Gutes Leben für alle und Solidarökonomie in Brasilien

Selbstverwaltete Betriebe, in denen Entscheidungen demokratisch getroffen werden, mit dem Ziel ein gutes Leben für alle zu ermöglichen, sind Grundgedanken von solidarökonomischen Wirtschaftsformen.

© Südwind

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Auf Einladung der Menschenrechtsorganisation Südwind berichteten im Rahmen des Kongresses „Gutes Leben für alle“ an der WU Wien die brasilianischen ExpertInnen Elisabeth Grimberg und Gilberto Ohta de Oliveira über die Umsetzung von solidarökonomischen Konzepten in der Land- und Abfallwirtschaft.

Im Hinblick auf soziale und solidarische Ökonomie gilt Brasilien als Vorreiterland. Am Beginn standen in den 1980er Jahren die „geretteten Fabriken“ (fábricas recuperadas). Firmen wurden durch die eigene Belegschaft vor dem Konkurs gerettet und unter Selbstverwaltung der Beschäftigten weitergeführt. „Die kollektive Selbstverwaltung gilt als eines der wichtigsten Prinzipien der solidarischen Ökonomie“, erklärt die brasilianische Wissenschaftlerin Elisabeth Grimberg, die neben ihrer wissenschaftlichen Studien als Aktivistin bei einer Kooperative von MaterialsammlerInnen in Brasilien tätig ist.

„In Brasilien wurde die solidarische Ökonomie vor allem als Strategie sozialer Inklusion gesehen und daher auch staatlich gefördert“, erläutert Gilberto Ohta de Oliveira, Betriebswirt und Gründungsmitglied der Kooperative Mata Atlantica, die sich für eine nachhaltige und solidarische Bewirtschaftung im atlantischen Regenwald bei São Paulo engagiert. In Brasilien werden solidarökonomisch produzierte Waren beim öffentlichen Einkauf bevorzugt, wie z.B. die Bio-Bananen von Mata Atlantica, die Ohta de Oliveira produziert und vermarktet.

Solidarökonomie in Österreich
Auch in Österreich existieren vielfältige alternative Wirtschaftsinitiativen. Haus- und Gartenprojekte, Food Coops, Tauschkreise, Kostnix-Läden, oder Repair-Cafés sind Beispiele dafür. „Gemeinsam ist diesen Formen alternativen Wirtschaftens, dass Entscheidungen demokratisch getroffen werden, dass die Beteiligten darauf achten, Machthierarchien abzubauen und insgesamt ein Beitrag geleistet wird für mehr Demokratie, Gleichheit und Umweltbewusstsein“, erklärt Susanne Loher den gemeinsamen Nenner der unterschiedlichen Initiativen. Das Südwind-Projekt SuSY (Sustainability and Solidarity in Economy) macht solidarökonomisch organisierte Betriebe und Gruppen sichtbar, um aufzuzeigen, wie alternative Wirtschaftsformen funktionieren und Menschen von diesen bestehenden Beispielen lernen können.

Quelle: Aussendung Südwind, 9. Februar 2017

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