Ay Nicaragua, Nicaragüita!

Die Nicaragua-Solidarität hat schon zwei Jahrzehnte auf dem Buckel - und hat gerade im Gefolge der Wirbelsturmkatastrophe ihre Stärke wieder unter Beweis gestellt.

Herbst 1978: Die SympathisantInnen des sandinistischen Volksaufstandes gegen die Somoza-Diktatur können sich immer häufiger über Erfolgsmeldungen der Rebellen freuen. Und sie trauern um die zahlreichen Opfer der somozistischen Repression. Der populäre Musiker Carlos Mejía Godoy, später bekannt als Komponist der sandinistischen Hymne, und seine Palacagüinas touren durch Österreich. Erste Keime einer Solidaritätsbewegung sprießen, vom damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky tatkräftig unterstützt.

Juli 1979, der Triumph: Anastasio Somoza wird gestürzt, die Sandinisten ziehen siegreich in Managua ein. Die mit der sandinistischen Revolution sympathisierenden Unterstützungsgruppen schießen wie Pilze aus dem Boden. Tragend ist das »Österreichische Solidaritätskomitee für Nicaragua«, gebildet aus VertreterInnen mehrerer Organisationen. Die Gewerkschaftsjugend entsendet einen gewissen Fritz Verzetnitsch als Delegierten. Die Bundesregierung verdoppelt alle Spenden.

Ab 1984 werden Solidaritätsbrigaden nach Nicaragua entsandt, aus denen in der Folge viele »interkulturelle Beziehungen« entstehen sollten. Von ÖED und IIZ werden Entwicklungshelfer und -helferinnen in Nicaragua eingesetzt – bis zu 60 Personen pro Jahr.

Erstaunlicherweise lebt die NicaraguaSolidarität auch nach der Abwahl der Sandinisten 1990 weiter. Vorherrschend ist nunmehr die Form der Partnerschaft auf Gemeinde-, Bezirks- oder Universitätsebene, wobei einige Gruppen eine starke Verankerung in der heimischen Gemeindepolitik erreichen.

Herbst 1998: Der Hurrican »Mitch« zeigt, wie lebendig und effektiv die Nicaragua-Solidarität immer noch ist. Das von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium unterstützte Koordinationsbüro der Solidaritätsbewegung in Nicaragua, genannt CHICA, entwickelt sich unter dem Zwang der Ereignisse zu einer internationalen Anlaufstelle der Katastrophenhilfe. In relativ kurzer Zeit gelingt es, in Österreich Spendenmittel von über zehn Millionen Schilling zu sammeln.

Anfang des Jahres 1999 gründen katholische Hilfsorganisationen die Initiative ¡VAMOS!, die sich eine wesentliche Ausweitung der Wiederaufbauhilfe zum Ziel gesetzt hat. Werner Hörtner

Der Autor ist Redakteur des SÜDWIND-Magazins und seit vielen Jahren Nicaragua-Aktivist.

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erstellt von Semper Andreas
Letzte Änderungen: 22.06.04