Was also tun mit denen, die an Europas Grenzen ankommen?

Geschichten und Gedanken zum Thema Flucht und Migration von Maria Reininger, ORF Ö1 Redakteurin

Was also tun mit denen, die an Europas Grenzen ankommen?  Lediglich „einladen umzukehren“, wie das einmal ein zynischer österreichischer Innenminister formuliert hat, ist keine Politik. 

Und ein Weltjournal im ORF hat im Sommer 2016 gezeigt,  dass die konservative Vision von der totalen Grenzkontrolle reine Illusion ist.

  • Am Beispiel des „Tortilla Curtain“, also des Zauns der USA zu Mexiko war das zu sehen: Die Kosten für Zaunbau und Polizei-Einsätze sind ins Astronomische  gestiegen. Assymptotisch: für immer weniger Effekt muss immer mehr Geld aufgewendet werden, will man die Grenze wirklich völlig dicht machen. Ob nun mit dem  von US-Präsident Donald Trump gewünschten Mauerbau die Grenzkontrolle jemals ganz verwirklicht wird, ist mehr als fraglich. Mal abgesehen vom Zynismus der dazu nötig ist in einer freien Welt, die einmal stolz den Mauerfall in Berlin gefeiert hat. Mit welchen Methoden also gesichert wird, das ist aus der Geschichte der DDR bekannt.
  • Und umgelegt auf Europa: um 7.700 km Schengengrenze in Europa zu sichern, also die Außengrenze der Ländergemeinschaft, die innerhalb eigentlich keine Grenzkontrollen mehr wollte, hat man in dieser Sendung 2.000 Milliarden Euro veranschlagt. Eine astronomische Summe, die anders investiert werden könnte.  42.000 km EU-Wassergrenzen kämen noch dazu. (Die Flüchtlings-Vereinbarung mit der Türkei hat hier teilweise Erleichterung gebracht.)
  • Die Anstrengungen, die nötig sind, um die Illusion von der totalen Grenzkontrolle aufrecht zu erhalten, waren in der EU seither auch zu hören: im bösartigeren Wording über Flüchtlinge, die zu Eindringlingen gemacht wurden.

Nein, die EU kann nicht ganz Afrika einladen, aber die Dinge müssen anders, vor allem auf gleicher Augenhöhe ausgehandelt werden.


Flüchtlinge abwerten, Migranten in einem Atemzug mit Extremisten nennen, und ein geradezu hysterisches Sicherheitsdenken, das glauben machen soll, wir bräuchten vor allem mehr Militär und Abwehr. Das sind Sackgassen österreichischer Politik angesichts internationaler Krisen. Es geht aber auch anders. Und das hat nichts mit naiver Schönfärberei zu tun, sondern mit ein paar wirtschaftlichen und menschlichen Überlegungen.

Hier ein paar Erzählungen und Thesen dazu, wies kommt, dass Menschen unfreiwillig nach Europa migrieren, und wie EU-Politik so gedreht werden könnte, dass ein Austausch in Wohlstand entsteht:

Text: Maria Reininger. Die ORF Ö1 Redakteurin, ist seit 30 Jahren mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik beschäftigt und anderem für die Initiative Jubilee 2000 mit dem Ökonimen Jeffrey Sachs.

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