WIDE-Presseaussendung: Frauen haben die Krise nicht gemacht – kommen
sie deshalb beim G-20 Gipfel nicht vor?
(Wien, 1.4.2009) Das Frauennetzwerk WIDE – Women in Development
Europe sieht im Treffen der 20 größten Industriestaaten eine
Fortsetzung der Politik, die die Welt in die schwerste Krise seit 1930
geführt hat. Frauen kommen in den Szenarien zur Krisenbekämpfung
kaum vor. Es zeichnet sich aber jetzt schon ab, dass es weltweit wieder
die Frauen sein werden, die die Hauptlast zu tragen haben werden.
Die männlichen Eliten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und
Medien haben diese Krise verursacht – sie werden kaum diejenigen
sein, die die Welt aus dieser Krise wieder herausführen können.
Deshalb fordert WIDE eine breite demokratisch organisierte Diskussion,
bei der Frauenorganisationen in die Entscheidungsprozesse mit einbezogen
sind. Außerdem braucht es die Einbeziehung der armen Länder
des Südens und Ostens, wenn es um eine Neugestaltung des Wirtschafts-
und Finanzsystems geht. Da der Klimawandel die Lebensbedingungen der armen
ländlichen Bevölkerung weltweit noch zusätzlich verschärft,
muss Klimaschutz zentrales Thema des Treffens der mächtigsten AkteurInnen
am G-20 Gipfel sein.
Ausgehend von der Tatsache, dass 60% der ärmsten Milliarde Menschen
derzeit schon Frauen sind, ist die ILO-Ankündigung, dass 22 Millionen
Frauen in Folge der Krise ihre Erwerbsarbeit verlieren werden, ein Alarmzeichen.
Die derzeitigen Konjunkturpakete sind geschlechterblind und geben kaum
Impulse für einen ökologischen Umbau der Wirtschaft. Die Wertschöpfung
der arbeitsintensiven Bereiche wie Pflege, Bildung, Gesundheit läuft
in der Krise weltweit Gefahr, wieder in unbezahlte Frauenarbeit abzugleiten.
Anstatt die ärmsten Länder bei der Bewältigung der Krise
verstärkt zu unterstützen – und dabei seiner Selbstverpflichtung
zur Erhöhung der Entwicklungszusammenarbeit auf 0,5% des BNP bis
2010 schrittweise nachzukommen – spart Österreich bei der EZA,
wie die jüngsten OECD-Daten zeigen.
WIDE fordert deshalb anlässlich des G-20 Gipfels:
- Demokratische Mitgestaltung der Reformen durch alle „Stakeholder“
- Einführung einer europaweiten Finanztransaktionssteuer
- Rückkehr zum Umlagesystem für die Pensionssicherung
- Schließung von Steueroasen
- Eine globale Finanzmarktaufsicht
- Demokratisierung oder Abschaffung des IWF
- Ausrichtung von Konjunkturpaketen an den Bedürfnissen von Frauen
und nach ökologischen Kriterien
- Ausbau der Entwicklungsfinanzierung – Konjunkturpakete für
Entwicklungsländer
- Gezielte Förderung des sozialen Dienstleistungssektors
- 40% Frauen in die Aufsichtsräte
- Abschaffung von prekären Arbeitsverhältnissen weltweit
Rückfragehinweis:
WIDE – Netzwerk Women in Development Europe
Tel: 01-317 40 31, wide.austria@aon.at
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Bildunterschrift: Demo "Wir zahlen nicht für
eure Krise" am 28.3.2009 in Wien, Foto: Renate Schneider
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