OneWorldMusic - Unsere aktuelle Weltmusik-Empfehlung

CDs - Kurz&Gut vom Mai 2008
Hier finden Sie kleine Tipps zu aktuellen CDs, in die rein zu hören wir als durchaus sinnvoll erachten.

"Kurz & Gut" April 2008

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CDs - Kurz&Gut im April 2008
Hier finden Sie kleine Tipps zu aktuellen CDs,
in die rein zu hören wir als durchaus sinnvoll erachten.

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CDs - Kurz&Gut vom Juni 2008
Hier finden Sie kleine Tipps zu aktuellen CDs, in die rein zu hören wir als durchaus sinnvoll erachten.

"Kurz & Gut" Mai 2008

Ahallil de Gourara – Sacred songs from the Sahara

Various Artists; Institut du monde arabe; Vertrieb: Harmonia Mundi

Eine starke CD haben wir hier von der ethnographischen Front. Es handelt sich dabei um Ahallil-Musik aus dem Süden Algeriens. Eine der sozialen Funktionen von Ahallil ist die einer sozialen Erinnerung, nicht unähnlich dem Wirken von Griots in Westafrika. Auf der vorliegenden CD zu hören ist Musik mit rein religiösen Inhalten. Vorgetragen werden diese langen Trance-Gesänge hier nur von Männern, die sich den Job zwischen Vorsänger mit relativ schriller Stimme und einem getragen gehaltenen Chor in einem call/response-Muster teilen. Trotz extrem spartanischer Instrumentierung entsteht ein überaus intensives Hörerlebnis, wobei wir vor allem auf den zweiten Teil der CD hinweisen möchten, bei dessen Songs die zweisaitige „Gumbri“-Laute eine herausragende rhythmische Rolle spielt. Dazu Steine, die aneinander geschlagen werden und vor allem das Hände-Klatschen der Musiker.

Balkan Beats - Volume 3

Various Artists; Eastblok Music; Vertrieb: Lotus

Waren bereits die beiden Vorgängeralben erfreulich gut zusammen gestellte CDs mit unterschiedlichster Musik vom und zum Balkan, so darf man die neue „Balkan Beats - Volume 3“ dennoch die bislang interessanteste Veröffentlichung der Reihe nennen. Akustisch gespielte Romamusik reiht sich an, über weite Strecken gelungene elektronische Up-Dates. (Das diese Up-Dates was hergeben ist ja ausgesprochen unüblich und auch das erhebt diese CD über viele Balkan-Groove-Sampler). Mit dabei auch Altmeister Bregovic mit dem wohl fetzigsten Song seiner aktuellen CD Karmen „Gas Gas“. Einen wirklich unguten Beigeschmack gibt’s nur bei Shantels Bearbeitung des Songs „Disko“ vom Boban Markovic Orkestar. Tatsächlich verliert das Lied in der Nachbearbeitung nicht wenig an Qualität und man darf sich wundern, denn diese Bearbeitung entstand speziell für das vorliegende Album. Wir empfehlen Ihnen weiterhin das Original, zu hören auf der „Millenium“-CD, und einen möglichst großen Bogen um die Arbeiten von Herrn Shantel.

Ein paar Hörproben gibt’s hier!


Putumayo presents African Party

Various Artists; Putumayo; Vertrieb: Hoanzl

Eine durchaus nette Sache ist der neue Putumayo-Sampler „African Party“. Nett – nicht mehr und nicht weniger, handelt es sich bei den Liedern, die Sie hier hören können, doch durchgehend um Popsongs. Wer Lieder mit Tiefgang sucht ist damit, mit Ausnahme von Oliver Mtukudzis „Kunze Kwadoka“, schlecht bedient. – Wer aber leichte, unbeschwerte Musik für einen netten Abend will wird sich schnell mit dieser „African Party“ anfreunden.

Hörproben zu allen Songs


Rupa & The April Fishes: eXtraOrdinary rendition

Cumbancha; Vertrieb: Hoanzl

Diese CD dürfen wir unseren LeserInnen ganz besonders ans Herz legen: die Frau „Rupa“ ist in den Vereinigten Staaten, in Indien und in Frankreich aufgewachsen und lebt und ordiniert (sie ist Ärztin) in San Francisco, Zitat: „Eine Menge meiner Musik leitet sich aus den verletzlichen Begegnungen mit Leuten ab. Sich um Patienten zu kümmern ist Quelle der Inspiration für so viele Dinge, speziell für Musik.“ Ihre Band, „The April Fishes”, stetzt sich aus Cello, Akkordeon, Bass und Drums zusammen und gemeinsam schaffen sie Lieder, die zwischen Chansons, Salon-Tango, Walzer und diversen Latin-Rhythmen pendeln. Ich persönlich fand mich beim Anhören sehr stark an die Musik der Mexikanerin Lhasa erinnert, was, zugegebener Maßen, ein riesiges Kompliment ist. Nach einem starken Beginn mit einer Reihe wunderbarer Up-Tempo-Stücke wird das Album allerdings extrem ruhig und auch innerhalb der Stücke verliert sich die Spannung.

Amestoy Trio: Sport & Couture

Daqui; Vertrieb: Harmonia Mundi

Ein unglaublich nettes Album ist die neue CD „Sport & Couture“ vom Amestoy Trio aus Frankreich. Da gibt es eine Reihe zahlreicher wunderschöner Kleinode, die man so irgendwo zwischen der makellosen Schönheit von Pachelbels „Canon“, der melancholischen Schönheit von „Autumn Leaves“ und der schlichten Schönheit des alpinen „Schneewalzers“ ansiedeln kann. Über weite Strecken spielt das Amestoy Trio sehr zurückhaltend, unprätentiös, aber immer enorm ausdrucksstark, so zum Beispiel ihr Interpretation eines Swing-Walzers von Gus Viseur. Eine zweite Cover-Version auf „Sport & Couture“ ist das berühmte „Besame Mucho“ dass in Jazz-Manouche-Kreisen immer schon gerne gespielt wurde. Aber auch ein ungemein gefährlichen „Fantomas“-Song kommt vor, der mit seiner humorigen Dramatik an die berühmte „James-Band-Theme“ oder Pat Methenys „Pink Panther“ erinnert.

Zanzibara 1: Ikhwani Safaa Musical Club

1905 – 2005 / A hundred years of taarab in Zanzibar
Various Artists; Buda Musique; Vertrieb: Gramola

Das renommierte französische Label Buda Musique, das unseren LeserInnen vor allem durch die hervorragende Ethiopiques-Reihe bekannt sein dürfte, eröffnet mit „Zanzibara“ ein neues Projekt zur systematischen Erschließung ostafrikanischer Musik. „Zanzibara“ wird sich der Swahili-Musikkultur von den 1920 bis zur Gegenwart widmen. Der geographische Raum umschließt dabei in etwa die Küstengebiete von Kenia und Tansania und die vorgelagerten Inseln wie die Komoren und Sansibar. Wie sehr dieser Raum Brennpunkt arabischer, indischer und afrikanischer Kultur war und ist, ist sehr gut nachhörbar in den Aufnahmen des Ikhwani Safaa Musical Club. Dieser Musikverein ist inzwischen 103 Jahre alt und dürfte damit der älteste seiner Art in Afrika sein. Zu genießen sind auf vorliegender CD einige der bekanntesten Stimmen Sansibars, begleitet von großem Orchester, dass sein Vorbild in den ägyptischen Film-Orchestren hat, mit Oud, Violine, Zither, Akkordeon, Flöte, Gitarre, Keyboards, Gitarre, Bass und jeder Menge Percussion-Instrumente. Sehr schräg übrigens auch der Instrumental-Titel „Zinduna“, der ungemein an jenes griechische Lied erinnert, das im deutschen Sprachraum als „Ein Schiff wird kommen“ bekannt ist.

Eine, leider nur allzu kurze Hörprobe


Pays Antanosy - Saranda

Collection Ocora: Madagascar
Various Artists; Ocora; Vertrieb: Harmonia Mundi

Die „Collection Ocora“ von Radio France präsentiert bekanntermaßen nur ethnographische Aufnahmen aus aller Welt. Wirklich traditionelle Musik mag nicht jedermanns Geschmack sein, hier allerdings eine neue CD, die einen größeren Kreis von Musikinteressierten ansprechen könnte. Es handelt sich dabei um die Musik aus der Provinz Antanosy im Südosten Madagaskars. Die ProtagonistInnen sind dabei großteils weiblich, was sich dann auch in der Thematik der Lieder niederschlägt. Misshandlungen durch Männer werden ebenso besungen, wie Alkoholkonsum derselben, Kindererziehung oder Feldarbeit. Dabei zielt das Interesse der Singenden mehr darauf ab ein Ventil für ihre Emotionen zu finden, denn das Sujet in unserem Sinn künstlerisch „schön“ auszuarbeiten. Neben einer Reihe A-Capella-Songs gibt es auch bemerkenswerte Aufnahmen mit Lauten, Flöte, Violine und einem, wohl urtümlichen, Xylophon, für das ein Erdloch als Resonanzraum gegraben wird.

Black Heroes – From Stagger Lee to Joe Louis

Saga Blues 42
Various Artists; Saga; Vertrieb: Universal Music

Sehr findig waren die Herausgeber der Saga Blues Reihe auch bei CD Nummero 42 wieder: sie handelt von legendären Gestalten, die Eingang in Buessongs fanden. Oftmals waren das Balladen, die, in Bänkelsängermanier, einem analphabetischen Publikum vorgesungen worden waren. Das Leben böser Buben wie Stack O’Lee, John Hardy oder Jesse James wird dabei ebenso abgehandelt wie die Taten des Railroad-Workoholics John Henry, des Lokomotivführers Kassie Johns oder des Boxers Joe Louis, dem z. B. Memphis Minnie in aggressiv gesungener Weise huldigt. Fast alle Gestalten werden mit mehr als einem Song (und ausführlichen Linernotes) bedacht – dadurch entsteht ein hübsches Panaorama zum Thema, vorgetragen von einer Reihe hervorragender KünstlerInnen wie Mississippi John Hurt, Leadbelly, Furry Lewis oder einem sehr rau singenden und wenig bekannten Boogie-Pianisten, der sich selbst „Jesse James“ nannte. Sehr gute Zusammenstellung und wie immer ein Nice-Price-Produkt.


Autor: Thomas Divis
Erstellt im Mai 2008

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