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WIDE-Presseaussendung:
Frauen in der Nahrungsmittelkrise
Expertinnen kritisieren Landraub, Spekulation und unfairen Agrarhandel
(Wien, 18.10.2010) Anlässlich der heutigen Veranstaltung „Strange
Food - Frauen in der Nahrungsmittelkrise: der Kampf gegen Mangel inmitten
von Überfluss“ fordert das entwicklungspolitische Frauennetzwerk
WIDE die österreichische Regierung auf, sich für einen Vorrang
von „fair trade“ vor „free trade“ im Welthandel
einzusetzen! Das betrifft den Bereich der Finanzmärkte und Investitionen
ebenso wie den Agrarhandel, öffentliche Beschaffung und Patentrechte.
Landraub: neokoloniale Form der Produktion
für den Export
In den Ländern des globalen Südens bilden Frauen das Rückgrat
für Ernährungssicherheit und Entwicklung im ländlichen
Raum: Sie produzieren zwischen 60 und 80 Prozent der lokal konsumierten
Lebensmittel, besitzen jedoch durchschnittlich nur 10 Prozent der Bodenrechte.
„Verkaufen oder verpachten Regierungen nun an einen Investor Land,
das bisher von Frauen bewirtschaftet wurde, ist für diese die Lage
besonders prekär. Denn ohne formalen Landtitel bleibt ihnen der ordentliche
Rechtsweg verwehrt, gegen eine ungewollte Veräußerung ihres
Landes Einspruch zu erheben oder eine adäquate Entschädigung
einzuklagen,“ erläutert Ute Straub von der Heinrich Böll-Stiftung
in Berlin.
Frauen brauchen Landrechte
„Wenn der weltweite Hunger erfolgreich bekämpft werden soll,
kann das Recht der Frauen auf Land nicht länger ignoriert werden“,
fordert Suman Suman von FIAN Indien. „70 Prozent der von Hunger
Betroffenen sind Frauen. Wann immer es um Landwirtschaft (und Reformen)
geht, muss die Beteiligung von Frauen sichergestellt sein, denn sie sind
es, die die wichtigste Rolle in der Landwirtschaft haben.“
Strukturelle Ursachen von Hunger
Seit der Nahrungsmittelkrise 2007/08 und der Finanz- und Wirtschaftskrise
2008/09 ist die Zahl chronisch unterernährter Menschen auf 925 Millionen
gestiegen. „An den strukturellen Ursachen von Hunger hat sich nichts
geändert“, kritisiert Gertrude Klaffenböck von FIAN. „Im
Gegenteil: Die Liberalisierung des Welthandels wird weiter vorangetrieben,
Spekulation mit agrarischen Rohstoffen, landwirtschaftliche Produktion
für den Export, die Flächenkonkurrenz zwischen Agroenergiepflanzen
und dem Anbau von Grundnahrungsmitteln sowie ungerechte Handelsbeziehungen
verschärfen die Situation sogar noch.“
Spekulation führt zu Preisanstieg von
Nahrungsmitteln
Der starke Anstieg der Nahrungsmittelpreise und die damit ausgelöste
Hungerkrise kann jedoch nicht allein aus der steigenden Nachfrage oder
der Produktion von Agrotreibstoffen erklärt werden. „Ein zentraler
Faktor für die Vervierfachung der Rohstoffpreise zwischen 2002 und
2008 ist auch die ‚Finanzialisierung’ der Rohstoffmärkte,
ausgedrückt durch steigende spekulative Aktivitäten von Finanzinvestoren
in Rohstoffbörsen“, betont Karin Küblböck von der
ÖFSE – Österreichische Forschungsstiftung für Entwicklungspolitik.
„Auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten wurde Profit
auf Kosten der Ärmsten gemacht. Politische Regulierungen sind in
diesem Bereich dringender notwendig denn je.“
Unfaire Politiken müssen geändert
werden
WIDE fordert, dass die Ziele der Entwicklungspolitik und Gleichstellung
von Frauen ernst genommen werden müssen! Die unfairen internationalen
Investitions- und Handelspolitiken bedürfen dringend einer Richtungsänderung.
Frauen brauchen Landrechte und Mitsprachemöglichkeiten!
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Fotos: Straßenaktion
zu Landraub von FIAN, ÖBV-Via
Campesina, attac und WIDE am 15.10.2010 in Wien, © attac
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www.attac.at/landraub
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