauptsächlich aber einen durchaus lohnenswerten, kritischen Abriss über die Geschichte des Fado bietet. Mit historischem Filmmaterial und auch aktueller Lissabonner Stadtimpressionen samt der berühmten gelben Straßenbahn.

Autor: Werner Leiss

Weltmusik-Tipps Februar 2010

KZ Musik, CD 1 - 12

Encyclopedia of Music composed in Concentration Camps (1933 – 1945) herausgegeben von Francesco Lotoro
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Membran Music

Nach wie vor ist zu wenig bekannt, welch eine wichtige Stellung Musik im Alltag vieler Menschen in Konzentrationslagern hatte: in vielen KZs gab es Lagerkapellen, die verschiedene Funktionen innehatten. Sie mussten zur Verhöhnung der Inhaftierten aufspielen, sie sollten Repräsentationsarbeit leisten, sie waren zur Unterhaltung der Wachmannschaft angehalten oder mussten „Kulturveranstaltungen“ für ihre Kameraden und Kameradinnen absolvieren.

Susan McKeown & Lorin Sklamberg: Saints & Tzadiks

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World Village, Vertrieb: Harmonia Mundi

Einen Grammy heimsten die beiden ja schon für das exzellente Klezmatics- Album „Wonder Wheel“ mit Vertonungen von Texten aus der Feder Woody Guthries ein. Auf ihrem neuen gemeinsamen Werk finden sich nun überwiegend sowohl traditionelle jiddische als auch irische Lieder. Beim jiddischen Teil handelt es sich um rares Material aus den Ruth Rubin Archiven. Der irische Teil besteht überwiegend aus traditionellen und auch populären Liedern, die hauptsächlich gälisch gesungen werden. Das musikalische Programm präsentiert sich trotz seiner Unterschiede und Vielfalt insgesamt erstaunlich geschlossen. Die Sprachen und Traditionen alternieren dabei mühelos. Enthalten ist eine faszinierende Mischung aus traditionellem gälischen Sean- Nós- Gesang (ein anspruchsvoller Gesangsstil ohne Begleitung), jiddischem Varieté aus der Tradition des frühen 20. Jahrhunderts und auch argentinischem Tango. Der Kontrast zwischen Susan McKeowns Alt-Stimme und Lorin Sklambergs Tenor ist ein weiterer wesentlicher und beeindruckender Aspekt des Albums. Susan McKeown spielt Bodhran, Lorin Sklamberg Akkordeon und Piano. Eine Reihe weiterer exquisiter Musiker haben mit ihrer Flexibilität vornehmlich auf Gitarren, Violine und Bass zum Gelingen dieses außergewöhnlichen Projekts beigetragen.

Autor: Werner Leiss

World Ballads:

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Network, Vertrieb: Lotus

Rechtzeitig haben sich die Leute bei Network an ihr 30 Jahre Jubiläum erinnert. 1979 gegründet, erschienen im April 1980 die ersten Medienpakete im Karton mit 1- 2 Cassetten und einem Begleitbüchlein. Was später ein zentraler Bestandteil werden sollte, spielte zu Beginn allerdings eine noch untergeordnete Rolle. Als ein Projekt der Gegenöffentlichkeit konzipiert, bestand das Programm am Anfang nur zu einem kleinen Teil aus Musik aus anderen Kulturen. Die Themen richteten sich vielmehr auf damalige gesellschaftliche Konfliktfelder wie Atomkraft und Startbahn West. In Zusammenarbeit mit dem WDR entstand dann die Reihe „World Network“. Eine anfangs durchnummerierte und heute liebenswürdig antiquiert wirkende Nischen-Reihe aus den frühen „World Music“- Tagen. Die Entdeckung der hochformatigen Präsentation mit umfangreichem Begleitheft bei Anthologien war dann bereits ein großer Erfolg, wie beispielsweise die drei Doppel- CDs „Desert Blues“ beweisen, die zu zeitlosen Bestsellern wurden. Neuestes Hochformat ist nun „World Ballads“, das in die ruhigeren Oasen des Programms einführen möchte. Ausgewählt wurden zur Kontemplation einladende, tiefsinnige Stücke von Georgia Dagaki, Bratsch, Giora Feidmann, Djivan Gasparyan oder Youssou N´Dour. Anders gedacht sind zwei weitere CDs, die ebenfalls im Zuge des Jubiläums auf dem neuen Sublabel Silvermoon veröffentlicht wurden und hier ebenfalls Erwähnung finden sollen. „Fiesta Balkanica“ und „Fiesta Tropical“ sind Kompilationen auf je einer CD, die aus dem temporeicheren Repertoire des Programms ausgewählt wurden und insofern als Partytauglicher durchgehen. Das Sandy Lopicic Orkestar etwa, oder auch Gypsy- Queen Esma Redžepova begegnen sich beim Balkan, in den tropischen Gefilden tummeln sich das Septeto Nacional, das Sexteto Mayor oder Jimmy Cliff. Eine ganz gute Auswahl zum Kennenlernen. Für Kundige des Network- Programms findet sich aber halt nichts Neues. Die sind ja aber ohnehin schon gespannt auf die kommenden Projekte und Veröffentlichungen des nach wie vor überaus engagierten Labels.

Autor. Werner Leiss

Das war Glatt & Verkehrt 2009

„Small is beautiful“ ist ein Konzept, das heuer bei vielen Konzerten des Glatt & Verkehrt-Festivals in Krems aufgegangen ist. Da waren zum Beispiel die Akkordeonistin Maria Kalaniemi und der Bassist Pekka Lehti, die mit ihrem stillen Können ein Universum zauberten, das seinesgleichen sucht.

Weltmusik-Tipps Dezember2008/Jänner 2009

Bela Fleck & The Flecktones: Jingle All The Way

Rounder; Vertrieb: Universal Music
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Wenn’s um Weihnachten geht sind Geschmacklosigkeiten aller Art nie weit. Das das nicht so sein muss exerziert Bela Fleck, Banjo-Virtuose aus Ami-Land (NYC) auf „Jingle All The Way“ exemplarisch vor. Den Rhythmus z. B. für den Eingangstrack „Jingle Bells“ etwa gibt ein bekanntes mongolisches Pferde- und Kamel-Galopp-Motiv. Dazu eingestreut ein paar Banjo-Sprengsel und den Gesang übernehmen Oberton-Stimmen aus Tuva. Unter diesem gewitzten Interpretationen finden sich auch solche von „Stille Nacht, heilige Nacht“, „Ich will nur zu Ehren leben“ aus dem Bachschen Weihnachtsoratorium oder die „Lucy & Linus-Theme“ der Trickfilmreihe „Peanuts“. „Jingle All The Way” endet dann überraschend, aber absolut gelungen, mit einer (Fast-Solo-)Banjo-Version von Joni Mitchells berührendem Song „River“, dass wir Ihnen auch in der Originalvesion an Herz legen dürfen. Tatkräftige Unterstützung erhalten Bela Fleck und seine Flecktones übrigens vom Klezmer- & Bluegrass-Musiker Andy Statman (Klarinette und Mandoline), der erst jüngst durch Österreich getourt ist.

Hörbeispiele gibt's hier.

Luis Frank Y Su Tradicional Habana: Christmas in Cuba

Jazzclub; Vertrieb: Universal Music
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Schon mehr „Au!” als „Mau…“ ist das Weihnachtsalbum von Luis Frank, das er freilich schon 1998/99 eingespielt hat. Wohlgesonnene Geister möge hier neu aufgelegten Album Kuriositätswert abgewinnen, wenn Sie „Süßer die Glocken klingen“, „Oh Tannenbaum“, „Leise rieselt der Schnee“, „Jingle Bells“ oder „Last Christmas“ kubanisch gewandet vorfinden – ein Effekt der sich allerdings bald erschöpft. „Christmas in Cuba” wurde durch und durch kommerziell produziert und ist obendrein wenig einfallsreich. Die zwei Songs auf denen die tiefe Stimme des deutschen Schlagersternchens Roberto Blanco erklingt dürfen getrost übersprungen werden.

Hörbeispiele gibt's hier.

Putumayo presents A Jazz & Blues Christmas

Putumayo; Vertrieb: Hoanzl
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A Swining Christmas garantiert Ihnen die Weihnachts-CD von Putumayo. Da greift etwa B. B. King in die feiertäglichen Saiten oder es schlägt Ramsey Lewis auf die grün-roten Tasten. Zu hören gibt es vor allem Big Band Blues, etwas Jazz und eine keck groovende Version vom Red Nosed Rudolph, gesungen vom einzigartigen Ray Charles. Eine nette Alternative zu den bekannten Weihnachts-CDs. Allerdings fiel der Sampler mit knapp einer halben Stunde Spielzeit mehr als knapp aus.

Hörbeispiele gibts unter diesem Link.

Weltmusik-Tipps November 2008

Moussu T e lei jovents: Home, sweet home

Wrasse; Vertrieb: Harmonia Mundi
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Ein neues, besonders nettes Album der freundlichen Musiker von Moussu T e lei jovents aus Marseille. Das bekannte, weltoffene, akustische good-time Songwriting der Vorgängeralben wird hier konsequent fortgesetzt. Somit wieder eine kleine Sonnenstrahlen-CD for the sunny, manchmal auch for the funny side of life - allerdings durchaus keine oberflächliche Arbeit.

Hörbeispiele gibt's hier.

Troica: Dor

ORF
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Das Trio Troica ist der aktuelle Inhaber des Austrian World Music Award. Tonangebend ist Sängerin Claudia Cervenca die mit dem Aufbruch Rumäniens in den Kapitalismus 1989 das Land Richtung Österreich verließ. Wie so oft wuchs dort, in dieser Situation der Distanz, ein Interesse an den eigenen Wurzeln. Wenn das Ausgangsprodukt dieser CD auch zumeist Traditionelles Liedgut aus Rumänien ist, so trägt das Endprodukt doch unüberhörbar die Handschrift der Gruppe. Stimme, Bass und Schlagwerk kommunizieren in sehr freier Improvisation. Im Zentrum klar die magische Stimme Claudia Cervencas in der man nur all zu oft Echos sibirischer Musik zu hören vermeint. Mitunter wurden die perkussiven Geräuschkulissen etwas zu dick aufgetragen, auf diesem insgesamt sehr spannenden Album.

Hörbeispiele gibt's hier.


A Filetta: Bracana

DEDA, Vertrieb: Harmonia Mundi
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A Filetta bedeutet auf korsisch „Farn“. Damit spielt die 1978 von Lehrern und Schäfern gegründete a-capella-Gruppe nicht nur auf ihren filigranen Gesang an, sondern auch auf ihr Verhaftet-sein in der Tradition der korsischen Polyphonie (der Farn ist ja auch ein besonders hartnäckiger Flachwurzler). Zusätzliche Inspiration schöpfen A Filetta aus georgischem Gesang. Dazu Jean-Claude Acquaviva: „Sie (die georgische Musik) hat uns beigebracht kräftig mit Sanftheit und sanft mit kraft zu singen.“ Diese kräftige Sanftheit mindert denn auch den herben, oft fast blökenden traditionellen korsischen Gesang und ebenet so den Weg für dieses meditative, über weite Strecken liturgisch inspirierte Album.

www.afiletta.com

Elisa Vellia: Ahnaria

Le Chant Du Monde, Harmonia Mundi
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Die griechisch-stämmige Bretonin Elisa Vellia ist Harfinistin und Sängerin. Mit ihrem neuen Album „Ahnaria” stellt sie sich klar in die Tradition des griechischen Kunstliedes, nicht ohne ab und an keltische Sprengsel einzuflechten. Die Instrumentation erfolgt weitgehend durch gebräuchliche Instrumente des Mediterraneums, wobei die weiche Stimme und das Harfenspiel Elisa Vellia plus Precussions klar im Zentrum dieses extrem ruhigen Albums stehen. Musik mit Tiefgang, ohne schwer zu sein.

Hörbeispiele gibt's hier.

Vulcan Ensemble: Gypsy Verve – Live in concert

Pläne; Vertrieb: Extraplatte
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Das Vulcan Ensemble besteht aus Top-MusikstudentInnen der Jerusalemer Academy of Music & Dance der Studienrichtung Balkan & Gypsy. Wenn vorliegende Aufnahmen eines Konzertmitschnitts als „Gygsy Verve“ bezeichnet werde ist das insofern irreführend, als es sich hier zum größten Teil um traditionelle Musik aus ost- und Südosteuropa handelt. Erklärtes Ziel des musikalischen Leiters war es dabei klassische Arrangements auf diese Art von Musik anzuwenden. Das verwirklichte er mit seinem 16köpfigen Ensemble – allerdings nur zu oft auf Kosten der Lebendigkeit der Musik, blieb doch innerhalb der peniblen, orchestralen Strukturierung kaum Platz für Improvisation.

Hörproben gibt's hier.

Mariza: Terra

EMI
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Nun lassen Sie sich mal vom Cover der neuen CD von Mariza nicht beirren, das die große portugiesische Sängerin abbildet, als wäre sie gerade einem Casting zum „Herr der Ringe“ entsprungen. „Terra“ heißt das neue Werk und soll darauf hinweisen, dass Mariza ihre Nase, respektive Stimme, diesmal über die Grenzen Portugals steckt bzw. erhebt. Daher gibt es neben Fados auch Songwriting, Jazz und Latin- bzw. Flamenco-Klänge, die sie auf Ihre unverkennbare Art zu singen weiß. Höhepunkt diese erstklassigen Albums die Morna „Beija de Saudade“ bei der auch die faszinierende Reibeisenstimme von Tito Paris von den Kap Verden zu hören ist.

Hörproben gibt's hier.

Luis Frank Arias & Guillermo Rubalcaba: Noches Cubanas en el Café del Mar

Connector Records; Vertrieb: Extraplatte
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Dieses herrliche Herbst-Album kommt aus Kuba. Sehr ruhig und romantisch, wenn die Tasten von den routinierten Fingern des Maestro Rubalcaba, seines Zeichens einer der Mitbegründer des legendären Buena Vista Social Clubs, bewegt werden. Begleitet wird von ihm der inzwischen nicht minder berühmte junge Sänger Luis Frank Arias, der unter anderem Leadsänger der Gruppe "Sierra Maestra" war und auch bei den „Cuban All Stars“ mitwirkte. Die beiden traten eine Woche lang im „Cafe del Mare“ mit herzerwärmenden Songs wie „Veinte annos“ und „Silencio“ oder dem Jazz-Standard „Autmn Leaves“ auf. Der Erfolg war dabei so groß, dass man mit diesem Material anschließend gleich ins Studio ging. Elegante Wehmut, die keine große Orchestrierung braucht um sich zu entfalten.

MoZuluArt: Live in Hernals

Universal Music
DVD
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Bereits 2006 machten wir Sie auf die Arbeit von MoZuluArt aufmerksam. Jetzt gibt es auch eine Live-DVD, die unter der Regie von Lukas Beck entstanden ist und ein Konzert im Wiener Metropol festhält. Der warme (Zulu-)Gesang der drei Herren aus Zimbabwe und das gefühlvolle Spiel von Roland Guggenbichler am Klavier werden hier um das Arrangement des Amassade String Quartets erweitert. Die unaufdringlichen Streicher unterlegen die samtige Musik von MoZuluArt wunderbar und rücken sie durchaus in die Nähe der berühmten “Pieces of Africa”, diesem Klassiker der Weltmusik vom Kronos Quartett aus dem Jahre 1992. Das Repertoire der CD wurde bei diesem Konzert um einige neue Songs erweitert und die Musik aus Zimbabwe dominiert diesen Abend weitgehend. Das ist gut so und nicht weniger gut war es, das dieser Abend als Film festgehalten wurde – sehr gut sogar.

www.mozuluart.at

Georg Siegl/Doris Windhager/Adula Ibn Quadr: Beim Stromwirt

Theodor Kramer – Lieder nach seinen Texten
Extraplatte
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Eine geniale Idee war es von Georg Siegl Gedichte von Theodor Kramer (1897 – 1958) als Wienerlieder zu vertonen. Theodor Kramer war ein, der Arbeiterbewegung nahe stehender österreichischer Dichter jüdischer Herkunft, der heute leider nicht mehr allzu bekannt ist. An ihn zu erinnern ist allemal ein Verdienst. Balladeske Sozialstudien, Gedichte von Liebe und Trennung und natürlich Gereimtes zum Wein bilden die Kramersche Basis zu Siegls Arbeit. Diese genuin Wiener Gedichte geben dieser Liedform eine Tiefe, die sie üblicherweise nicht erreicht. Selbst wenn vom Wein die Rede ist geht es bei Kramer um weit mehr als um die sattsam bekannte und zelebrierte Verherrlichung des Saufens:

Draußen vor Strebersdorf

Draußen vor Streberdorf ist nun der Wein
ausgesteckt; ´s muß nicht stets Grinzinger sein.
Mögen in Scharen sie hügelwärts ziehn,
uns bringt ins Flachland das Lastauto hin.
Felder um Felder zerbröckelt der Sand,
Kukuruz raschelt im nackerten Land.
Bring uns vom Heurigen, Wirt, einen Krug;
Schenke, für uns bist du nobel genug.
Drüben vom Bisamberg kommt es schon frisch.
Was ihr mir mitbrachtet, legt´s auf den Tisch,
Kaiserfleisch, Käs, dass ich´s allen zerschnitz;
trinkt keinen Rausch euch an, nur einen Spitz.
Hinter uns Floridsdorf, drüben die Au;
Bisamberg, trink mit uns, billig mach´s, schau,
Arbeiter sind wir, bescheidene Leut,
müssen, Herr Vetter, noch heimfahren heut.


Unterstützt wird Georg Siegl, der Gitarre spielt und singt von Doris Windhager, die ebenfalls singt (und vor allem durch ihre Arbeit mit Roland Neuwirth bekannt ist). Dritter im Bunde ist Adula Ibn Quadr, der mit seinem Spiel auf Bratsche und Geige diese Arbeit veredelt.

Eine Hörprobe gibt's hier.

Link zur Theodor Kramer Gesellschaft


Natacha Atlas: Ana Hina

Iris Music; Vertrieb: Harmonia Mundi
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Mit „Ana Hina“ verfolgt Natacha Atlas konsequent ihren Weg, den sie bereits vor zwei Jahren mit „Mish Maoul“ eingeschlagen hat. Galt ihr Interesse damals besonders populärer Musik aus Ägypten, so erweitert sie diesmal das Spektrum um den Nahen Osten und wieder gibt’s, neben ein paar Eigenkompositionen, arabische Schlager aus dem 20sten Jahrhundert. Ebenfalls wieder mit dabei ist der hervorragende Akkordeonist Gamal Al Kordy – sein Spiel ist ein Ohrenschmaus! Die Stärken Natacha Atlas’ liegen vor allem in der Interpretation energiereicher, Rhythmusbetonter Songs, was sie hier mit ihrer erneuten Einspielung von „Hayati Inta“ unterstreicht. War die alte Fassung von „Mish Maoul“ in einem Berber-Stil gehalten, so gibt es nun eine, nicht minder gelungene Big Band Version. Allerdings sind diese Art Lieder auf „Ana Hina“ rare Ware. Erwähnt sei noch das hervorragende Ensemble, das Natascha Atlas begleitet und klar in einer anderen Liga spielt, als die Sängerin selbst.

Hörbeispiele gibt's hier.


Habib Yammine: Thuayya - Pleiades

Le Chant Du Monde; Vertrieb: Harmonia Mundi
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Habib Yammine, Musikwissenschaftler und Musiker, ist Spezialist für arabische Rhythmen. Auf seiner aktuellen CD widmet er sich besonders dem libanesischen Zagal. Das Zagal ist eine Lied- und Gedichtform des arabisch-spanischen Mittelalters. Yammine, der hier Rahmentrommel als auch Beckentrommel spielt, ahmt dabei das Zagal auf seinen Instrumenten nach, d. h. im Grunde spielt er reine „Percussion-Gedichte“. Dementsprechend ist die CD fast zur Gänze ein Instrumental-Album. Eine faszinierende Rhythmusreise, die natürlich ihr ganz besonderes Publikum sucht.

Hörbeispiele gibt's hier.

Bob Dylan: Tell Tale Signs

Rare and unrealeased 1989 – 2006 ; The Bootleg Series Vol. 8
Columbia; Vertrieb: Sony/BMG
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No. 1 der auf drei angelegten CDs des achten Teils der bekanntermaßen großartig edierten Bootleg-Series von Bob Dylan. Sie umfasst die Zeit ab dem „Oh Mercy“-Album bis zu „Modern Times“ von ’06. Eine Zeit also, in der Dylan zu einem neuen Sound fand, der gekennzeichnet ist von seinem dunklen, kehligen Gesang und einer starken Durchsetzung der Musik mit Blues-, Bluesrock- und Rock’n’Roll-Elementen. Die Songs von „Tell Tale Signs“, alternative takes und Unveröffentlichtes, sind derart gehaltvoll, dass das Album ohne weiteres als neues Best-of-Album durchgehen könnten. Höhepunkt die als schwere Rocknummer gebrachte Live-Version von „High Water“. Mit diesem Song, gewidmet dem guten, alten Charlie Patton, seines Zeichens Deltablues-Legende aus den 1930ern, brechen Dylan & Band tatsächlich wie eine Naturgewalt über ihr Publikum herein.

Hörproben gibt's hier.


Chiwoniso: Rebel Woman

Chumancha; Vertrieb Hoanzl
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Geboren zwar in den USA ist Chiwoniso Maraive den Kulturen des südlichen Afrika, insbesondere denen von Zimbabwe, woher auch ihre Eltern stammen, sehr verbunden. TRatsächlich wird man beim Anhöre der Musik auf „Rebel Woman“ stets an die Songs von oliver Mtutzuki erinnert – ein zugegebener Maßen, nicht kleines Kompliment. Wenn die Sängerin und Mbiraspieler Chiwoniso selbst von einem inzwischen “reiferen und tiefgründigeren Sound” als auf ihrem ersten Album spricht, dann ist ihr durchaus beizupflichten - abgesehen von ein paar belanglosen Popliedchen, die ebenfalls auf „Rebel Woman“ zu hören sind. Auf alle Fälle ein Album in das Reinzuhören sich lohnt.

Hörbeispiele gibt's hier.

Buena Vista Social Club at Carnegie Hall

DoCD
World Circuit; Vertrieb: Lotus
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1997 erschienen die erste drei Buena Vista Alben, die die Protagonisten auf einen Schlag weltberühmt machten und ein bis heute anhaltendes Interesse an kubanischer Musik auslösten. Einer der Höhepunkte des frühen Buena Vista-Booms war das Konzert dieser VeteranInnen in der New Yorker Carnegie Hall. Zu hören Compay Segundo, Ruben Gonzales, Pio Leyva und Ibrahim Ferrer, alle vier mittlerweile verstorben, mit Omara Portuondo, Eliades Ochoa, Manuel Mirabal und viele andere, alle miteinander in Bestform, wie auch Ry Cooder. Fast 80 Minuten eloquenter Musik aus der kubanischen Vergangenheit, welche freilich auch auf nur einer CD Platz gefunden hätte.

Hörbeispiele gibt's hier.

OneWorldMusic - Unsere aktuelle Weltmusik-Empfehlung

CDs - Kurz&Gut vom Juni 2008
Hier finden Sie kleine Tipps zu aktuellen CDs, in die rein zu hören wir als durchaus sinnvoll erachten.

Manu Chao im Interview nach seinem Wien-Konzert

Am 1. November 2007 spielte Manu Chao, die Musik-Ikone der globalisierungskritischen Bewegung in der Wiener Stadthalle vor 13.000 tobenden Fans.

Vielleicht kann Ihre Lieblingsband zukünftig nicht mehr in Österreich auftreten

Mit der Fremdenrechtsnovelle vom 1.1.2006 wurden die Niederlassungsbewilligungen für in Österreich lebende KünstlerInnen, WissenschafterInnen und JournalistInnen (und nur für diese Berufsgruppen!) aus Drittländern aufgehoben - statt dessen gibt es prekäre, auf 1 Jahr befristete Aufenthaltsgenehmigungen.

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KlezMORE Festival Vienna

8.11. – 23.11. 2008

Über den Autor

Thomas Divis wurde in Graz geboren und lebt in Wien. Hauptberuflich

www.szenewienbleibt.at

In einer Nacht&Nebel-Aktion versucht man das Team des Kulturveranstalters Szene Wien zu demontieren. Das, obwohl sie hierzulande für eines der interessantesten Programme abseits vom Mainstream verantwortlich zeichnen. Auf http://www.szenewienbleibt.at werden ab sofort Protest-Unterschrift gegen dieses Vorgehen gesammelt.