Warum über sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge herziehen...

Geschichten und Gedanken zum Thema Flucht und Migration von Maria Reininger, ORF Ö1 Redakteurin

Warum über sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge herziehen, wenn Europäer auch schon seit Jahrhunderten aus wirtschaftlichen Gründen geflüchtet sind?

Im 19. Jahrhundert trieben die ausgebliebenen Kartoffelernten und Hungersnot in Irland 2 Millionen Menschen auf die Schiffe nach Amerika. Jahrelang schlechtes Wetter und ständiger Nebel erleichterten vermutlich die Bildung von Fäulnispilzen. Als 1845 die Kartoffelernte ausfiel, starben eine Million Menschen, zwei Millionen irische Wirtschaftsflüchtlinge konnten nach Amerika fliehen. 

30.000 Burgenländer und ihre Nachfahren leben in Chicago – oder wie das jetzt heißt 30.000 Menschen mit burgenländischem Migrationshintergrund. Ab 1850 sind sie massenhaft migriert, nach dem ersten Weltkrieg noch eine Gruppe. Wieso werden sie bis heute Pioniere genannt, und Nigerianer, die in Europa Fußballstars werden wollen, nicht?

Und weiter zurück in die 525-jährige Geschichte seit Kolumbus: Was waren denn die kolonialen Feldzüge für die Massen an kleinen Matrosen, Siedlern und Händlern im Gefolge ihrer Herrscher anderes als die Flucht vorm kargen Leben in Europa?


Flüchtlinge abwerten, Migranten in einem Atemzug mit Extremisten nennen, und ein geradezu hysterisches Sicherheitsdenken, das glauben machen soll, wir bräuchten vor allem mehr Militär und Abwehr. Das sind Sackgassen österreichischer Politik angesichts internationaler Krisen. Es geht aber auch anders. Und das hat nichts mit naiver Schönfärberei zu tun, sondern mit ein paar wirtschaftlichen und menschlichen Überlegungen.

Hier ein paar Erzählungen und Thesen dazu, wies kommt, dass Menschen unfreiwillig nach Europa migrieren, und wie EU-Politik so gedreht werden könnte, dass ein Austausch in Wohlstand entsteht:

Text: Maria Reininger. Die ORF Ö1 Redakteurin, ist seit 30 Jahren mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik beschäftigt und anderem für die Initiative Jubilee 2000 mit dem Ökonimen Jeffrey Sachs.

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