Österreich braucht kein Glyphosat. Gemeinden, Landwirtschaft und private Gärten können auf alternative Lösungen zurückgreifen

Morgen sollen die EU-Staaten darüber abstimmen, ob die Zulassung des umstrittenen Totalherbizids Glyphosat weiter verlängert wird. Dass es sehr wohl auch ohne Glyphosat möglich ist Äcker, Parkanlagen und Gärten frei von Unkraut zu halten, zeigen die heute von der Umweltschutzorganisation Greenpeace vorgelegten Praxisbeispiele.

Mehrere österreichische Gemeinden, wie Villach und Baden bei Wien sowie auch LandwirtInnen greifen vermehrt zu giftfreien Alternativen. Falls die Zulassung von Glyphosat trotz aller Bedenken verlängert werden sollte, fordert Greenpeace EntscheidungsträgerInnen und AkteurInnen in Österreich auf, sich an den vorgelegten positiven Beispielen zu orientieren und in ihrem jeweiligen Wirkungsbereich auf Glyphosat zu verzichten. Doch auch Bundesminister Andrä Rupprechter trägt hier Verantwortung: Von ihm fordert die Umweltschutzorganisation einen österreichweiten Ausstiegsplan für Glyphosat bis Ende 2017.

„Wir brauchen in Österreich kein Glyphosat, denn es gibt genügend Alternativen“, sagt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftssprecher bei Greenpeace in Österreich, „Die Profitinteressen von Monsanto, Bayer und Co. dürfen nicht über dem Schutz der menschlichen Gesundheit stehen.“ Denn der Unkrautvernichter steht in Verdacht Krebs zu verursachen. „Es ist höchste Zeit, dass wir jetzt beim Thema Glyphosat das Vorsorgeprinzip ernst nehmen und möglichst schnell auf die bereits bestehenden Alternativen umsteigen“, fordert Theissing-Matei.

Momentan wird noch in vielen Gemeinden Glyphosat im öffentlichen Raum eingesetzt. Aber einige Gemeinden, wie beispielsweise Villach beweisen, dass es problemlos möglich ist auch ohne das Totalherbizid ungewollte Vegetation einzuschränken. Villach hat schon 2013 den Beschluss gefasst auf sämtliche fragwürdige Pestizide zu verzichten. Auch Baden bei Wien und Klagenfurt verzichten seit kurzem auf Glyphosat. Stattdessen setzen die Städte jetzt auf mechanische Unkrautbekämpfung und moderne Heißdampfverfahren. Mehr und mehr Gemeinden folgen diesem Bespiel und schränken die Nutzung von Glyphosat bereits ein oder arbeiten an Ausstiegsplänen, darunter auch die beiden größten Städte Österreichs, Wien und Graz, sowie Salzburg, St. Pölten, Bregenz, Eisenstadt und Leoben.

Auch in der Landwirtschaft wird vermehrt auf Alternativen gesetzt. „Biologische Betriebe verzichten seit Jahrzehnten auf chemisch-synthetische Pestizide, darunter auch Glyphosat. Aber auch in der konventionellen Landwirtschaft setzen bereits viele Betriebe den Unkrautvernichter nicht mehr ein“, erklärt Theissing-Matei. Hier greifen LandwirtInnen auf moderne Geräte zurück, die den Boden nur möglichst seicht bearbeiten. Zudem wird generell darauf geachtet, dass der Acker eine gute Humusschicht mit großer Wasserspeicherkapazität aufweist, um Erosionsschäden zu vermeiden. Auch Landwirtschafsminister Andrä Rupprechter hat unlängst wieder seine Meinung bekräftigt, dass die österreichische Landwirtschaft nicht auf Glyphosat angewiesen sei. Damit mehr Betriebe auf den Unkrautvernichter verzichten, braucht es vor allem Fortbildungsmaßnahmen, Erfahrungsaustausch zwischen LandwirtInnen, das Probieren neuer ackerbaulicher Lösungen, maschinelle Neuerungen und nicht zuletzt Unterstützung für jene Betriebe, die auf nachhaltige Methoden ohne Totalherbizide umsteigen wollen.

Auch im eigenen Garten ist Glyphosat nicht notwendig: Unerwünschte Pflanzen können gejätet oder mit einem Fugenkratzen entfernt werden. Einige Beikräuter sind zudem essbar, etwa Brennnessel, Giersch oder Löwenzahn. „Österreich braucht kein Glyphosat. Sollte die Verlängerung der Zulassung in Brüssel nicht verhindert werden, dann müssen Bundesminister Andrä Rupprechter und AnwenderInnen von Glyphosat gemeinsam Verantwortung für den Schutz der öffentlichen Gesundheit übernehmen und möglichst schnell auf giftfreie Alternativen umsteigen. Österreich braucht einen Ausstiegsplan bis Ende 2017“, sagt Theissing-Matei abschließend.

Quelle: Presseaussendung, Greenpeace, 23. Juni 2016
 

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