Menschenrechtsverletzungen im Schatten von Olympia Thema bei Menschenrechtsrat der UNO

Rio/Genf: Bei der 32. Sitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf standen am 28.6.2016 Menschenrechtsverletzungen bei Sportgroßveranstaltungen, konkret bei den Olympischen Spielen in Rio, auf der Tagesordnung.

Ana Paula Oliveiras Sohn wurde von der Polizei getötet. Maria de Penha Macena repräsentiert eine von tausenden Familien, die für Olympia aus ihrem Zuhause vertrieben wurden. Die beiden Frauen bringen ihre Schicksale gemeinsam dem Menschenrechtsrat vor.

Ana Paula Oliveira berichtet: “Ich bin die Mutter von Johnatha. Er wurde von einem Polizisten getötet. Mein Sohn war kein Krimineller. Ich spreche hier nicht nur für mein eigenes Leid, sondern im Namen einer Vielzahl junger Leute, die tagtäglich unschuldig in den Favelas getötet werden, vorwiegend durch Polizisten. Und ihre Zahl steigt, je näher die Spiele kommen. Ich appeliere an meine Regierung, dass diese Mörder zur Verantwortung gezogen werden, und fordere das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf, das Leben der Menschen in den Favelas zu schützen!”

“Ich lebte in Vila Autódromo, dort, wo jetzt der Olympische Park ist. Wir wurden gezwungen, unsere Siedlung zu verlassen. Mein Haus wurde zerstört. Wir wurden nicht gefragt, und standen stark unter Druck. Jetzt lebe ich in einem Container.”, erzählt Maria da Penha Macena, und weiter: “Ich wende mich an das IOC, unsere Regierung dazu zu bringen, dass wir nach dem Ende der Spiele in unsere Siedlung zurück können, und dass Menschenrechte bei künftigen Spielen respektiert werden.”

Das Bündnis ist groß. In Zusammenarbeit mit Amnesty International Brasilien, Terre des Hommes International, dem Comitê Popular da Copa e das Olimpíadas do Rio de Janeiro und  der Initiative Nosso Jogo ist es gelungen, einen Side Event beim Menschenrechtsrat der UNO auf die Beine zu stellen, auf dem die beiden brasilianischen Frauen Gehör finden.

Der gemeinsame Druck zeigt Wirkung: Das Internationale Olympische Komitee traf sich am 29.6.2016 mit Ana Paula Oliveira und Maria da Penha Macena. In dem Gespräch kamen die Menschenrechtsverletzungen offen zur Sprache.  Philip French, der IOC Direktor für öffentliche Angelegenheiten und soziale Entwicklung, war betroffen vom Schicksal der beiden Frauen und versprach, ihre Anliegen in Rio zu thematisieren.

Die Anwaltschaftsreferentin Ute Mayrhofer der Dreikönigsaktion ist für Nosso Jogo vor Ort und unterstreicht den Appell der beiden Frauen : “Menschenrechte müssen bei Vergabe, Vorbereitung und Durchführung von Olympischen Spielen gelten. Es ist nicht zu tolerieren, dass Sportevents auf dem Rücken der Ärmsten ausgerichtet werden. Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Kein Mensch darf unter Olympia leiden.”

Diese Forderungen sind auch Gegenstand der Nosso Jogo Petition „Keine Menschenrechtsverletzungen im Rahmen von Olympischen Spielen“. Sie richtet sich an den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach.

„Stopp der Zwangsumsiedelungen, Stopp der Polizeigewalt und Stopp der Verschwendung von Steuergeld in Rio. Das IOC muss halten, was es mit seiner Agenda 2020 verspricht, und bindende Menschenrechtsstandards festschreiben“, fasst Martin Kainz von der Nosso Jogo-Organisation VIDC die Kernforderungen der Petition zusammen.

In einer schriftlichen und einer mündlichen Stellungnahme (‘Written Statement’ und ‘Oral Statement’) fordern die Initiative Nosso Jogo und ihre Bündnisorganisationen beim UNO Menschenrechtsrat, dass seine Mitgliedsstaaten internationale Menschenrechtsstandards vollinhaltlich erfüllen und eine aktive Rolle in Richtung einer effektiven Umsetzung von ‘Sport und den Olympischen Idealen’ zur Förderung der Menschenrechte für alle einnehmen.

Die ständige Vertretung Österreichs bei den Vereinten Nationen in Genf unterstützt Nosso Jogo und die Anliegen der Initiative. Österreich bestärkt in der Sitzung des UN Menschenrechtsrats am 28.6., dass die Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit von solch großen Anstrengungen rund um Sportveranstaltungen wesentlich von der Fähigkeit von Sportorganisationen, veranstaltenden Ländern und Städten sowie allen anderen relevanten Akteuren abhängen, diese Events in vollem Respekt der internationalen Menschenrechtsstandards zu organisieren. Österreich ruft diese Stakeholder gleichsam auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und Sport-Events konform zu Menschenrechtsstandards abzuhalten, damit Strategien zur Förderung der Menschenrechte durch Sport und das Olympische Ideal auch den gewünschten Effekt erzielen können.

Quelle: Presseaussendung, DKA, 29.06.2016

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